11.08.2020 - 18:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie sich die Hitze auf die Arbeit der Polizei auswirkt

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Je höher die Temperaturen kletterten, desto mehr Einsätze fanden sich in den vergangenen Tagen im Pressebericht der Polizeiinspektion Amberg. Als ob die Hitze die Menschen aggressiv oder zumindest gedankenlos machen würde.

Achim Kuchenbecker, der Pressesprecher der Polizeiinspektion Amberg, hat für das vergangene Wochenende mehr Ruhestörungen als sonst festgestellt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Amberger Zeitung interviewte Achim Kuchenbecker, den Pressesprecher der Polizeiinspektion Amberg, zum Zusammenhang von hohen Temperaturen und Anzahl der Polizeieinsätze.

ONETZ: Herr Kuchenbecker, täuscht der Eindruck oder hat die Polizei jetzt an den heißen Tagen besonders viele Einsätze?

Achim Kuchenbecker: Grundsätzlich nehmen in den Sommermonaten die Einsätze am Wochenende immer zu, weil an warmen Abenden die Leute mehr draußen unterwegs sind, sich im Freien treffen. Deshalb kommt es da, vor allem in der Stadt, vermehrt zu Ordnungsstörungen.

ONETZ: Was meint dieser Begriff?

Achim Kuchenbecker: Ruhestörungen etwa, oder dass etwas vermüllt wird. Manchmal sind es auch Jugendliche auf Spielplätzen, die dort nichts zu suchen haben.

ONETZ: Ist da die Anwesenheit alleine schon verboten?

Achim Kuchenbecker: Es gibt Benutzungsordnungen. Die Polizei geht hier mit viel Augenmaß und Verständnis vor. Ein richtiges Problem, das zum Einschreiten führt, wird es jedoch, wenn die Jugendlichen laut werden und Anwohner sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Dann müssen wir eingreifen.

ONETZ: Können Sie dann auch konkrete Auswirkungen der Hitze erkennen?

Achim Kuchenbecker: Natürlich stresst die Hitze die Leute körperlich, sie werden dünnhäutiger, da bricht dann auch leichter mal ein Streit aus. Zumal wenn Alkohol im Spiel ist.

ONETZ: Wie waren denn die Einsatzzahlen am vergangenen heißen Wochenende?

Achim Kuchenbecker: Normalerweise haben wir am Wochenende ungefähr 120 Einsätze. Dieses Wochenende lag auch so in der Größenordnung. Etwas auffällig ist, dass es zuletzt auch rund 20 Ruhestörungen waren, zu denen wir hingefahren sind. Für gewöhnlich sind es so zehn bis zwölf. Aber das liegt schon noch im Rahmen. Manchmal stellt sich die Lage auch wie üblich dar, selbst wenn es richtig heiß ist, wie etwa in der Nacht auf Dienstag, da gab es keine Besonderheiten zu verzeichnen.

ONETZ: Kommt es aufgrund der Hitze auch zu mehr Verkehrsunfällen, etwa weil die Autofahrer nicht so konzentriert sind?

Achim Kuchenbecker: Da stellen wir keine Auffälligkeiten fest. Im Moment gibt es aber sehr viele Wildunfälle mit Rehwild wegen der Brunftzeit im Juli und August.

ONETZ: Merken Sie, dass die Hitze es den Leuten besonders schwer macht, sich an Corona-Beschränkungen wie die Maskenpflicht an bestimmten Orten zu halten?

Achim Kuchenbecker: Nein, bei uns halten sich die Leute überwiegend sehr diszipliniert an die Vorgaben nach der Infektionsschutzverordnung. Wir hatten da jetzt schon lange keine Meldung mehr, dass es zu Verstößen gekommen wäre. Da sind wir sehr zufrieden, dass wir nicht ständig eingreifen müssen. Und wenn doch, dann ist es oft mit einem einfachen Hinweis getan.

ONETZ: Hat eigentlich die Corona-Pandemie mit ihren Folgen die Einsatzzahlen der PI Amberg ansteigen lassen?

Achim Kuchenbecker: Nein, da merken wir keine signifikante Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren.

ONETZ: Wie halten sich die Polizeibeamten selbst bei der großen Hitze fit? Gibt es da besondere Regelungen?

Achim Kuchenbecker: Nein, jedenfalls keine arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben. Aber die Klimaanlage im Einsatzfahrzeug ist schon das A und O, da wird die Temperatur dann erträglich. Denn mit der Schutzweste und der sonstigen Ausrüstung wird der Kreislauf schon extra belastet. Eine Klimaanlage haben in der Dienststelle nur die systemrelevanten Räumlichkeiten des Dienstgruppenleiters, des Funksprechers und auch der Wachbereich.

Auch hier musste die Polizei am Wochenende eingreifen: Hund "Teddy" drohte in einem total überhitzten Auto umzukommen

Amberg
Kommentar:

Heiß ist relativ

Für denjenigen, der unter der Hitze leidet, ist es wohl auch kein Trost, dass wir mit knapp 30 Grad am Dienstag noch weit unter dem Gärmersdorfer Temperaturrekord von 40,3 Grad aus dem Jahr 1983 lagen. Aber wenn die Dachdecker, die gegenüber der AZ den ganzen Tag in der prallen Sonne arbeiten, damit zurechtkommen, dann darf sich jeder glücklich schätzen, der im Zweifelsfall Schatten aufsuchen kann. Und bevor man als Hitzegenervter mit seinem Nachbarn Streit anfängt, sollte man daran denken: Dem geht es auch nicht besser.

Markus Müller

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