06.04.2021 - 16:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Impfspritzen in den Hausarzt-Praxen in Amberg-Sulzbach sind aufgezogen

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Politik und Medizin versprechen sich große Fortschritte im Kampf gegen Corona, wenn Hausärzte mit dem Impfen in den Praxen beginnen. Ärzte aus der Region Amberg-Sulzbach über den bundesweiten Start und wie es nun weitergehen könnte.

Die ganze Hoffnung liegt beim Impfen: Die Hausärzte in der Region Amberg-Sulzbach sind froh, endlich auch eine Rolle zu spielen, um das Coronavirus unter Kontrolle zu bringen.
von Redaktion ONETZProfil

Von Stephanie Wilcke, Andreas Ascherl und Tobias Gräf

In dieser Woche wollen bundesweit 35.000 Hausärzte mit Impfungen gegen das Coronavirus loslegen. So heißt es vom Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Einige Praxen starteten am Dienstag, andere warten noch auf Impfstoff und wollen in den nächsten Tagen folgen, wiederum andere impfen bereits seit Gründonnerstag.

In der ersten Woche erhalten laut Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung alle Praxen zusammen 940.000 Impfdosen. Das wären rechnerisch etwa 26 Dosen pro Praxis. Später werde es mehr. In einer Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns spricht man von einer "neuen Zeitrechnung im Kampf gegen Covid-19", wenn die Praxen mitimpfen. Wie sehen das Ärzte in der Region Amberg-Sulzbach?

Welcher Impfstoff wird verteilt?

Testlauf gelungen, jetzt wird es richtig ernst. So könnte man die Erfahrungen der Amberger Hausarztpraxis im Wöhrl an der Bahnhofstraße mit den Corona-Impfungen umschreiben. "Wir haben bereits in der vergangenen Woche mit 20 Dosen AstraZeneca angefangen", sagt Dr. Günther Edenharter. Jetzt, in der Woche nach Ostern, in der alle Arztpraxen ohnehin förmlich von Patienten überquellen, erwarten Edenharter und seine Kollegen 156 Dosen Biontech-Pfizer. Welcher Impfstoff zu erwarten ist, das ist übrigens eine Art Glücksspiel für die Ärzte. "Wir bestellen heute die Menge, die wir wollen, und erfahren morgen, welchen Impfstoff wir bekommen."

Das Problem dabei ist, auch die Hausärzte sollen und müssen sich tunlichst an die Priorisierungsliste halten. Nun soll aber beispielsweise AstraZeneca nur an ältere Menschen verimpft werden, die Ärzte müssen dann innerhalb kürzester Zeit ihre Impfliste auf diese Gegebenheiten umstellen. Schon allein aus diesem Grund plädiert Günther Edenharter dafür, dass sich die Patienten separat bei den Hausärzten registrieren lassen – wie sie das im Impfzentrum ja auch getan haben. Das erspart den Mitarbeitern in den Praxen einfach viel Zeit und Aufwand. Denn wenn der Impfstoff erst einmal da ist, muss es schnell gehen.

Priorisierung haltbar?

"Wenn er angemacht ist, müssen wir den Biontech-Impfstoff innerhalb von sechs Stunden verimpfen", macht Dr. Edenharter auf das Dilemma aufmerksam. Denn nicht immer können dann ausgerechnet die Patienten erreicht werden, die eigentlich von der Priorisierungsliste her an der Reihe sind. Das fällt unter das Ermessen des Arztes, ob er lieber jemand weniger Priorisiertes dran nimmt oder aber den Impfstoff am Ende gar wegschüttet. "Das werden wir natürlich nicht tun", sagt Dr. Edenharter, der grundsätzlich natürlich schon dafür plädiert, erst die Menschen zu impfen, die es dringend nötig haben, die also entsprechende Vorerkrankungen haben. "Aber sklavisch können wir die Priorisierung nicht einhalten. Denn notfalls muss ich innerhalb von sechs Stunden die sechs Leute finden, die ich impfen kann." Wichtig ist es Dr. Günther Edenharter, dass jetzt möglichst schnell möglichst viele Menschen geimpft werden, um der Pandemie endlich Einhalt bieten zu können.

Wer wird jetzt vom Hausarzt geimpft?

Bayern

Auch schon am Gründonnerstag ist die Chirurgische Praxisklinik MVZ Sulzbach-Rosenberg in die Impfung mit den beiden Ärzten Michael Scherer und Martin Pöllath eingestiegen. "Es war ein Fest", erzählt Pöllath überschwänglich, am Ende des Tages habe man sogar darauf angestoßen. "20 Impflinge haben wir mit AstraZeneca versorgt. Sie waren glücklich." Es sei unbürokratisch und problemlos gelaufen. Nun warte die Praxis auf die nächste Zuteilung am 15. April mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer. Da stünden 24 Patienten auf der Liste. "Wir nehmen an Vakzin, was wir kriegen", sagt Pöllath. Es sei auch höchste Zeit gewesen, dass die Hausärzte endlich ins Impfen eingestiegen sind. "Erstens helfen wir unseren Patienten, zweitens helfen wir, so schnell wie möglich zu impfen."

Pöllath ist sich nicht sicher, ob sich auf Dauer die vorgegebene Priorisierung von zu impfenden Menschen einhalten lasse. "In der Fachliteratur wird das stark diskutiert." Schließlich müsse der Impfstoff, wenn eine Ampulle geöffnet wurde, ja schnell verteilt werden. In diesem Zusammenhang appelliert im Übrigen der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, dass sich Bürger, die ihre Erstimpfung beim Hausarzt erhalten haben, sofort aus dem Meldeportal der bayerischen Impfzentrens austragen.

Keine Impfangst in Sulzbach-Rosenberg

Auch in der Gemeinschaftspraxis von Richard Leipold und Claudius Rothbauer in Sulzbach-Rosenberg wird bereits emsig geimpft. Am Wochenende sind laut Leipold die ersten Lieferungen des AstraZeneca-Vakzins eingetroffen. „Wir haben am Samstag 22 Leute geimpft. Alle waren über 60 Jahre alt und es lief reibungslos.“ Komplikationen habe es keine gegeben. Auch von einer ausgeprägten Skepsis oder gar Angst vor dem Impfstoff könne zumindest in seiner Praxis nicht die Rede sein, erklärt der Internist. „Ich führe mit jedem ein gründliches Aufklärungsgespräch, die Patienten sind immer gut informiert und bislang hat den Stoff jeder wunderbar vertragen.“

Die Geimpften würden nach dem Piks 15 Minuten in der Praxis beobachtet. Im Einstichbereich der Nadel könne eine kleine Schwellung auftreten, zudem ist ein leichtes Unwohlsein möglich, dies ist laut dem Mediziner aber normal. Nach dem Impfstart am Samstag werde nun auch nach der Osterpause weiter geimpft. Am Dienstag haben bereits zwölf weitere Patienten die Corona-Impfung erhalten – diesmal aber mit Biontech-Pfizer. „Diese Woche bekommen wir nur Lieferungen von Biontech, vergangene Woche war es nur AstraZeneca.“

Eine Impfdose reicht für elf Spritzen

Von welchem Hersteller das Vakzin stammt, mache jedoch zumindest mit Hinblick auf die Mengen einen Unterschied. Eine gelieferte Biontech-Dose enthalte den Inhalt für sechs Impfungen, sagt der Arzt. „Bei Biontech werden 0,3 Milliliter gespritzt, bei Astrazeneca sind es 0,5 Milliliter pro Impfung.“ Eine Astrazeneca-Dose reiche laut Leipold demnach für elf Impfspritzen.

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