24.07.2018 - 11:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Juckreiz unter der Gürtellinie

Die Weihnachtsdarbietung ist zunächst musikalischer Art. Dann aber, nach absolviertem Auftritt, gerät die Szene völlig aus dem Ruder. Denn einer der Sangesmänner öffnet seine Hose und präsentiert den entblößten Unterleib.

von Autor HOUProfil

Der Tatbestand einer Erregung öffentlichen Ärgernisses wird eigentlich sehr selten vor die Justiz gebracht. Doch nun musste sich Amtsrichter Christian Frey mit einem Fall beschäftigen, der quasi als seltsames Intermezzo in einem Amberger Café für Furore sorgte. In den Sitzungssaal trat ein Mann aus der Slowakei, im Kreis Schwandorf wohnhaft, 49 Jahre alt und nach eigenem Bekunden "tief beschämt".

Von einer Dolmetscherin übersetzt, begann er zu erzählen. Kurz vor dem letzten Weihnachtsfest sei er zusammen mit anderen nach Amberg gekommen, um hier einen sangesmäßigen Auftritt zu bestreiten. Die Stätte der Darbietung wurde nicht näher bekannt. Wohl aber dies: Seine mitgereiste Ehefrau tadelte den Gatten wegen dessen sängerischer Qualitäten.

Bier soll helfen

"Es gab einen Streit", erfuhr der Richter und schenkte seine Aufmerksamkeit weiteren Ausführungen. Christian Frey vernahm, dass der Slowake seinen Ärger mit einem Bier in den Griff kriegen wollte, zu diesem Zweck allein auf Wanderschaft durchs nächtliche Amberg ging und schließlich in einem Café Platz nahm.

Adventliches Kratzen

Erst kam das Bier, dann schritt der 49-Jährige zur Tat. Er öffnete seine Hose und zeigte etwas vor, das im Regelfall stets zu bedecken ist. "Weshalb dieses?", forschte der Vorsitzende nach. Die Antwort erregte ebenso Aufsehen wie die öffentliche Präsentation des männlichen Körperteils. Er leide bedauerlicherweise an einem Juckreiz in der Gegend unterhalb der Gürtellinie, ließ der Mann vortragen. Deshalb müsse er sich bisweilen heftig kratzen.

Leider auch an jenem adventlichen Abend. Eine Art Notstand gewissermaßen. Der Richter sah den Mann längere Zeit an und sagte dann: "Das glaube ich nicht. Auf so eine Idee kommt doch keiner." Danach lenkte er den Blick auf eine bereits im Vorfeld ergangenen Strafbefehl über 800 Euro und gab dem Angeklagten zu bedenken: "Es könnte auch teurer werden." Zumal draußen eine Servierkraft des Cafés wartete, die in einer polizeilichen Vernehmung sinngemäß zu Protokoll gegeben hatte, dass sie der Herr mit geöffneter Hose angestarrt habe.

Wirklich beschämt

"Die Frau wird hier als Zeugin nichts anderes sagen", vermutete Richter Frey und empfahl dringend: "Doch diese Vernehmung sollte man ihr ersparen." Da seufzte der 49-Jährige, zeigte sich abermals "wirklich beschämt" und nahm seinen Einspruch zurück.

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