Amberg
17.09.2018 - 13:23 Uhr

Kaiser Joseph II. und sein Kirwa-Problem

Im Landkreis Amberg-Sulzbach wird die Kirwa-Tradition hochgehalten. Das Umland verzeichnet mit Abstand die meisten Kirwan in ganz Bayern.

.Es geht um die Kirwa: Gerne hören die SPD-Mitglieder Hermann Frieser zu. Bild: Dieter Weiß/exb
.Es geht um die Kirwa: Gerne hören die SPD-Mitglieder Hermann Frieser zu.

Davon berichtete der ehemalige Kreisheimatpfleger Hermann Frieser der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60-plus. Die Senioren hatten ihn zum Monatstreffen eingeladen, um mehr über dieses Brauchtum zu erfahren. Dazu gehörten auch volkstümliche Lieder.

Einst waren die Kirchweihfeste der gesellschaftliche Höhepunkt in den Dörfern. Eine gute Gelegenheit, Verwandte und Bekannte wiederzutreffen, aber auch, um so manche Ehe anzubahnen. Dazu gehörten zünftige Musik, flotte Tänze, gutes Essen und natürlich die Kücheln. "Die Viereckigen sind evangelisch. Die Runden katholisch", klärte Frieser über die regionalen Unterschiede auf.

"Vierzehn Tog danou und vierzehn Tog davor, Himmel aus der Bettstod, oh Kirwa lou niat nou!" Das war der Ablauf einer traditionellen Kirwa. Sehr zum Missfallen der Obrigkeit. Unter Kaiser Joseph II. kam man deshalb auf die Idee, die Allerweltskirchweih jeweils am dritten Oktobersonntag einzuführen. Dies bedeutete die Streichung von 87 Feiertagen. Aber da hatten sie die Rechnung ohne die Oberpfälzer gemacht. Natürlich feierten sie die neu eingeführte Kaiser-Kirwa, aber an ihren eigenen Kirchweihterminen hielten sie fest.

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition sorgsam gepflegt. Seit den 1980er-Jahren erlebt das Brauchtum einen Wiederaufschwung. Gerade im Landkreis Amberg-Sulzbach, aber auch im Stadtteil Raigering fanden sich viele junge Menschen zusammen und erfüllten die Kirwan mit neuen Leben. Frieser dazu: "Die dörfliche Gemeinschaft wurde so gestärkt." Eingeladen hatten die SPD-Senioren unter dem Vorsitz von Sonja Höcherl. Sie betonte, dass diese Brauchtumspflege meist von Ehrenamtlichen geleistet wird.

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