Jennifer Caugill muss laut sprechen am Telefon, im Hintergrund bellen die Hunde. "Wir sind sehr voll", sagt die Mitarbeiterin des Amberger Tierheims. Eigentlich ist kein Platz mehr, weder für Hunde noch für Katzen. Gerade ist ein Hund abgeholt worden, er hat ein neues Zuhause gefunden. "Wir haben aber sehr viele Abgabe-Anfragen", erzählt Caugill. Die Berichte über die Corona-Hunde, die während der Pandemie angeschafft wurden und jetzt im Tierheim landen, treffen ihrer Ansicht nach zu - auch in Amberg.
In jedem fünften Haushalt
Als vor rund drei Jahren die Pandemie ausbrach, schien die Gelegenheit für viele Menschen günstig: Sie erfüllten sich ihren Wunsch nach einem Hund. Den Zahlen des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) nach zogen bereits im ersten Pandemiejahr 600.000 Hunde neu in deutsche Wohnungen und Häuser ein. Insgesamt gibt es laut IVH in Deutschlands Haushalten nunmehr etwa 10,6 Millionen Hunde. Zu jedem fünften Haushalt gehört ein Vierbeiner. Handelt es sich um Familien mit Kindern, ist der Trend noch deutlicher.
Jennifer Caugill kennt die Gründe, warum Hunde plötzlich nicht mehr zum Alltag passen. "Thema sind oft Hunde, die nur anhand eines Bildes im Internet ausgesucht worden sind", berichtet sie. "Etliche Hundehalter geben offen zu, dass sie den Aufwand an Zeit und Geld unterschätzt haben." Hinzu kommen oft gravierende Defizite beim Wissen über Hundesprache und -erziehung. Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Frühjahr 2022, also nach der Aufhebung der Homeoffice-Pflicht, hat das belegt. Jeder vierte befragte Tierhalter gab damals an, Probleme mit der Betreuung seines Haustieres zu haben. Jeder Fünfte bereute die Anschaffung sogar. Mehr als die Hälfte hätte sich gewünscht, zuvor mehr über die Haltung des Tieres gewusst zu haben.
500 Hunde pro Jahr
Echte Hunderversteher sind Alisha Keck und Susann Schulz. Beide arbeiten in der Hundeschule Teamdogs in Amberg, ihr Trainingsgelände liegt auf der Köferinger Heide. Die Pandemie war für die beiden eine schwere Zeit, denn ausgerechnet als sich viele Familien einen Hund angeschafft haben, durften sie nur eingeschränkt Unterricht geben. Teilweise durfte die Hundeschule aufgrund der Corona-Regeln gar nicht öffnen, teilweise war nur Einzelunterricht oder Hundebetreuung ohne Menschen möglich.
Alisha Keck lernt nach eigenen Schätzungen pro Jahr rund 500 Hunde in ihren Kursen kennen. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Soll ein Hund in die Familie kommen, sei das eine Lebensentscheidung. "Die Lebensumstände müssen passen", sagt sie. Oder andersherum: "Ein Arbeitstier ist kein Couchhund." Sie rät Interessenten dringend, sich den Hund vorher genau anzuschauen, Infos zu sammeln und dazu auch mit dem Züchter zu sprechen. "Ein guter Züchter wird sich dafür Zeit nehmen."
Gesten richtig deuten
Was kann man tun, damit das Haustier nicht zur Belastung wird? "Die Probleme nicht laufen lassen", sagt Susann Schulz. "Sich frühzeitig beraten lassen, Hilfe holen, ins Hundetraining gehen." Es ist wichtig, die Hundesprache zu verstehen und typische Gesten richtig zu deuten. Soziale Medien seien da oft alles andere hilfreich. "Da gibt es Videos die viele Likes haben, wo Hunde scheinbar lachen. Die Hunde haben da ein weit aufgerissenes Maul, weit aufgerissene Augen, Falten auf der Stirn, die ganze Mimik ist nach hinten gezogen. Sie lachen nicht, sie sind gestresst und überfordert."
Hunde sind zwar Energiebündel, doch das sollte nicht dazu führen, dem Tier keine Ruhe zu gönnen. Was viele Familien nicht ausreichend beachten: "Der Hund ist kein Spielzeug. Er braucht seine Ruhe und seinen Schlaf. Wird er nicht in Ruhe gelassen, beginnen viele Probleme", sagt Keck. "Viele Menschen verhalten sich gegenüber Hunden geradezu übergriffig." Hunde sollten eigentlich zwischen 18 und 20 Stunden pro Tag ruhen und schlafen.
Den beiden Trainerinnen ist es ein Anliegen, für die Ausbildung von Hundehaltern und Hunden zu werben. Weil das Einander-Verstehen die Voraussetzung für ein konfliktfreies Miteinander ist, nicht nur familienintern, sondern auch mit dem Umfeld, mit Leuten, die vielleicht Angst vor Hunden haben. Für dieses Anliegen gibt es jetzt auch den sogenannten Hundeführerschein - eine Prüfung in Theorie und Praxis für Hundebesitzer und ihren Freund auf vier Pfoten.




















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