25.02.2021 - 16:53 Uhr
AmbergOberpfalz

IG Metall fordert vier Prozent mehr

Die Tarifparteien liegen weit auseinander. Während die Gewerkschaft für die Metall- und Elektroindustrie vier Prozent fordern, drängt die Arbeitgeberseite auf Tarifabsenkungen. Amberger Gewerkschafter äußern sich zur Situation.

"Zukunft sichern" lautet das Motto in diesem Jahr für die Tarifverhandlungen der IG Metall mit den Arbeitgebern.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Auch nach drei Verhandlungsrunden gibt es noch keine Einigung zwischen der IG Metall und der Arbeitgeberseite über die Tarife für die Metall- und Elektroindustrie. Das Ergebnis dürften vor allem viele aus der Region mit Interesse erwarten. Immerhin sind im Zuständigkeitsbereich der IG Metall Amberg (Landkreis Amberg-Sulzbach, Stadt Amberg und Weidener Raum) mehr als 20 Betriebe und etwa 16 000 Beschäftigte von den Verhandlungen betroffen.

In einer Online-Pressekonferenz stellten Manuel Stöbig, Mitglied der bayerischen IG-Metall-Tarifkommission, und Volker Jung, Betriebsratsvorsitzender von Siemens Amberg, ihre Sicht der Dinge dar. Die seit einem Jahr dominierende Coronapandemie, die fortschreitende Digitalisierung und etwa die Transformation in der Automobilbranche hin zur Elektromobilität sorgen für ziemlich gegensätzliche Vorstellungen. Die Arbeitgeberseite pocht nicht nur auf eine Nullrunde, sondern möchte auch an Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie tarifliches Zusatzgeld (T-Zug) ran. Stöbig kritisiert: "Die Arbeitgeber bieten nix, wollen sogar noch was haben von uns - das ist eine neue Qualität, die hatten wir bisher noch nicht." Auf der anderen Seite würden beispielsweise bei Siemens 3,50 Euro Dividende pro Aktie ausgeschüttet (Gweinn im Jahr 2020: 4,2 Milliarden Euro). "Die Beschäftigten bleiben auf der Strecke."

Gründe, weshalb die IG Metall mit wesentlich drei Forderungen aufwartet. Die ausgebildeten Arbeitskräfte sollen übernommen werden. Stöbig argumentiert: "Wir haben nach wie vor einen Fachkräftemangel - und wir brauchen den Nachwuchs, um die Transformation sowie die Digitalisierung hinzubekommen." Angesichts der hohen Gewinne in den vergangenen Jahren fordert die Gewerkschaft auch sichere Jobs sowie vier Prozent Volumen für die Arbeitnehmer. Heißt: Entweder eine Gehaltssteigerung um vier Prozent; das Volumen sollte aber auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung, wie etwa einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitabsenkungen, zur Verfügung stehen. Sollte also in einem Betrieb die Arbeitszeit reduziert werden müssen, etwa auf eine 4-Tage-Woche, soll dieses Volumen der Abfederung von Einkommensverlusten dienen.

IG Metall droht auch im Raum Amberg-Sulzbach mit Warnstreiks

Amberg

Stöbig und Jung ist bewusst, dass vor allem andere Branchen unter der Coronapandemie gelitten haben - die Gastronomie und Unterhaltungsbranche etwa. Die Forderungen für die Metall- und Elektroindustrie halten sie dennoch für gerechtfertigt. "Corona hat für Entgelteinbußen in den vergangenen zwölf Monaten gesorgt. Bei Doppelverdienern waren vielleicht gleich beide in Kurzarbeit, oder jemand ist sogar arbeitslos geworden", erklärt Stöbig. Manche könnten im schlimmsten Fall ihre Immobilienraten nicht mehr zahlen. Ist in diesem Zusammenhang eine Vier-Prozent-Forderung also überzogen? Volker Jung sagt: "Dass es anderen Branchen schlechter geht, ist mir bewusst. Auf der anderen Seite, ist die Metall- und Elektroindustrie immer die Lokomotive gewesen, die andere Branchen mitgezogen hat. Wenn nicht wir diesen Schritt gehen, wer dann? Wir glauben daran, mit unseren Forderungen die Wirtschaft aufrecht zu erhalten."

Diese Tage steht die vierte Verhandlungsrunde an. Für Montag ist bereits ein digitaler, bundesweiter Aktionstag geplant. Unter anderem tritt dabei die Band Silbermond auf. Sollte es zwischen den Tarifparteien keine Einigung geben, will die IG Metall mit Warnstreiks agieren - "natürlich unter Einhaltung aller Coronaschutzmaßnahmen", wie Stöbig sagt.

Dass es anderen Branchen schlechter geht, ist mir bewusst. Auf der anderen Seite, ist die Metall- und Elektroindustrie immer die Lokomotive gewesen, die andere Branchen mitgezogen hat. Wenn nicht wir diesen Schritt gehen, wer dann? Wir glauben daran, mit unseren Forderungen die Wirtschaft aufrecht zu erhalten.

Volker Jung, Betriebsratsvorsitzender Siemens Amberg

Volker Jung, Betriebsratsvorsitzender Siemens Amberg

Corona hat für Entgelteinbußen in den vergangenen zwölf Monaten gesorgt. Bei Doppelverdienern waren vielleicht gleich beide in Kurzarbeit, oder jemand ist sogar arbeitslos geworden

Manuel Stöbig, Mitglied der bayerischen IG-Metall-Tarifkommission

Manuel Stöbig, Mitglied der bayerischen IG-Metall-Tarifkommission

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