06.10.2020 - 10:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Ins Stadttheater Amberg: Jetzt erst recht

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, singen die vier Damen der Revue „himmlische Zeiten“ von Tilmann von Blomberg. Der Besuch war enttäuschend, die Aufführung sprühte dafür voll Temperament und guter Laune.

Die neue Revue von Tilmann von Blomberg beschert den Damen zwischen 45 und 65 Jahren sozusagen „himmlische Zeiten“.
von Marielouise ScharfProfil

Heiteres auf der Bühne des Amberger Stadttheaters, aber ziemlich trübe Aussichten beim Blick ins Parkett und die Ränge. Wo bleibt in Coronazeiten die Solidarität mit den Schauspielern und Künstlern, wo der Zusammenhalt der Amberger Theaterfreunde, wo die Unterstützung für das Engagement der Kulturverantwortlichen unserer Stadt? Wenn nicht jetzt, wann dann ist ein Theaterbesuch mehr als nur Unterhaltung und Vergnügen?

Selbiges bereitete das muntere Damenquartett mit Angelika Mann (die Hausfrau), Patricia Hodell (die Karrierefrau), Heike Jonca (die Vornehme) und Nini Stadlmann (die Junge) 90 pausenlos-amüsante Minuten lang. Man kennt die vier bereits, hat sie durch „heiße Zeiten“ begleitet, dann ihre weiteren Abenteuer in „höchste Zeit“ erlebt. Die neue Revue von Tilmann von Blomberg beschert den Damen zwischen 45 und 65 Jahren sozusagen „himmlische Zeiten“. Na ja, der Untertitel mildert die Euphorie schon beträchtlich ab. Sie lautet: „Altwerden ist nichts für Feiglinge“.

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Los geht’s im elegant ausgestatteten Zimmer der Schönheitsklinik von Dr. Steinberg. Der Schönheitschirurg zieht stramm, was faltig ist, formt, was im Laufe der Jahre aus der Form geraten ist und operiert was und wo es gewünscht wird – so verspricht er es jedenfalls via Television (Stimme Viktor Neumann). Hier also treffen sie wieder aufeinander: Die Karrierefrau mit aufgemaltem „Schnittmuster“ im Gesicht. Sie will ihren Managerposten mit einer kosmetischen Generalüberholung gegen die viel jüngere Konkurrenz verteidigen und „frisch gebügelt“ beim Vorstand aufschlagen. Die moppelige Hausfrau platzt herein und verkündet, sie habe ihre Falten einfach weggefressen. Sie hat keine Schönheits-, dafür aber Geldsorgen. Ihr Kommentar: „Alt und arm ist Schei...!“ Die Junge kommt mit dickem Babybauch und die Vornehme sitzt im Rollstuhl. Nach einem Golfunfall leidet sie unter Gedächtnisstörungen.

Die eine beklagt, „Ich krieg die Krise, mein Mann wird alt“, die andere stellt fest, sie benehme sich schon so spießig wie ihre Eltern. Sie singen, spielen und tanzen mit vollem Einsatz und großer Leidenschaft trotz Plexi-Maske im Gesicht und Mikrofon auf der Stirn. Das Publikum applaudiert nach jedem Song. Mit lockerer Hand, aber sehr präzise, führt Katja Wolff Regie.

Musikalische Einstudierung und Leitung der Halbplayback-Aufnahmen: Carsten Gerlitz. Das geschmackvolle Bühnenbild und die Kostüme entwarf Cary Gayler. Die einfallsreiche Choreografie hat sich Andrea Kingston einfallen lassen. Das Publikum bedankte sich beim sympathischen Ensemble mit begeistertem Applaus.

Die neue Revue von Tilmann von Blomberg beschert den Damen zwischen 45 und 65 Jahren sozusagen „himmlische Zeiten“.
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