Verwundete Soldaten führen die schrecklichen Folgen eines Krieges vor Augen. Damit ihnen medizinische Versorgung zuteil werden kann, haben sich in Regensburg Ärzte zur AG Ukrainehilfe zusammengeschlossen. Seit vielen Monaten sind sie auf der Suche nach medizinischen Sachspenden, Care-Paketen und Geld, das einmal pro Monat in die Ukraine gebracht und dort direkt an Kliniken vermittelt wird, wo es dringend gebraucht wird. Dr. Borys Frankewycz, Oberarzt in der Notaufnahme der Uniklinik Regensburg und organisatorischer Leiter der AG Ukrainehilfe, konnte jetzt aus dem Amberger Klinikum St. Marien eine Sachspende im Wert von 30.000 Euro abholen: Implantate und Ostseosynthesematerial aus Titan und Stahl für beispielsweise Oberschenkel oder Oberarme. Bei Osteosynthese handelt es sich um ein Verfahren zur operativen Versorgung von Knochenbrüchen. Dabei werden die einzelnen Bruchstücke mit verschiedenen Hilfsmitteln wie Schrauben, Nägeln, Platten und Drähten wieder verbunden.
"Extrem gut, extrem wertvoll"
Dr. Antonio Ernstberger, Chefarzt der Unfallchirurgie in Amberg, baute den Schatz vor dem Klinikum für ein Foto auf. "Wir benutzen nur die neuesten Implantate für unsere Patienten", erklärte er dabei, "dementsprechend gibt es Implantate, die zwar immer noch extrem gut sind, extrem wertvoll, aber es ist nicht mehr der neueste Stand." In der Ukraine werde händeringend nach diesen Implantaten gesucht. Bereits vor einem Jahr sei Frankewycz auf ihn zugekommen, weil er keine fand. "Jetzt sind wir glücklich, die Ukraine unterstützen zu können."
Die gespendeten Implantate sind aus Titan und Stahl, beide Materialien werden auch in ihren aktuelleren Versionen verwendet. Ernstberger hat ein Beispiel parat: "Der BMW der letzten Baureihe wird aus dem gleichen Material gefertigt wie der BMW der aktuellen Baureihe, aber hat mehr Features. So kann man das mit unseren Implantaten vergleichen." Auch wenn die Teile in Deutschland nicht mehr dem neuesten Standard entsprechen würden, seien sie aber noch hervorragend, so Frankewycz.
Soldaten in Amberg behandelt
Es ist nicht der einzige Berührungspunkt des Klinikums St. Marien mit ukrainischen Soldaten. "Wir haben bereits ukrainische Patienten in Amberg versorgt", sagte Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger. Die Soldaten wurden eingeflogen und direkt vom Flughafen über ein Verteilungssystem, das zuletzt in der Corona-Pandemie benutzt wurde, in Traumanetzwerk-Kliniken gebracht. "Je nach Verletzungsmuster werden die Kliniken ausgesucht, das hat sich gut bewährt", fügte Dr. Ernstberger hinzu.
Würden die wertvollen Teile nicht gespendet werden, müssten sie wohl verschrottet werden. Die wachsende Bürokratie hat vielen funktionierenden Systemen den Hahn zugedreht. Klinikumsvorstand Manfred Wendl erinnerte sich an die 90er-Jahre, als noch ganz anders verfahren wurde. "Wenn da in Deutschland ein Röntgengerät ausgemustert wurde, gab es Firmen, die das aufkauften und weitervertrieben." Es handelte sich dabei oft um Geräte, die in anderen Ländern dringend benötigt wurden.
"Diese Implantate entsprechen in Deutschland nicht mehr dem neuesten Standard, sind aber noch hervorragend in der Ukraine zu benutzen", sagte der Regensburger Borys Frankewycz. Wo die Amberger Implantate genau landen werden, weiß er noch nicht. "Wir schauen, zu welchen Kliniken es passen könnte, welche ähnliche Systeme verwenden, damit die Mediziner auch wissen, wie sie sie anwenden müssen", so der Oberarzt, der selbst fließend ukrainisch spricht. Seine Großeltern stammen dort.
AG Ukrainehilfe
- Zusammenschluss von Medizinerinnen und Medizinern aus Regensburg und der Region
- Organisation von medizinischen Hilfsgütern mittels Spenden für die Ukraine
- Infos unter www.ukrhilfe.org
















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