13.06.2018 - 16:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Ironman gehört nicht zum alten Eisen

Beim Ironman Hawaii war Rouven Oeckl mehrmals dabei. Anfang der 90er gehörte er zu den ersten drei Ambergern, die dort starteten. 27 Jahre später ist er immer noch aktiv: als „Grand Senior“ von CIS Amberg in der 2. Triathlon Bundesliga.

Fit wie der sprichwörtliche Turnschuh: Rouven Oeckl vor wenigen Tagen beim Wechsel auf die Laufstrecke.
von Andreas Hahn Kontakt Profil

In Roth war Oeckl der erste Amberger, der in einer Zeit von unter neun Stunden „finishen“ konnte. Die Zeit der Langdistanzen – 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren plus Marathon – hat der Lehrer am Sonderpädagogischen Förderzentrum Sulzbach-Rosenberg (vorerst) hinter sich gelassen.

Rouven, seit wann machst du Triathlon?

Meine erste Olympische Distanz – 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und

10 Kilometer Laufen – habe ich 1988 in Amberg absolviert. Im Jahr drauf waren es dann schon drei Rennen im Jahr.

Wie bist du dazu gekommen?

Ein Siemens Werksstudent kam damals in unser Schwimmtraining mit kallbuntem Einteiler und ist auf Anhieb 1500 Meter am Stück gekrault. Das fand ich sehr beeindruckend. Er hat mich zum Radfahren und Laufen mitgenommen. Wir sind heute immer noch Freunde. Er ist inzwischen professioneller Eventsprecher bei großen Triathlonveranstaltungen.

Warst du damals ein „Exot“?

Wohl eher ein Spinner... In der Skateboard-Clique galt es schon als besonders, wenn man sich seine Ersatzteile in Nürnberg mit dem Rennradl besorgt und dafür vier Stunden unterwegs ist.

Aktuell startest du ja auch immer noch für CIS Amberg im Ligabetrieb – in welche Liga?

Mit etwas Glück konnten wir letztes Jahr mit dem Team in die 2. Bundesliga aufsteigen, was auch für mich absolutes Neuland ist. Dort versuchen wir uns im Moment festzubeißen. Das ist die zweithöchste Liga im Triathlon.

Das heißt, du bist bei wie vielen Wettkämpfen am Start?

Im Ligabetrieb hat man in der Regel vier bis fünf Wettkämpfe, die sich jetzt allerdings in Darmstadt, Viernheim oder Baunatal befinden. Das ist schon eine ganz schöne Fahrerei. Ansonsten starte ich noch bei weiteren fünf bis acht Läufen, Triathlons oder MTB-Rennen.

Startest du auch immer noch alleine oder nur noch im Team?

Das Team steht für den Ligabetrieb immer an erster Stelle. Dort bin ich auch seit einigen Jahren sehr regelmäßig im Einsatz und habe Spaß an den vielseitigen Wettkampfformaten. Die anderen Starts im Jahr wähle ich selbst aus und ziehe sie meist allein durch, mit Ausnahme des Landkreislaufes Amberg und Regensburg, oder bei 12-Stunden-MTB-Rennen im Vierer-Team.

Vergleicht man das Equipment aus den (frühen) 90ern mit heute – dann sind das bestimmt Welten, oder?

Das ist schon gigantisch, was sich da getan hat. Im Laufen hat sich wohl am wenigsten verändert. Jedoch die Fahrradtechnik rund um den Werkstoff Carbon und die Suche nach aerodynamischen Fahrradquerschnitten hat wohl die meisten Innovationen gebracht. Natürlich hat man inzwischen auch schnelltrocknende, schweißabsondernde und aerodynamisch optimierte Bekleidung entwickelt, die enorme Vorteile brachte. Nicht vergessen darf man die Trainingssteuerung über GPS/Pulsuhr. Hier hat man eine Genauigkeit entwickelt, mit der Möglichkeit, die Trainingsdaten zu Hause am PC auszuwerten und das Training weiter zu planen.

Was macht für dich die Faszination Triathlon aus?

Ganz klar der Wechsel durch die drei Disziplinen und die vielen unterschiedlichen Wettkampforte. Dazu kann man jeden Tag eine andere Sportart trainieren und die Belastung für die Gelenke verteilt sich dadurch wesentlich günstiger. Im Triathlon kannst du mit Profis an den gleichen Rennen teilnehmen. Außerdem meldest du dich auf der ganzen Welt dort an, wo du starten willst. Im Triathlon ist man selber sein Coach. Du planst dein Training selber, achtest auf die richtige Ernährung, entwickelst mentale Strategien. Man wird ein „ganzer“ Athlet.

Viele Triathleten haben eine Abneigung gegen das Schwimmen – du auch? Welche Disziplin magst du am wenigsten?

