Von der Raupe des Eichenprozessionsspinners mit den aggressiven Brenn-Härchen ist bis jetzt in der Oberpfalz wenig bis gar nichts zu hören. Das war in der Vergangenheit anders. Ziemlich genau vor acht Jahren sorgte die Raupe in Amberg erstmals für Schlagzeilen. Im Juli 2015 ließ die Stadt eine Spezialfirma anrücken, um eine Eiche an der Straße zwischen Speckmannshof und Segelflugplatz abzusaugen. Die Mitarbeiter hatten Schutzkleidung an, wie sie in Science-Fiction-Filmen getragen wird - damals ein recht ungewöhnliches Bild.
Doch an die Arbeiter in luftdichten Schutzanzügen, an gesperrte Wege, abgeriegelte Parkplätze und mit Trassierbändern umspannte Liegewiesen im Freibad hat man sich gewöhnt. Da fällt auf, dass solche Vorkehrungen heuer in der Stadt Amberg und auch im Landkreis Amberg-Sulzbach noch nirgends getroffen werden mussten. Die Stadt Amberg bestätigt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, dass der Befall mit Raupen des Eichenprozessionsspinners tatsächlich sehr zurückgegangen ist und ungefähr nur noch bei etwa einem Fünftel dessen liegt, was in der Vergangenheit feststellbar war.
Eine Speise für die Meise
"Natürlich kommt es dennoch vor, dass in einzelnen Bäumen Nester beobachtet werden. So kommt es gelegentlich im Waldfriedhof zu einem Befall, kürzlich wurde ein kleineres Nest in einer Eiche am Kurfürstenring entdeckt", erklärt die Pressesprecherin der Stadt, Susanne Schawb. "In diesen Fällen werden die Bäume jedoch sofort abgesaugt und von den Raupen befreit. Dadurch müssen in diesem Jahr auch keine Bereiche gesperrt werden." Warum der Befall zurückgegangen ist, kann man sich nicht so genau erklären. Vielleicht liegt es an den Nistkästen für Meisen, die die Mitarbeiter von der Grünplanung vermehrt aufgestellt haben, um die natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners anzulocken.
Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, Michaela Basler, vermutet, dass das kalte und regnerische Frühjahr gute Arbeit geleistet hat. "Uns ist bislang ein konkreter Befall gemeldet worden – wobei wir natürlich nicht alles mitbekommen, da ja keine Meldepflicht besteht", sagt sie. Auch die Hilfe von Nützlingen könnte ihrer Ansicht nach greifen. "In der Natur läuft es ja immer so ab: Zuerst vermehrt sich der Schädling sehr stark und es sind noch wenige Nützlinge da – durch das reiche Angebot an Schädlingen vermehren sich in der Folge aber natürlich auch die Nützlinge – bis dann nur noch wenige Schädlinge mehr da sind und die Nützlinge dadurch auch wieder reduziert werden." Danach beginne aber das Spiel von Neuem.
Parkplatz bleibt gesperrt
Der Parkplatz an der Staatsstraße Richtung Hirschau bei Ammersricht ist nunmehr seit 2015 durchgängig gesperrt. Trotz verschiedener Bekämpfungsmaßnahmen ist der Befall dort geblieben. "Nachdem die Brennhaare auch noch nach sehr langer Zeit als gefährlich einzuschätzen sind und die Beseitigung der dortigen Eichen nicht zur Disposition steht, wird daher der Parkplatz gesperrt bleiben müssen", sagt Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach. Auch die Autobahn GmbH des Bundes beschäftigt das Tierchen noch. Die Niederlassung Nordbayern kündigt für die nächsten Tage Absaugaktionen an verschiedenen Autobahnen an - auch an der A6 und der A93. Wenn nötig würden Bereiche einzelner Rastanlagen temporär abgesperrt, heißt es.
Gesundheitliche Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner
- Die Raupenhaare stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen dar. Die Gefahr ist während der Raupenfraßzeit des Schädlings am größten. Alte Gespinstnester, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, bleiben gefährlich.
- Die Brennhaare der Raupen haben Widerhaken und enthalten das Eiweiß Thaumetopoein. Ihre Reizwirkung an Hautstellen und an den Schleimhäuten ist mechanisch, da sie in die Haut eindringen. Besonders betroffen sind dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und an der Innenseite der Ellenbogen.
- Über mehrere Jahre reichern sich die Raupenhaare in der Umgebung an. Sie halten sich auch an den Kleidern und Schuhen und lösen bei Berührungen stets neue allergische Reaktionen aus.
- Bei einem vermeintlichen Kontakt sollte man die Kleidung bei mindestens 60 Grad Celsius waschen und duschen (inklusive Haarwäsche). Bei starken Ausschlägen oder anderen ernsten Symptomen einen Arzt aufsuchen.
- Ist der eigene Garten betroffen: auf keinen Fall selbst versuchen, die Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen, sondern dies Fachleuten überlassen.
- Die Stadt Amberg beobachtet die Eichen weiterhin, um bei Bedarf schnell reagieren zu können. Bei einem Befall können sich Bürger an die städtische Grünplanung wenden, die beispielsweise unter Tel. 09621/101414 oder 101476 erreichbar ist.















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