10.10.2019 - 17:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Innovationskraft ein Preis

Nicht eines der alteingesessenen, nicht eines der großen und namhaften, ein kleines, exklusives Unternehmen erhält den Wirtschaftspreis der Stadt und des Landkreises 2019. Der Inhaber bedankt sich mit einer Botschaft.

Die beiden Inhaber der in Amberg ansässigen bewegewas GmbH, Christian Hubmann (Vierter von links) und seine Lebenspartnerin Stefanie Fleischmann (links daneben), wurden mit dem Wirtschaftspreis der Stadt und des Landkreises 2019 ausgezeichnet. Überreicht wurde er ihnen im voll besetzten ACC von (von links) VR-Vorstand Andreas Reindl, Landrat Richard Reisinger Oberbürgermeister Michael Cerny (Zweiter von rechts) und dem Vorstand der Volksbank- Raiffeisenbank (VR), Dieter Paintner (rechts).
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Der Wirtschaftspreis der Stadt und des Landkreises wurde am Mittwochabend im ACC zwar bereits zum 21. Mal verliehen, zum ersten Mal bestand er jedoch aus einer neuen Skulptur, die es nur in einer Auflage von fünf Stück gibt. Sie zeigt eine menschliche Figur, die ein Tor durchschreitet. Sie betritt "eine neue Welt". So beschrieb Dieter Paintner, Vorstand der Volksbank-Raiffeisenbank (VR) Amberg und Sponsor des Preises, diese Arbeit des Aschacher Künstlerpaares Uber/Diem.

Samuel Koch im Gespräch mit ...

Amberg

Diese neue Welt sei jedoch nicht fern, sondern gegenwärtig, wenn auch noch nicht überall offen sichtbar. Im Blick hatte Paintner die Digitaltechnik und für ihn ist unstrittig, dass "der Wandel brutal sein wird". Mit diesem Satz zitierte er den diesjährigen Preisträger Christian Hubmann, der zusammen mit seiner Lebenspartnerin Stefanie Fleischmann die bewegewas GmbH führt. Hubmann, das machte er in seinen kurzen Worten des Dankes deutlich, nimmt von diesem Satz nichts zurück. Vielmehr wird er nicht müde, ihn immer wieder zu unterstreichen.

Ein Bekenntnis

Nicht so ganz mag in dieses Bild das Bekenntnis, "ich bin ein bodenständiger Mensch", passen. Das überrascht durchaus. Doch Hubmann münzte im gleichen Atemzug diesen Satz um in den Appell, sich originärer Innovationskraft zu besinnen und sich ihrer auch zu bedienen. "In Deutschland haben wir schon Firmen gegründet, da gab es in den USA noch gar keine Garagen", spielte er auf die sagenumwobenen Geschichten rund um den Microsoft-Gründer Bill Gates an.

Es gelte, so Hubmann an das selbstständige Handwerk, den Mittelstand und die Industrie gleichermaßen gerichtet, eine Antwort darauf zu finden, das eigene wirtschaftliche und unternehmerische Handeln "selbst zu gestalten oder nur auf den Druck des Marktes zu reagieren". Paintner hatte zuvor davon gesprochen, dass es "nicht immer die Großen, aber immer die Besten sind", die Innovationen vorantreiben würden. In diesem Sinne äußerte sich auch Oberbürgermeister Michael Cerny als Laudator der Preisverleihung im voll besetzten ACC. Er berief sich auf eine Erkenntnis des maßgeblichen Mitbegründers der Evolutionsforschung. Nicht zwangsweise der Stärkste überlebe, sondern derjenige, "der sich am schnellsten anpasst".

Cernys Wunsch

Wachstum, so Cerny vor diesem Hintergrund, bedeute heute weniger "immer nur größer und schwerer". "Die Zukunft ist smart", steht für ihn fest. Digital gestützte Assistenzsysteme würden inzwischen nahezu jeden durch den Alltag begleiten, vereinzelt ihn so gar zeitweilig bestimmen. Umso wichtiger sei, dass bei allem Innovationseifer doch stets der Mensch im Mittelpunkt dieser Umwälzungen stehen solle. Cerny ist als Oberbürgermeister von Amberg stolz, so ein Unternehmen wie bewegewas in seiner Stadt zu haben. Noch dazu in der Altstadt. Erst kürzlich wurden in der Unteren Nabburger Straße neue Räume bezogen. Und dann ließ Cerny noch einen Begriff fallen, wie er sich Ambergs Zukunft vorstellt: als eine "Smart-City". Das Unternehmen des Wirtschaftpreisträgers 2019 könnte kaum besser passen.

Selbstironie inklusive

Wer von tiefgreifenden und umfassenden Um- oder Aufbrüchen spricht, kann die Aspekte Motivation und Durchhaltevermögen nicht außer acht lassen. "Stehaufmensch!" war vor diesem Hintergrund ein Zweier-Talk zwischen dem heutigen Schauspieler und Autor Samuel Koch und Martin Klapheck betitelt. Koch verunglückte 2010 bei der Show "Wetten, dass ..?" schwer, seither ist er querschnittsgelähmt. Er hat sich jedoch nicht aufgegeben und engagiert sich auf vielen Feldern dafür, schwere bis schwerste Schicksalsschläge aktiv zu verkraften.

Selbstdisziplin, psychische Stabilität, ein intaktes persönliches Umfeld und eine Aufgabe sind in so einer Lebenssituation unverzichtbar, schilderte Koch eindrucksvoll. Eine gute Portion Selbstironie inklusive.

Der Preisträger:

Obwohl die bewegwas GmbH im Habitus eines heutigen Start-up-Unternehmens auftritt, hat sie diese Gründungsphase schon lange hinter sich gelassen. Christian Hubmann (42), der zusammen mit seiner Lebenspartnerin Stefanie Fleischmann (37) die Geschäfte führt, ging den Schritt in die Selbstständigkeit vor 20 Jahren und beschreibt seine heutige Firma als das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. So sei beispielsweise die 2017 gegründete bewegwas GmbH evolutionär aus der zeigewas GmbH hervorgegangen.

Mit einem Kernteam von 16 Beschäftigten begleitet die Unternehmensberatungs-Firma ihre Kunden bei deren Weg hin zu digitalen Geschäftsmodellen und Produktionsabläufen. Dabei greift bewegwas auftragsspezifisch auf die jeweils nötige Expertise von Netzwerkpartnern zurück. Diese Verfahrensweise wird als Open-Innovation-Prozess beschrieben und zielt darauf ab, vorhandenes Entwicklungpotenzial durch die gezielte strategische Nutzung vorhandenen Wissens zu erweitern. (zm)

Die neue, erstmals vergebene Preis-Skulptur stammt von dem Aschacher Künstler-Paar Uber/Diem in einer Auflage von fünf Exemplaren.
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