01.03.2020 - 16:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Hannes Lautenschlager: Oberpfälzer Kneipenflair in Berlin

Cocktails mixen, Dienstplan schreiben, das Leben genießen. Der 28-jährige Hannes Lautenschlager aus Ensdorf lebt seit neun Jahren in Berlin. Mit seiner Lamm-Bar hat er nicht nur Erfolg. Er bringt auch ein Stück Oberpfalz in die Hauptstadt.

Hannes Lautenschlager ist angekommen. Der Vilstaler hat in Berlin eine Bar eröffnet - natürlich nicht ohne ein wenig Oberpfälzer Flair.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Vor über einem Jahr wagt Hannes Lautenschlager den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine eigene Bar in der Hauptstadt. Im Interview erzählt er von Schwierigkeiten, der Liebe zu seiner Bar – und was es mit seinen Lämmern und Lämmchen auf sich hat.

ONETZ: Vom Vilstal in die Hauptstadt - was hat dich nach Berlin gezogen?

Hannes Lautenschlager: Einerseits das Studium der Umwelttechnik an der TU-Berlin, andererseits zwei Freunde, die beide – genau wie ich - auch aus Ensdorf kommen.

ONETZ: Du hast deine Bar "Lamm Bar" genannt. Wieso dieser Name?

Hannes Lautenschlager: Das hat mehrere Gründe. Zum einen betreibe ich die Bar mit einem Kollegen, der schon eine Bar in Friedrichshain namens "Krass Böser Wolf" betreibt. Zum anderen liegt die Bar in der Wisbyer Straße 1. Visby ist eine Stadt auf einer schwedischen Insel und das Wappen der Stadt Visby ist das Lamm Gottes. Außerdem ist mein Vater Schäfer. Ich würde also sagen, ich habe ein besonderes Verhältnis zu Lämmern.

ONETZ: Schnaps aus der Oberpfalz, in der Anfangszeit bayerisches Essen. Wie wichtig war es dir, ein Stück Heimat in die Hauptstadt zu bringen?

Hannes Lautenschlager: Das bayrische Essen mussten wir leider aufgeben, das war einfach viel zu viel Arbeit. Wir konzentrieren uns seit einem Jahr nur noch auf Getränke. Der Fokus unserer Bar liegt auf Cocktailkreationen, die mein Team und ich entwerfen. Allerdings sind wir ein sehr inklusiver Laden. Bei uns gibt es auch günstiges gutes Fassbier aus der Oberpfalz, Wein, hausgemachte Limos ohne Alkohol. Am Anfang habe ich wenig darüber nachgedacht Sachen aus der Oberpfalz in die Hauptstadt zu bringen. Das ergab sich erst, als meine Eltern bei einem Brenner aus Nittenau Birnen aus unserem eigenen Garten zu einem Birnenbrand für mich brennen ließen, den wir nun in der Bar verwenden. Seitdem versuche ich mit meinem Partner Synergien zwischen diesen beiden - vordergründig nicht kompatiblen - Welten zu schaffen. Hinter solchen Produkten kann ich natürlich besser stehen als hinter irgendeinem Produkt eines multinationalen Spirituosenkonzerns.

ONETZ: Location-Suche, Umbau, Eröffnung Anfang 2019. Wie viel Arbeit hast du in die "Lamm Bar" gesteckt?

Hannes Lautenschlager: Die Suche nach Mietobjekten in Berlin, egal welcher Art, macht nicht wirklich Spaß. Das ist ein absurder Markt mit absurden Akteuren und absurden Preisen. Die Umbauarbeiten haben wir größtenteils in Eigenregie geleistet, wir haben nur wenige, vielleicht im Nachhinein zu wenige, Gewerke outgesourced. Manche Bauabschnitte haben sich dadurch sicher in die Länge gezogen. Aber ich glaube "Sanierung im Bestand" kann ich jetzt. Mein Partner und ich haben in dieser Zeit viel gelernt, nicht nur in praktischer Hinsicht, sondern auch, was die Kommunikation mit Ämtern und Architekten angeht.

ONETZ: Hast du je an dem Projekt gezweifelt?

Hannes Lautenschlager: Am Projekt an sich habe ich selten gezweifelt, in den letzten Wochen wurde mir dann auch klar, dass der Laden an sich wunderschön werden wird und genau unseren Vorstellungen entsprechen wird. Aber ich habe mich definitiv ab und zu gefragt: Naja, und wenn jetzt einfach keine Gäste kommen?

ONETZ: Welches Konzept wolltest du in deiner Bar mit deinem Partner verwirklichen?

