07.08.2020 - 18:52 Uhr
AmbergOberpfalz

An Hindenburg klebt Hitler

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Die Amberger SPD möchte keinen nach Reichspräsident Hindenburg benannten Platz mehr in der Stadt haben. Der sei ein Steigbügelhalter Hitlers gewesen. Stimmt, sagt AZ-Redakteur Markus Müller, man sollte aber noch etwas weiter denken.

Das auf den 25. Februar 1934 datierte Foto zeigt die Begrüßung Paul von Hindenburgs (rechts) durch den Reichskanzler Adolf Hitler am «Heldengedenktag» vor der Neuen Wache, Unter den Linden. Links im Bild Hermann Göring.
von Markus Müller Kontakt Profil
Kommentar

Die Geschichte des Paul von Hindenburg in der Politik der Weimarer Republik wurde früher gern so erzählt, dass sich der alte Kriegsheld eher widerwillig von den Parteien als Reichspräsident habe in die Pflicht nehmen lassen. Den von ihm verachteten "böhmischen Gefreiten" Adolf Hitler habe der Generalfeldmarschall so lange wie möglich von der Macht ferngehalten. Erst Anfang 1933 habe der bis dahin als "Hüter der Verfassung" wirkende Hindenburg, inzwischen schon etwas senil und unter dem Einfluss eigennütziger Berater stehend, sich nicht mehr anders zu helfen gewusst und Hitler zum Reichskanzler ernannt.

Dann erschien 2007 eine über 1000 Seiten starke Hindenburg-Biografie des Historikers Wolfram Pyta. Der zeigte auf, dass Hindenburg aus eigenem Antrieb und im vollen Bewusstsein der Konsequenzen Hitler als Kanzler einsetzte, um seine eigenen antidemokratisch-autoritären Ziele zu verwirklichen.

Damit setzte eine Serie von Straßenumbenennungen ein. Der Schriftzug "Hindenburg" verschwand aus etlichen deutschen Straßenbildern. Andere Städte verweigerten sich dieser Änderung. Aber überall wurde eifrig darüber diskutiert. Das wäre auch das Beste, was Amberg passieren könnte: ein gründliches Nachdenken, wen man mit einem Straßennamen ehren möchte. Dass Josefine Rupprecht, von 1929 bis 1971 SPD-Stadträtin (mit Unterbrechungen), diese Ehre mehr verdient hat als Hindenburg, ist aber von vornherein unstrittig. Für sie dürfte es sogar ein größerer Platz sein.

Über die politische Tätigkeit von Josefine Rupprecht (1898-1976)

Wieso Josefine Rupprecht einen Rekord im Stadtrat hält

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