30.12.2018 - 19:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Jugendliche prügeln auf Passanten ein

Vier jugendlichen Asylbewerbern wird vorgeworfen, am Samstagabend in der Innenstadt von Amberg scheinbar grundlos auf mindestens zwölf Passanten eingeschlagen zu haben. Die Polizei sucht für den Vorfall weitere Zeugen.

Die morgendliche Stille in der Amberger Bahnhofstraße trügt am Tag danach: Am Samstagabend sollen rund um das Areal des Bahnhofs und auch in der Innenstadt vier Jugendliche wahllos auf Passanten eingeschlagen haben.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Am Samstag gegen 18.45 Uhr gingen laut den Beamten unabhängig voneinander in der Polizeiinspektion und der Einsatzzentrale Anrufe ein, dass vier junge Leute rund um den Bahnhof Passanten angreifen. Unter anderem habe die Gruppe in der Bahnhofshalle einen ankommenden Bahnreisenden mehrfach ins Gesicht geschlagen und ihn damit leicht verletzt. Wenige Minuten später attackierte wohl die gleiche Gruppe erneut wahllos zwei Passanten am Vorplatz.

Die Polizei leitete sofort eine Fahndung nach der Gruppe ein, fand sie jedoch zunächst nicht. Die Beamten erfuhren, dass gegen 20.45 Uhr in der Bahnhofstraße erneut brutal und grundlos auf Personen eingeschlagen wurde. Wieder soll es die Gruppe Jugendlicher gewesen sein. Die Passanten versuchten laut Polizei vor den Rowdys zu fliehen, allerdings wurden sie am Bahnhofvorplatz eingeholt. Einer schleuderte einen Passanten zu Boden und trat massiv auf ihn ein. Zeugen, die dem Mann zu Hilfe kamen, wurden nach Angaben der Beamten ebenfalls unvermittelt von den Tätern angegangen und verletzt.

Danach, so erklärt die Polizei, ist die Gruppe in die Altstadt weitergezogen. Beim Queren des Kaiser-Ludwig-Rings trat einer von ihnen gegen ein abbiegendes Auto. Noch auf der Flucht schlugen die vier in der Oberen Nabburger Straße erneut grundlos auf zwei Passanten ein. Sie erlitten dabei mittelschwere Verletzungen. Das BRK brachte die beiden ins Klinikum nach Amberg.

In der Oberen Nabburger Straße nahmen die Einsatzkräfte gegen 21 Uhr schließlich vier Tatverdächtige vorläufig fest. Einer von ihnen leistete massiv Widerstand und beleidigte die Beamten. Nach bisherigem Ermittlungsstand der Polizei hat die Gruppe insgesamt zwölf Personen im Alter zwischen 16 und 42 Jahren überwiegend leicht verletzt. Teilweise mussten sich die Opfer zur ambulanten Behandlung ins Klinikum begeben, ein 17-Jähriger ist wegen einer Kopfverletzung zur Überwachung stationär im Krankenhaus aufgenommen worden.

Bei den Tatverdächtigen handelt es sich nach Angaben der Polizei um jugendliche beziehungsweise heranwachsende Asylsuchende im Alter zwischen 17 und 19 Jahren. Sie standen unter Alkoholeinfluss.

Die Staatsanwaltschaft stellte gegen alle vier Haftantrag insbesondere wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Beamten sind weiter auf der Suche nach Opfern, die sich bislang noch nicht gemeldet haben. Zeugen werden zudem gebeten, sich mit der Polizeiinspektion in Verbindung zu setzen. Am Sonntagnachmittag entschied die Ermittlungsrichterin am Amtsgericht, Haftbefehle gegen die vier Tatverdächtigen zu erlassen. Die Beschuldigten kamen getrennt voneinander in Justizvollzugsanstalten.

Ob die vier jungen Männer mit dem Zug nach Amberg reisten, um möglicherweise gezielt rund um das Bahnhofsareal Personen anzugehen, wollte ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf Nachfrage nicht beantworten. Diese Informationen seien Teil der Ermittlungen.

Oberbürgermeister Cerny verurteilt Taten

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny zeigte sich entsetzt über die Gewalt und Brutalität. "Der Vorfall ist ein absolutes No-Go in unserer Stadt. Solche Szenen wollen wir in Amberg nicht haben und wollen wir in Amberg nicht sehen." Natürlich müsse sich der Blick zuerst auf die Opfer der Prügelei richten. "Ich hoffe sehr, dass sie sich schnell erholen und das Erlebte gut verkraften." Die geschilderten Taten müssten mit der angemessenen Härte des Rechtsstaats verfolgt werden, um zu zeigen, dass diese Handlungen mit der notwendigen Konsequenz geahndet würden. "Gleichzeitig bitte ich aber auch darum, die negativen Erlebnisse nicht zu generalisieren und auf die Asylbewerber zu übertragen, die sich friedlich und mit großem persönlichen Einsatz in unsere Gesellschaft einbringen. Die jungen Leute haben mit ihrem Verhalten der sich aktuell etwas beruhigten Diskussion um das Thema Asyl und vor allem den Asylbewerbern insgesamt einen echten Bärendienst erwiesen und stärken letztlich nur die rechtspopulistischen Tendenzen in unserer Gesellschaft."

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