21.10.2019 - 10:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Heckenschnitt kostet 2500 Euro

Was ist Wucher? Zum Beispiel knapp zwölf Euro für eine Wiesn-Maß? Nei, denn zu dem Straftatbestand gehört, dass der Geschädigte vorher im Unklaren gelassen wird. So wie eine Seniorin aus Amberg, die 2500 Euro für das Heckenschneiden zahlt.

Für drei Stunden Hecken schneiden verlangte ein 28-Jähriger von einer Rentnerin 2500 Euro.
von Autor HWOProfil

Der in der Tat heftige Fall war vorher zweimal terminiert. Doch die Verhandlungen platzten. Im dritten Anlauf saß nun endlich ein 28-Jähriger vor Amtsrichter Florian Meißner. Aus München samt seinem Verteidiger angereist und mit einer Reihe von Vorstrafen unterwegs. Seinen Beruf gab er als Angestellter an. Doch bei wem und in welcher Funktion wurde nicht deutlich.

Drei Stunden gearbeitet

Der eigentliche Sachverhalt wurde in der Verhandlung nur skizzenhaft erörtert. Denn schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass da wohl noch andere Verfahren gegen den Mann anhängig sind. Womöglich mit einer fühlbaren Straferwartung. Deswegen kam es zu einer Einstellung mit Geldauflage. Sie betrug konkret 2200 Euro, die der in München lebende 28-Jährige an eine 84 Jahre alte Seniorin aus Amberg als Schadensausgleich zahlen muss. Es ging um einen Arbeitseinsatz, der sich am 1. Juli 2017 auf dem Grundstück der alten Dame in Amberg abspielte. Die gehbehinderte Frau brauchte Hilfe beim Schneiden ihrer 15 Meter langen Hecke. Im Vorfeld war es zu Kontakten mit dem Angeklagten gekommen. Er erschien dann auch und säuberte die Hecke zwischen 10 und 13 Uhr von überhängendem Blattbestand. Als der bestellte Gartenarbeiter ging, verlangte er in dreister Bereicherungsmanier 2500 Euro und bekam sie tatsächlich.

Höchstens 300 Euro

Im Zuge später anlaufender Ermittlungen wurde das Gutachten eines Sachverständigen angefordert. Dabei kam ein Experte zu der Auffassung, dass der Rechnungsbetrag wohl maximal bei 300 Euro lag. Die Differenz zu den vor mehr als zwei Jahren kassierten 2500 Euro muss der 28-Jährige nun komplett an seine Amberger Auftraggeberin erstatten.

200 Euro wurden noch im Gerichtssaal anbezahlt. "Die Wiedergutmachung ist unerlässlich", befand der Strafrichter. Bis zum 31. Januar 2020 muss das Geld endgültig überwiesen sein. Damit schlossen sich die Aktendeckel. Zurück blieb die Frage, ob das nun Wucher, Betrug oder welcher Tatbestand auch immer war. Doch dies wurde durch die Verfahrenseinstellung überdeckt.

Zumindest eines aber war erfreulich: Die 84-Jährige bekommt das abgezockte Geld mit Abzug des realen Arbeitslohns zurück. "Wenn Sie nicht zahlen", ließ Richter Meißner den Angeklagten wissen, "treffen wir uns hier wieder."

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