26.07.2018 - 12:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Horrorfilm mit Happy End

Die IG Metall präsentierte im Cineplex eine Rückschau auf den Kampf gegen Hastor. Der 35 Minuten dauernde Streifen soll anderen Betrieben bundesweit als Mutmacher dienen.

Horst Ott ist einer der Hauptdarsteller des Films. IG Metall-Vorstandsmitglied Irene Schulz reiste zur Premiere extra aus Frankfurt an.

Es sollte nicht die Premiere eines Horrorfilmes sein - ein Schreckgespenst geisterte dann aber doch durch Saal 7 des Cineplex-Kinos. Vertreter von IG Metall und Grammer-Belegschaft trafen sich dort am Mittwochabend, um noch einmal filmisch auf die verhinderte feindliche Übernahme des Grammer-Konzerns durch die Investorenfamilie Hastor zurückzublicken. Über ein Jahr ist seit dieser Auseinandersetzung vergangen, die im Mai 2017 in einer denkwürdigen Aktionärsversammlung im Amberger Kongresszentrum gipfelte.

"Da haben wir keine Aktion drin - oder doch?", lautete der Titel des 35 Minuten dauernden Films, den Angelika Tietjen und Hans Ulrich Fischer im Auftrag der IG Metall gedreht und aus Archivmaterial zusammengeschnitten haben. Zur Vorstellung reiste extra Irene Schulz vom IG Metall-Vorstand aus Frankfurt am Main an. "Das war schon eine sehr bemerkenswerte und beeindruckende Bewegung", blickte die Gewerkschafterin auf den Protest der Grammer-Mitarbeiter in der heißen Phase des Übernahmekampfes zurück. "Hier haben alle an einem Strang gezogen - von den Mitarbeitern über die Gewerkschaft bis hin zur Politik. Das hat bundesweit Beachtung gefunden." Genau deswegen habe die IG Metall den Film über die Auseinandersetzung in Auftrag gegeben, quasi um ein Musterbeispiel für Kampfgeist zu dokumentieren. Und deswegen kamen auch gleich Kollegen aus Sachsen und dem Saarland, die aktuell durchmachen, was die Grammer-Beschäftigten 2016 und 2017 aushalten mussten. In Leipzig und Saarbrücken streiken die Mitarbeiter des Autozulieferers Halberg-Guss. Auch hier zieht die von Hastor kontrollierte Prevent-Gruppe die Strippen. Auf deren Druck hin hat Halberg-Guss die Preise für Autoteile massiv erhöht, weswegen das Unternehmen Großkunden wie Volkswagen zu verlieren droht. Drastischer Stellenabbau wäre die Folge. Der Film und das Beispiel Amberg sollen den betroffenen Kollegen Mut machen. "Die Grammer-Mitarbeiter haben sich getraut zu sagen: So nicht! Nicht mit uns! Sie haben gezeigt, dass man sich diesem Finanzmarktgeschehen nicht unterwerfen muss", schwärmt Filmemacher Fischer.

Mit dabei im Kino und einer der Hauptdarsteller war Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Amberg. Er sieht Grammer auch nach den aktuellen Meldungen zum Einstieg des chinesischen Investors Ningbo Jifeng auf einem guten Weg. Ott: "Mit den Chinesen wurden weitreichende Vereinbarungen zur Sicherung von Beschäftigung und Standortentwicklung getroffen. Wenn sie sich dran halten, dann hat Grammer durchaus eine Perspektive."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp