23.07.2018 - 11:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Hundertwasser: Einfach "nur" ein Mensch

Ein durchgefrorener Friedensreich Hundertwasser, der im Wohnzimmer langsam auftaut und Pfützen hinterlässt. Der kurzentschlossen das Schnitzel vom Teller seines Gastgebers stibitzt - der Künstler als Mensch mit ganz menschlichen Schwächen.

Hundertwasser aus der Luft gesehen. Weil der Künstler gerade Linien partout nicht ausstehen konnte, hängen seine Bilder im ACC nun in einer lockeren Spiralform. Das Publikum findet sich trotzdem zurecht.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Zu erzählen wusste diese Anekdote die Wiener Autorin, Museumskuratorin und Kulturpublizistin Gabriela Koschatzky-Elias bei der Eröffnung der Hundertwasser-Ausstellung am Sonntagabend im ACC. Schnell war klar: Diese Frau kannte Friedensreich Hundertwasser persönlich. Ihr inzwischen verstorbener Ehemann Walter Koschatzky war nämlich viele Jahre lang Leiter der Graphischen Sammlung Albertina in Wien, die immer wieder Ausstellungen von und mit Hundertwasser präsentierte - und ein Freund.

Und so kam es eben, dass der Künstler höchstselbst an einem sehr kalten Wiener Wintertag zu einem spontanen Essen bei Koschatzkys eingeladen war. Für Hundertwasser aber kein Grund, auf die geliebten Holzschuhe samt dicker Wollsocken zu verzichten. "Und so taute er langsam in unserem Wohnzimmer auf und hinterließ dort zahlreiche Wasserpfützen", erzählte Gabriela Koschatzky-Elias. Die Hausherrin hatte offenbar sehr gut gekocht, das Schnitzel schmeckte. So gut sogar, dass Hundertwasser nicht warten wollte, bis ihm Nachschub gebracht wurde. Kurzerhand bediente er sich mit seiner Gabel auf dem Teller des Hausherrn.

Er war kein Heiliger

Aber so war Friedensreich Hundertwasser auch. Nicht nur genialer Künstler, Architekt, Friedensaktivist oder bekennender Ökologe. Hundertwasser war eben auch ein sehr eigenwilliger Mensch mit Fehlern und Makeln. Kein Heiliger, als den ihn seine Jünger gerne verehrten und verehren. "Fest steht", so sagte Gabriele Koschatzky-Elias, "dass er es vielen nicht leicht gemacht hat." Leicht gemacht hat es Hundertwasser aber sicher den geladenen Gästen, die am Sonntagabend im ACC die offiziellen Eröffnung der Ausstellung mit den Grafiken Friedensreich Hundertwassers miterlebten.

"Hundertwasser wollte den Menschen Freude bereiten", betonte Petra Strobl, Geschäftsführerin des ACC, eine sehr sympathische Seite des österreichischen Ausnahmekünstlers, der immer noch die Menschen zu begeistern versteht. Der es schon 2004 geschafft hat, die Massen ins ACC zu locken. Damals, so erinnerte sich OB Michael Cerny im Rückblick, lagen die eher dürren Anfänge der inzwischen so beliebten Sommerausstellungen gerade erst ein paar Jahre zurück. Die Picasso-Schau 1997 sei zwar wunderbar gewesen - nicht so die Resonanz beim Publikum. "Unser Resümee damals: Wir ziehen das durch."

Der Erfolg der kommenden Jahre und Jahrzehnte hat den Machern im Nachhinein recht gegeben. "So eine Ausstellung ist eine riesige Arbeit", würdigte Cerny die Anstrengungen der Macher. Friedensreich Hundertwasser sei ein Künstler gewesen, der polarisiert habe. Er habe aber keinen Stil geprägt, sondern sei immer singulär geblieben - mit einem unglaublichen Gefühl für Farben und Formen. Wichtig sei es Hundertwasser gewesen, die Menschen anzusprechen und nicht dem letzten Kritiker zu gefallen.

Fest steht, dass er es vielen nicht leicht gemacht hat.

Gabriela Koschatzky-Elias über Friedensreich Hundertwasser

Bevor es unter den jazzigen Klängen des Axel Prasuhn Trios in den Saal ging, in dem die in der typischen Form der Hundertwasser-Spirale aufgehängten Werke fachkundig oder zumindest interessiert unter die Lupe genommen wurden, erzählte Gabriela Koschatzky-Elias noch vom Naturliebhaber Hundertwasser. Der einst die größte Grünfläche von Venedig sein eigen nennen konnte und in Neuseeland ein ganzes Tal kaufte und mit Bäumen bepflanzte. Ein Idealist eben. "Wenn einer träumt, ist es nur ein Traum, wenn viele träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit."

Auch das ist Friedensreich Hundertwasser. Einer, der von seinen Grafiken hohe Auflagen produzierte, um die Preise auch für Normalverdiener erschwinglich zu halten. Einer, der aber auch störrisch sein konnte wie ein Esel, wenn er sein soeben erfundenes Humusklosett im Zentrum einer Ausstellung aufgestellt wissen wollte. Vielleicht einfach nur ein Mensch.

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC, im Bild von links: OB Michael Cerny, Gabriela Koschatzky-Elias und ACC-Geschäftsführerin Petra Strobl

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC, das Axel Prasuhn Trio

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Ausstellungseröffnung "Friedensreich Hundertwasser - Magische Farben", ACC

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.