05.06.2019 - 10:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Kein illegales Autorennen, aber 80.000 Euro Schaden

Es geht um jede Menge PS. Ein heute 23-Jähriger lässt sich vom Fachhändler ein 80.000 Euro teures Auto geben und fährt es im Gewerbegebiet Immenstetten zu Schrott. Die Frage vor dem Amtsgericht: Hat er ein verbotenes Rennen inszeniert?

Totalschaden bei Testfahrt: Im Gewerbegebiet Immenstetten war das 80.000 Euro kostende Fahrzeug außer Kontrolle geraten und eine Böschung hinab gestürzt. Der Fahrer (23) bekam nun 1500 Euro Geldstrafe und acht Monate Führerscheinentzug wegen Straßenverkehrsgefährdung. Dass er ganz für sich allein ein verbotenes Rennen inszenierte, hielt das Amtsgericht jetzt nicht für gegeben.
von Autor HWOProfil

Der Gesetzgeber hat die Strafen für illegale Autorennen drastisch angehoben. Ein solcher Vorgang kann unter Umständen auch dann stattfinden, wenn jemand ganz allein sein Fahrzeug einem Geschwindigkeitstest unterzieht und rücksichtslos aufs Gaspedal tritt.

Vor Amtsrichtern Sonja Tofolini wurde nun ein Fall verhandelt, bei der sich die Staatsanwaltschaft in einem erlassenen und später angefochtenen Strafbefehl auf den Standpunkt gestellt hatte: "Was an einem November-Sonntag im Jahr 2017 geschah, war ein verbotenes Rennen." Auf der Anklagebank saß ein 23-Jähriger Amberger, dessen Verteidiger Carl-Heinz Müller nun aber sofort sagte: "Nein, das war kein Rennen."

Im Gerichtsaal schaute man sich fragend an, als klar wurde: Der damals 21 Jahre alte Verkäufer war in einem Amberger Autohaus erschienen und hatte sich, mit ernsthaften Kaufabsichten ("15 000 Euro Anzahlung, der weitere Betrag über Finanzierung") das über 300 PS starke Spitzenfahrzeug eines bayerischen Herstellers zur Testfahrt geben lassen. Drei Tage durfte er an einem Wochenende zur Probetour. Was dann geschah, war fatal, peinlich und übel in den Folgen. Mit einem Kumpel war der Mann Im Industriegebiet Immenstetten unterwegs. Vor der Richtern hieß es nun, da sei plötzlich ein Reh aus dem Gebüsch gesprungen und habe für Irritationen beim Fahrer gesorgt, der in den sogenannten "Sportmodus" geschaltet hatte.

Eine Böschung hinab

Der Wagen geriet ins Schlingern, brach aus, rammte den Bordstein und überschlug sich eine Böschung hinab. Der flotte Flitzer besaß danach nur noch Schrottwert. Allerdings blieben beide Insassen ohne nennenswerte Verletzungen. "Ich habe das mit dem Reh von Anfang an nicht geglaubt", legte jetzt ein Polizist seine Meinung dar. Der Beamte hatte während der Unfallaufnahme in einer Kurve, die der Wagen kurz vor dem Crash noch genommen hatte, Driftspuren erkannt. Bedeutete: Der Fahrer muss wohl rasant in diese Biegung gesteuert und danach noch beschleunigt haben. Gleich danach geriet der Bolide außer Kontrolle. Das deckte sich großteils mit der Auffassung eines Sachverständigen.

Keine Frage: Eine Gefährdung des Straßenverkehrs lag vor. Aber hatte der junge Fahrer ganz für sich allein ein illegales Rennen gestartet? Davon rückte schließlich auch Staatsanwältin Christine Apfelbacher ab. Sie beantragte 1500 Euro Geldstrafe und acht Monate Führerscheinentzug für den Crash-Piloten. Das hielt auch Verteidiger Müller für angebracht.

Wer zahlt den Schaden?

Die Richterin schloss sich im Urteil den Strafanträgen an. Ein illegales Rennen sah sie in dem Verhalten des 23-Jährigen nicht: "Es war eine fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs." Ob der junge Mann den Schaden bezahlen muss, ist ihm bis heute unbekannt. Wohl aber wurden ihm die Prozesskosten auferlegt.

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