Da ich vom Schwimmen komme, mag ich die Auftaktdisziplin. Im Wasser sollte man sich immer gut positionieren, um beim Radfahren schon mit den schnellen Jungs beieinander zu sein. Das hilft im Wettkampf. Wahrscheinlich fällt mir das Laufen am schwersten. Da schinde ich mich auch gerne mit Intervallen, aber es könnte immer ein bisschen besser sein.

Roth und Hawaii gefinished – was war das jeweils für ein Gefühl?

Das erste Finish ist immer das Größte, finde ich. Man erreicht ein Ziel, auf das man sechs bis zehn Monate hingearbeitet hat. Über die Länge der Strecke erlebt man viele Hoch und Tiefs, sowohl was die Kräfte, als auch die Psyche angeht. Natürlich ist die Rennumgebung auf Hawaii der absolute Höhepunkt.

Ist es erstrebenswert, da nochmal auf der Langdistanz an den Start zu gehen?

Hawaii wäre immer eine Rennteilnahme wert. Im Moment habe ich die Zeit für eine vernünftige Vorbereitung auf eine Langdistanz nicht. Jetzt sind grad andere Dinge wichtiger in meinem Leben.... aber wer weiß. Der Reiz ist natürlich immer da.

Regionaler Wettkampf oder irgendwo in Europa – was liegt und lag dir mehr?

Da ich schon viel Zeit fürs Training verwende, versuche ich, soweit es geht, kurze Renntage mit wenigen Kilometern Anreise zu planen. Für mich sind so 100 Kilometer eine Schmerzgrenze. Klar, in der Liga sind’s auch schon mal 300 bis 400 Kilometer. Deswegen versuche ich sonst vor Ort zu bleiben. Es gibt in der Oberpfalz und in Bayern so viele reizvolle Wettkämpfe, die ich gerne unterstütze. Inzwischen wähle ich mir immer ein Jahreshighlight für das ich auch mal ein bisschen weiter fahre.

Wie sieht dein Zeitaufwand heute aus in der Woche?

Im Herbst/Winter versuch ich mit sechs bis zehn Stunden meine Form zu halten: 1 Stunde Krafttraining, 2 Stunden Schwimmen, 3 Stunden Laufen, 2 bis 4 Stunden Radfahren. Das steigere ich dann im Frühjahr auf maximal 15 Stunden. Wobei es im Trainingslager auf Mallorca auch schon mal 25 bis 30 Stunden werden können. Im Juni/Juli trainiere ich nur noch wenig – meist locker zwischen den Rennwochenenden.

Wie würdest du jemanden überzeugen, mit dem Triathlon anzufangen?

Überzeugen würde ich niemanden wollen. Das muss jeder selber wissen. Aber ich würde jeden an die Hand nehmen, mein Wissen weitergeben und ihm helfen, selbst einmal an der Startlinie zu stehen. Der Funke springt dann meist selber über, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß.

Welche Tipps hast du für Anfänger zu Training und auch Material?

Man sollte sich wirklich erst ein bisschen in die Materie einlesen oder Leute fragen, die den Sport erfolgreich machen. Schwimmen, Radfahren und Laufen kann eigentlich jeder. Triathlon heißt auch nicht, dass man sich jeden Tag aufarbeiten muss. Die Erholung hat eine großen Stellenwert und sollte immer mit eingeplant werden in den Wochenrhythmus.

Das Material ist eher zweitrangig. Ich würde keinem Anfänger raten, sich gleich ein Racebike für 6000 Euro zu kaufen. Erstmal langsam mit einer Volksdistanz anfangen und dann schauen, ob’s a bissl mehr sein darf.

In Amberg heißt es bei Rouven Oeckl oft „Der Altmeister“ – wie kommt‘s dazu?

Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, da ich nie irgendwelche große Meisterschaftstitel erworben habe. „Alt“ trifft auf jeden Fall massiv zu.

Wie lange willst du noch Triathlon machen?

Für mich ist Triathlon inzwischen Lifestyle geworden durch und durch. Daher werde ich hoffentlich auch im höheren Alter Schwimmen, Radfahren und Laufen gehn können. Mit den Wettkämpfen werde ich aufhören, wenn es mir keinen Spaß mehr macht oder ich mich selbst lächerlich dabei finde.

Gibt es noch Ziele und Wünsche?

Ich will vor allem gesund und unversehrt bleiben, wie es mir in den letzten 30 Jahren auch gelungen ist. Außerdem hat mein Sohn mit Triathlon begonnen. Ihn würde ich gerne noch einige Zeit im Training und auf Wettkämpfen begleiten können.

Der „Grand Senior“ (Zweiter von links) und die „jungen Wilden“.
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