13.08.2019 - 10:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Heimat auf der Zunge tragen

Als geniales Duo in Sachen Dialekt erwiesen sich Mundartdichter Dieter Radl sowie Liedermacher und Musiker Peter Seidl bei einem literarisch-musikalischen Mundartabend bei der KAB von Hl. Dreifaltigkeit.

Als Verfechter der Oberpfälzer Mundart und als deren absoluter Kenner zeigte sich Dieter Radl aus Sulzbach, der beim Mundartabend geballt eine Menge Interessantes über unseren Dialekt den aufmerksamen Gästen des Abends vermittelte und dabei auch noch für beste Unterhaltung sorgte.
von Adele SchützProfil

Der ehemalige Pädagoge Dieter Radl aus Sulzbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Dialekt unserer Region zu erhalten. Dazu hält er viele Lesungen und schreibt selbst Stücke in Oberpfälzer Mundart. "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is" heißt das jüngste Buch von Dieter Radl, in dem man rund 100 dieser Texte nachlesen kann. Er ist der Meinung: "Eine Sprache stirbt, wenn man sie nicht spricht". Dieter Radl ist des Oberpfälzer Dialekts mächtig wie kaum ein anderer, davon konnten sich die Gäste des Mundartabends, den der Vorstand der KAB Dreifaltigkeit organisiert hatte, überzeugen lassen. In Peter Seidl aus Amberg hat Dieter Radl ein passendes Pendant gefunden. Seidl verfasst selbst Lieder in Oberpfälzer Mundart, die im Textheft "Die Vilstalente" zusammengefasst sind. Eine schöne Auswahl dieser einmaligen Lieder brachte er beim Mundartabend zu Gehör.

Der Vorsitzende der KAB Hl. Dreifaltigkeit Manfred Baldauf freute sich, dass er die beiden Profis in Sachen Dialekt für die KAB-Veranstaltung gewinnen konnte und versprach einen unterhaltsamen literarischen und musikalischen Mundartabend. Gleich zu Beginn des rund zweistündigen Abends stellte Liedermacher Peter Seidl sein neues Lied "So is es Leben" vor und informierte, dass dieses die Amberger Uraufführung sei. Er sorgte damit für bestens gelaunte Gäste.

Zum Gelingen des Abends trug Seidl weiter mit seinen Liedern über die "Butzlkejh" und über Amberg mit seinen fünf Toren und sieben Brauereien bei. Dieter Radl hatte ein bunt gemischtes Programm im Gepäck: A weng durchs Jaouhr, a weng wos vo frähia und a weng wos zum Lacha und zum Naoudenka.

Zunächst wies Dieter Radl auf die kleinen, aber feinen Dialektunterschiede der Städte Amberg und Sulzbach hin, obwohl diese kaum 15 Kilometer auseinander liegen. Als Beispiel führte er an: "Die Amberger gehen in den Goartn, die Sulzbacher in den Gatn". Grundsätzlich weiß Radl zum Oberpfälzer Dialekt: "Der Oberpfälzer gilt als maulfaul und wenn er redet, ist es für viele unverständlich". Die Kurzsprachigkeit, wie beispielsweise bei "a göi" und die Vielzahl an Lauten sowie das Fehlen der Konsonanten würden laut Radl den Oberpfälzer Dialekt auszeichnen. "Der Dialekt ist Alltagssprache und gesprochene Sprache, es gibt keine normierte Schreibform, aus diesem Grund ist es für viele schwer, Dialekt zu schreiben oder zu lesen", berichtet er. Er wertet den Dialekt als Kulturgut und als gelebte bebilderte Gefühlssprache sowie gelebte Heimatverbundenheit. "Dialekt heißt die Heimat auf der Zunge tragen", meint Dieter Radl.

Liedermacher und Musiker Peter Seidl aus Amberg bereicherte den Mundartabend bei der KAB Dreifaltigkeit mit selbst geschriebenen Liedern in Oberpfälzer Mundart.
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