Amberg. (dwi) "Landstriche wurden geradezu entvölkert. Auch die Oberpfalz verlor in manchen Gebieten die Hälfte ihrer Bevölkerung", sagt Stadthauptmann Walter Hellmich in seiner Rede. Amberg versank in einen Dornröschenschlaf und verlor an Bedeutung. Keinesfalls wolle die Stadtwache dem Dreißigjährigen Krieg ein Denkmal setzen. Der Verein wolle vielmehr zum Nachdenken anregen, da viele Parallelen zum Nah-Ost-Konflikt zu erkennen wären.
Bewusst wählten sie die Nachdrucke in Schwarz-Weiß; es verstärke die Dramatik der Ereignisse. Die Bevölkerung schrumpfte von 17 auf elf Millionen. Gewalt, Hunger und Seuchen waren hierfür die Ursachen. Der Dreißigjährige Krieg führte erstmals zu Flüchtlingsströmen. Mindestens ein Zehntel der böhmischen Bevölkerung musste damals aus Glaubensgründen die Heimat verlassen. Dennoch ging es nicht nur um Konfessionen. Die Fronten waren viel komplizierter. Das katholische Frankreich unterstützte die Protestanten, um die Macht der Habsburger anzugreifen. Im Konflikt um die Herrschaft in der Ostsee haben sich zwei lutherische Mächte bekämpft: Schweden und Dänemark.
Bürgermeisterin Brigitte Netta erinnert daran, dass es Friedrich V. war, der vom Amberger Schloss mit über dreihundert Wägen nach Prag zog, um sich krönen zu lassen. Dieser versuchte die Kurpfalz als führende protestantische Macht im Heiligen Römischen Reich zu positionieren. Zwar sei Amberg nie in Kampfhandlungen involviert gewesen, wurde aber mehrfach von Einquartierungen heimgesucht. "Ausgeraubte und schwerverletzte Bürger und verwüstete Wohnungen waren die Folge." Am Ende des Krieges standen in Amberg ein Drittel der Häuser leer.
Im großen Stil feiert die Stadtwache Amberg mit den Stadtpfeiffern und ihren Freunden aus Altdorf die Eröffnung der Sonderausstellung: Mit einem Marsch vom Schmalzstadl durch die Altstadt, um die Bürgermeisterin am Rathaus abzuholen. Gemeinsam mit ihrem Gefolge gingen sie zu dem Wachplatz im Gemäuer des Wingershofer Tores. Initiator und Organisator der Vernissage, Heeresfeldzugmeister Klaus Günther, führte anschließend durch die Bildergalerie und erläuterte die dargestellten Ereignisse.
Amberg
03.06.2018 - 10:44 Uhr
Der hiesige Glaubenskrieg
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