Hannes Lautenschlager: Wir wollten einen Ort für die Nachbarschaft schaffen, in dem Leute zusammenkommen und sich kennenlernen. Wir sind in einer Lage, in der wir wenig Laufkundschaft haben und somit auf Gäste aus der unmittelbaren Umgebung zählen. Bis jetzt funktioniert das ganz gut. Das Getränkekonzept im speziellen ist sehr inklusiv, es soll für jeden was dabei sein. Es gibt günstiges Bier, guten Wein, Longdrinks mit verschiedensten Spirituosen und selbst kreierte Cocktails. Die Cocktails gibt es in zwei Größen. Einmal in der ganz normalen Standardgröße genannt "Lamm" und dann in einer Probiergröße "Lämmchen".

ONETZ: Was ist an einer Bar wichtig, damit sie bei den Leuten ankommt?

Hannes Lautenschlager: Qualität im Service und bei den Getränken, ein Barteam, das gute Stimmung verbreitet, ein schöner Raum. Schönes Licht wird auch oft unterschätzt, da hatten wir tatsächlich Glück, gute Akkustik ist auch nicht schlecht, damit man sich nicht anschreien muss – was bei uns ehrlich gesagt noch ausbaufähig ist.

ONETZ: Wie stark ist deine Konkurrenz? Und wie versuchst du, dich mit deiner eigenen Bar zu etablieren?

Hannes Lautenschlager: Auf dem Level, auf dem wir arbeiten, haben wir zwar schon ein paar Gäste, die aus anderen Stadtteilen zu uns kommen, die meisten Gäste rekrutieren sich aber aus der direkten Umgebung der Bar, also maximal 15 Minuten Fußweg, tendenziell sogar weniger. In unserer näheren Umgebung gibt es quasi keine einzige Bar, so dass wir theoretisch konkurrenzlos sind. Allerdings war das auch das Risiko des Standorts. Die Cocktails und die Techniken, mit denen wir arbeiten, sind schon avantgarde. Allerdings glaube ich, dass man mittlerweile eher mit gutem Service die Punkte holt. Gute Cocktails zu machen ist jetzt nicht so schwierig. Einfach das Internet einschalten und Rezepte raussuchen.

ONETZ: Wie haben sich die vergangenen neun Jahre in der Hauptstadt verändert?

Hannes Lautenschlager: Ich bin durch viele verschiedene Phasen gegangen. Ich denke, so richtig begriffen habe ich Berlin auch erst ab 2014. Da fing für mich das Leben an. Durch den ganzen Scheiß, den man jeden Tag auf der Straße sieht, bin ich auf jeden Fall gut abgestumpft, und konservativer bin ich nicht geworden.

ONETZ: Hattest du in deiner Bar schon Besuch aus der alten Heimat?

Hannes Lautenschlager: Ja, auf jeden Fall. Das freut mich natürlich am meisten. Vor allem, wenn auch ältere Semester die Atmosphäre begreifen und merken, dass da ein paar Leute Liebe in den Laden gesteckt haben.

ONETZ: Wie sieht heute ein normaler Tag in deinem Leben aus?

Hannes Lautenschlager: Meistens stehe ich um 8 oder 9 auf, weil ich sowieso nicht länger schlafen kann. Dann gehe ich meine To-Do-Liste durch und arbeite ab, was ich schaffe. Das können verschiedene Sachen sein: Gläser einkaufen, Bestellungen machen, Toilettenspülkästen reparieren, Dienstpläne schreiben, Cocktails entwerfen. Falls ich abends eine Barschicht habe, was rund drei bis vier Mal die Woche vorkommt, versuche ich, davor noch zu schlafen.

ONETZ: Welche Pläne hast du für die Zukunft? Eine weitere Bar?

Hannes Lautenschlager: Aktuell ist der Plan sicher noch die Etablierung der Lamm Bar. Das erste Jahr lief ganz ok, mal schauen, wie das zweite wird. Sollten sich dann die Prozesse langsam eingegrooved haben, kann ich mir durchaus vorstellen, weitere gastronomische Projekte zu starten.

ONETZ: Was fehlst dir in Berlin, wenn du an das Vilstal denkst?

Hannes Lautenschlager: Obwohl ich in Berlin gar nicht so oft den Drang habe, aus der Stadt raus in die Natur zu fahren, ist "Natur" trotzdem das erste, was mir einfällt. Ein paar Freunde, die ich leider nur selten sehe, fehlen mir natürlich auch. Oberpfälzer Essen … und Amateurfußball ohne Schlägereien.

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