Rabbiner Elias Dray befand sich am vergangenen Sonntagabend im Gebäude der Israelitischen Kultusgemeinde in Amberg, als er plötzlich lautes Schreien hörte. „Ich konnte das Geschrei überhaupt nicht einordnen“, berichtet Dray im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Am nächsten Morgen erfuhr er von einer Kollegin, dass die Polizei angerufen habe, da in der Nacht ein Mann vor der Synagoge festgenommen wurde.
Das ist passiert: Kurz vor Mitternacht sorgte ein 41-Jähriger in der Amberger Innenstadt für Aufsehen. Ein Sicherheitsmitarbeiter, der in der Nähe des Weihnachtsmarktes im Einsatz war, hörte, wie der Mann lautstark Naziparolen brüllte, und sah, wie er den Hitlergruß zeigte. Der Mitarbeiter alarmierte daraufhin die Polizei. Zeitversetzt ging bei der Inspektion ein Anruf wegen eines Glaswurfs bei der Synagoge ein: Ein Mann hatte ein Weizenglas gegen das Gebäude geschleudert. Zunächst sei nicht klar gewesen, ob die beiden Vorfälle zusammenhängen, erklärt Dominik Lehmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Amberg. Aber die Ermittlungen ergaben: Es war derselbe Verdächtige. In Verbindung mit den zuvor gerufenen Naziparolen bekommt der Vorfall eine besonders schwerwiegende Bedeutung.
Alkohol ist keine Ausrede
Dass der Verdächtige alkoholisiert war, lässt Elias Dray nicht als Ausrede gelten. „Er würde betrunken nichts laut schreien, was er sich nüchtern nicht denkt“, sagt er. Für ihn steht fest: Das Verhalten des Mannes war Absicht. Von offizieller Seite werden die weiteren Ermittlungen der Polizei zeigen, ob der Mann bewusst gehandelt hat.
Solche antisemitischen Vorfälle führt der Rabbiner unter anderem auf die aktuelle Lage im Nahen Osten zurück. Er sieht einen Zusammenhang mit den aktuellen Spannungen in Israel, wo anhaltende Konflikte für Unruhe und Krieg sorgen. Allerdings müsse antisemitischer Hass – insbesondere von rechter Seite – klar verurteilt werden. Die wachsende Radikalisierung an den politischen Rändern bereitet Dray große Sorgen. Für ihn hat die Sicherheit der Gemeindemitglieder jetzt höchste Priorität. Die Gläubigen sollen nun über den Vorfall aufgeklärt werden.
Wichtige Polizeiarbeit
Nach dem Vorfall in der Nacht zum Montag leitete die Polizei umfassende Untersuchungen ein. Die Spurensicherung sicherte Überwachungsaufnahmen und untersuchte den Tatort. „Es war in den letzten Tagen sehr viel los“, berichtet Dray. Der Rabbiner zeigt sich dankbar gegenüber den Polizeibeamten, die den 41-Jährigen unmittelbar nach der Tat festnehmen konnten.
Sicherheit habe in der jüdischen Gemeinde höchste Priorität, betont Dray. Umso wichtiger sei daher die enge und verlässliche Zusammenarbeit mit den Behörden. Auch Lehmeier bestätigte, dass die Sicherheit der jüdischen Gemeinde der Polizei äußerst wichtig ist. Der 41-jährige Tatverdächtige muss nun mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Nach Angaben der Polizei wird gegen ihn wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie wegen Sachbeschädigung ermittelt.






















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