Amberg
03.06.2018 - 10:44 Uhr

Der hiesige Glaubenskrieg

Er begann im Mai auf deutschem Boden vor 400 Jahren: Der Krieg, der 30 Jahre Grausamkeit herrschen ließ. Wegen religiöser Differenzen. Die Stadtwache erinnert an diese Zeit mit einer Sonderausstellung im Wingershofer Tor.

Die Stadtwache leistet beim Einbruch durch das Wingershofer Tor erheblichen Widerstand. Dagmar Williamson
Die Stadtwache leistet beim Einbruch durch das Wingershofer Tor erheblichen Widerstand.

Amberg. (dwi) "Landstriche wurden geradezu entvölkert. Auch die Oberpfalz verlor in manchen Gebieten die Hälfte ihrer Bevölkerung", sagt Stadthauptmann Walter Hellmich in seiner Rede. Amberg versank in einen Dornröschenschlaf und verlor an Bedeutung. Keinesfalls wolle die Stadtwache dem Dreißigjährigen Krieg ein Denkmal setzen. Der Verein wolle vielmehr zum Nachdenken anregen, da viele Parallelen zum Nah-Ost-Konflikt zu erkennen wären.

Bewusst wählten sie die Nachdrucke in Schwarz-Weiß; es verstärke die Dramatik der Ereignisse. Die Bevölkerung schrumpfte von 17 auf elf Millionen. Gewalt, Hunger und Seuchen waren hierfür die Ursachen. Der Dreißigjährige Krieg führte erstmals zu Flüchtlingsströmen. Mindestens ein Zehntel der böhmischen Bevölkerung musste damals aus Glaubensgründen die Heimat verlassen. Dennoch ging es nicht nur um Konfessionen. Die Fronten waren viel komplizierter. Das katholische Frankreich unterstützte die Protestanten, um die Macht der Habsburger anzugreifen. Im Konflikt um die Herrschaft in der Ostsee haben sich zwei lutherische Mächte bekämpft: Schweden und Dänemark.

Bürgermeisterin Brigitte Netta erinnert daran, dass es Friedrich V. war, der vom Amberger Schloss mit über dreihundert Wägen nach Prag zog, um sich krönen zu lassen. Dieser versuchte die Kurpfalz als führende protestantische Macht im Heiligen Römischen Reich zu positionieren. Zwar sei Amberg nie in Kampfhandlungen involviert gewesen, wurde aber mehrfach von Einquartierungen heimgesucht. "Ausgeraubte und schwerverletzte Bürger und verwüstete Wohnungen waren die Folge." Am Ende des Krieges standen in Amberg ein Drittel der Häuser leer.

Im großen Stil feiert die Stadtwache Amberg mit den Stadtpfeiffern und ihren Freunden aus Altdorf die Eröffnung der Sonderausstellung: Mit einem Marsch vom Schmalzstadl durch die Altstadt, um die Bürgermeisterin am Rathaus abzuholen. Gemeinsam mit ihrem Gefolge gingen sie zu dem Wachplatz im Gemäuer des Wingershofer Tores. Initiator und Organisator der Vernissage, Heeresfeldzugmeister Klaus Günther, führte anschließend durch die Bildergalerie und erläuterte die dargestellten Ereignisse.


Im großen Stil kündigt die Stadtwache Amberg ihre Ausstellung über den Dreißigjährigen Krieg an: Bürgermeisterin Brigitte Netta wird persönlich am Rathaus abgeholt. Williamson, Dagmar
Im großen Stil kündigt die Stadtwache Amberg ihre Ausstellung über den Dreißigjährigen Krieg an: Bürgermeisterin Brigitte Netta wird persönlich am Rathaus abgeholt.
Es war seine Idee, die Parallelen zum Konflikt im Nahen Osten anhand des Dreißigjährigen Krieges aufzuzeigen: Klaus Günther erklärt beliebte Foltermethoden. Dagmar Williamson
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Schwedentrunk: eine beliebte Foltermethode im Mittelalter. Dagmar Williamson
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Bürgermeisterin Brigitte Netta und Stadthauptmann Walter Hellmich erinnern daran, was religiöse Konflikte anrichten können. Dagmar Williamson
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Plünderung und schwerverletzte Bürger. Hier ist der Prager Fenstersturz zu sehen. Dagmar Williamson
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Sogar auf ihre Vorliebe für die Farbe Rot nahm die Stadtwache Rücksicht: Bürgermeisterin Brigitte Netta und ihr Gefolge marschieren zum Wingershofer Tor. Dagmar Williamson
Sogar auf ihre Vorliebe für die Farbe Rot nahm die Stadtwache Rücksicht: Bürgermeisterin Brigitte Netta und ihr Gefolge marschieren zum Wingershofer Tor.
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