Siemens gehört mit mehreren tausend Arbeitsplätzen – von Ingenieuren bis hin zu Auszubildenden – an verschiedenen Standorten zu den wichtigsten Arbeitgebern der Oberpfalz. Jeder Standort hat dabei einen eigenen Schwerpunkt: In Amberg investiert Siemens 200 Millionen Euro in eine neue „Zukunftsfabrik“ für moderne Industrieproduktion, während in Luhe-Wildenau der Fokus auf Mobilität liegt. In Kemnath konzentriert sich das Unternehmen auf Medizintechnik. Laut dem Konzern ist es das Ziel der drei Standorte, zukunftsfähig zu bleiben und dabei Nachhaltigkeit zu fördern.
Kemnath – Medizintechnik und Ausbildung
Seit 1962 betreibt Siemens das Werk in Kemnath – mittlerweile unter dem Namen Siemens Healthineers. Der Name zeigt bereits, worum es hier geht: Das Kofferwort aus healthcare (Gesundheitswesen) und engineering (Maschinenbau) beschreibt die Herstellung elektronischer Komponenten für medizinische Geräte. Seit 2017 ist diese Gesundheitssparte aus den Konzernstrukturen gelöst und als eigenständiges Unternehmen an der Börse. In der Kemnather Fabrik entstehen unter anderem Strahlentherapiegeräte für Krebsbehandlungen sowie MRT- oder Röntgensysteme.
An diesem Standort arbeiten mehr als 1.200 Menschen. Ein Schwerpunkt ist das neue "Education und Development Center", ein Kompetenzzentrum für Mechatronik, dass im Mai 2025 eröffnet wurde. Marco Friepes leitet den Bereich Ausbildung bei Siemens Healthineers in Deutschland. Bei der Einweihung des Zentrums erklärte er, das dort bis zu 50 junge Menschen standortübergreifend unterrichtet werden könnten. Neben dem Ausbildungszentrum befindet sich im neuen Gebäude die Verwaltung, in der Platz für bis zu 130 Mitarbeiter ist. Der Neubau entstand nach einem CO₂-neutralen Energiekonzept, das Luft-Wasser-Wärmepumpen, Solaranlagen und zugekauften „grünen“ Strom kombiniert.
Eine weitere Neuerung am Standort war 2022 eine neue Fertigungslinie. Dort werden Strahlentherapiesysteme der Firma Varian produziert. Siemens hatte das Unternehmen 2021 übernommen. Solche Geräte spielen eine zentrale Rolle in der modernen Krebstherapie und kommen laut Siemens Healthineers bei mehr als der Hälfte aller Krebsbehandlungen zum Einsatz.
Klimafreundlicher Bahnverkehr in Luhe-Wildenau
Auch in Luhe-Wildenau richtet Siemens den Blick auf die kommenden Jahre. Bereits seit 2001 betreibt das Unternehmen dort einen Standort. Der Schwerpunkt liegt auf der Vormontage von Batteriesystemen. Diese Technik spielt eine wichtige Rolle für die Elektrifizierung des Schienenverkehrs.
Im September 2025 setzte Siemens rund zweieinhalb Kilometer entfernt vom bisherigen Standort den Spatenstich für eine weitere Produktionsstätte. In diesem Werk sollen vor allem Batteriesysteme für Schienenfahrzeuge gefertigt werden. Bis zu 200 Mitarbeiter könnten dort arbeiten. Die Fertigstellung der Gebäude ist für das Frühjahr 2027 geplant.
Nach Angaben von Siemens Mobility ist das Unternehmen seit 2017 Marktführer bei batterieelektrischen Regionalzügen. Darüber hinaus arbeitet Siemens an batteriebetriebenen Lokomotiven für den Güterverkehr. Die Anforderungen an diese Batterien unterscheiden sich deutlich von denen in Elektroautos: Batterien für Züge müssen robuster und langlebiger sein und deutlich höhere Belastungen aushalten.
Im neuen Werk soll später im Dreischichtbetrieb produziert werden. Ziel ist eine jährliche Produktionskapazität von rund 120 Megawattstunden Batterieleistung. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht pro Jahr etwa 2.500 bis 3.000 Kilowattstunden Strom. Mit einer Batteriekapazität von 120 Megawattstunden ließen sich rechnerisch etwa 40 bis 50 Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Energie versorgen.
Zukunftsfabrik in Amberg
Der größte Siemens-Standort der Region befindet sich in Amberg. Zuletzt machte er Schlagzeilen mit der Ankündigung, dort eine sogenannte Zukunftsfabrik zu bauen. Rund 200 Millionen Euro will Siemens in das Projekt investieren. Ziel des Unternehmens ist eine noch effizientere Produktion von Automatisierungstechnik.
Die neue Anlage soll moderne Technologien wie künstliche Intelligenz und digitale Simulationen einsetzen. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, erklärte dazu: „Durch den Einsatz industrieller Künstlicher Intelligenz, digitaler Zwillinge und modernster Automatisierung stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit und schaffen zukunftsfähige Arbeitsplätze.“
Der Standort Amberg beschäftigt momentan rund 4.500 Mitarbeiter in zwei großen Werken: dem Elektronikwerk (EWA) und dem Gerätewerk (GWA). Vor der Ankündigung der Zukunftsfabrik standen jedoch andere Nachrichten im Mittelpunkt. 2025 hatte Siemens bekanntgegeben, dass im EWA bis Ende 2027 rund 270 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Unternehmenssprecher Bernhard Lott erklärte damals, der Stellenabbau solle sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Der Bau der neuen Fabrik habe nach der Flaute der vergangenen Monate für große Erleichterung gesorgt, heißt es vonseiten der Mitarbeiter.





















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