04.08.2020 - 16:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Jed Thomas zurück in die 70er

Was tun, wenn der Schlagzeuger noch unterwegs zum Konzert ist? Dann spielt Bandleader Jed Thomas mit einer geborgten Akustik-Gitarre sein eigenes Vorprogramm im Wild-Vaitl-Biergarten. Ebenso ungeplant wie souverän.

Jed Thomas und seine Band lieferten im Wild Vaitl in Amberg ein exzellentes Konzert für die zahlreichen Besucher im Biergarten.

Die Hitze groß, der Biergarten voll, die Band bereit. Nicht ganz. Beim Gastspiel von Jed Thomas & Band fehlte zu Beginn noch der Schlagzeuger. Der Mann aus Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) namens Fiete Blümel war mit seinem Auto im Raum Gera gestrandet und sollte erst "etwas später" auf Umwegen eintreffen. Im lauschigen Outdoor-Bereich beim Wild Vaitl trat deshalb zunächst einmal Bandleader Jed Thomas den Beweis dafür an, dass er nicht nur E-Gitarre kann. Mit einer vom Amberger Musiker Harry Zawrel geborgten Akustik-Gitarre lieferte er solo sein eigenes Vorprogramm.

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Amberg

Stammvater Rory Gallagher

So wie Jed müssen Musiker für bluesigen Rock ausschauen. Zumal dann, wenn sie ihre Wurzeln erklärtermaßen in den 1970er-Jahren haben. Unter wallendem Wuschelhaar mal listige, mal lustige Augen, und dann vor allem bei fast jeder Gelegenheit ein breites Grinsen. Freut sich da einer über sich selbst? Gut möglich, und mit jedem Recht der Welt. Jeds Gewand weist auch weit zurück in die lange Geschichte der Rockmusik: von Styling keine Spur, von Freiheit eine ganze Menge. Schon solo war klar, dass sich dieser Brite vor allem auf einen Iren als "Stammvater" bezieht: Rory Gallagher.

Die Zuschauer wussten offenbar zum großen Teil von dieser Verbindung zum allzu früh verstorbenen Helden aus Cork. Die Rufe von Songtiteln hinauf zur Bühne waren da eindeutig. Viele der solo herausgezauberten Stücke stammten aus der Feder und aus den Händen von Rory Gallagher. Jed Thomas erwies dem großen "Vorfahren" allen Respekt: Er machte dessen Songs zwar schon auch zu seinen eigenen, tat aber keiner Komposition Gewalt an, um sich etwa besonders zu profilieren. Die alten und neuen Fans dankten Jed Thomas mit hinaufwogendem Applaus für diese feinen Zitate.

Der Schlagzeuger kommt später

Und dann kam er, Fiete Blümel ‒ etwas geschlaucht von der Fahrerei, aber allemal bereit für ein sattes, fetziges Rockkonzert im Wild Vaitl. Viele halfen ganz schnell mit, sein Schlagzeug komplett auf- und einzustellen, nicht zuletzt Drummer Hubert Stepper (Major Knockout, Der Ernst des Lebens) sowie TNT-Chef-Promoter und Großmusiker Toby Mayerl. Schön! Jetzt ging die Post endgültig ab. Jed legte nun das Grinsen kaum noch ab. Die Band rockte, die Fans waren glücklich ‒ und Jed fegte meistens auf einer ebenso abgerockten Fender Stratocaster durch die Songs wie das große Vorbild Rory Gallagher, auf dessen Gitarre kaum noch ein Fleckerl Lack zu finden war.

Zusammen mit dem stoisch-unerschütterlichen, aber fein dosierenden Paul Austwick (Hammond-Orgel, Keyboards), dazu dem sehr intelligent und dennoch emotional spielenden Nibbsy Toes am Bass und mit Fiete, der schon auch ein Stück Urgewalt aus Mäc-Pomm mitgebracht hatte, ist Jed Thomas allemal in der Lage, auch größere Auftrittsorte zu beschallen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es handelt es sich nicht um eine Gallagher-Tribute-Band! Vielmehr setzt hier ein ganz eigenständiger Gitarrenheld samt Combo jede Menge eigene Akzente, lässt sich sehr schön auch mit Effekt-Klängen ‒ und ohne auf die Uhr zu schauen ‒ zurücktreiben in die wilden Siebziger. Klasse!

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