18.09.2020 - 15:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Kein Jammer-Jahr für Landwirte, aber: Sorgen wegen Schweinepest

Die Ernte ist fast eingefahren. Nur der Mais steht noch. Es ist die Zeit, in der Landwirte Bilanz ziehen. Die Prognose für 2020 klingt optimistisch, auch wenn der Klimawandel immer stärker zu spüren ist. Ein Desaster droht aber dennoch.

Der Mais steht noch auf den Feldern. Die ersten Maschinen zur Silage sind aber bereits unterwegs.
von Gerd SpiesProfil

(gsp) Peter Beer, Landwirt in Geiselhof bei Freudenberg und zugleich Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), und Wolfgang Wittmann, Fachberater Pflanzenbau am Landwirtschaftsamt des Landkreises Amberg-Sulzbach, streifen derzeit des Öfteren über Felder und Wiesen. Sie machen sich ein Bild über die Ernte-Situation, um eine erste Bilanz zu ziehen. Der Betrieb von Peter Beer ist typisch für die Region.

Der Mischbetrieb mit knapp 100 Hektar Fläche, davon 60 Prozent Acker- und 40 Prozent Grünland, sowie mit rund 50 Milchkühen liege genau im Durchschnitt aller landwirtschaftlichen Betriebe in der Region. "Das Jahr 2020 ist kein landwirtschaftliches Jammer-Jahr", so lautet das Fazit des Vollerwerbslandwirts. Seine Getreide-Erträge liegen in diesem Jahr sogar etwas über Durchschnitt, beim Mais erwartet er eine durchschnittliche Ernte. "Dafür fallen die Erträge aus der Grünlandnutzung auch heuer wieder geringer aus, wegen der unterdurchschnittlichen Niederschläge", erklärt Beer. Diese Tendenz beobachtet er seit einigen Jahren.

Immer öfter Trockenphasen

Den Klimawandel belegen auch die bisherigen meteorologischen Daten von 2020. Bis jetzt zeichnete die Wetterstation für dieses Jahr in Hiltersdorf 412 Millimeter, die Wetterstation in Edelsfeld 523 Millimeter Niederschlag auf. Rund 10 bis 15 Prozent liege man dadurch auch dieses Jahr unter dem langjährigen Mittel, wie auch schon in den vergangenen Jahren. "Wichtiger ist aber die Verteilung der Niederschläge über das ganze Jahr", betont Wittmann. Und da bereiten nicht nur die immer häufiger auftretenden Trockenphasen Probleme, sondern auch die kurzen Phasen mit sehr viel Niederschlag, außerdem die zu geringe Winterfeuchte.

"2020 war sowohl der Winter als auch das Frühjahr zu trocken", interpretiert Wittmann die Aufzeichnungen der Wetterstationen. Besonders die trockenen Monate März und April haben sich laut Wittmann negativ auf die Bestände ausgewirkt. Hinzu kamen in diesem Jahr die Eisheiligen, die teilweise bei der Wintergerste einen Ertragsverlust von 50 Prozent verursachten, erklärt der Fachberater für Pflanzenbau. Es waren am Ende die starken Niederschläge Ende Mai und Juni, ergänzt Beer, die schließlich die landwirtschaftlichen Kulturen gerettet hätten. Das war allerdings 2018, dem trockensten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, nicht der Fall. Auch 2020 sanken die Grundwasservorräte weiter ab. Zum einen liegt das an den geringen Niederschlägen im Winter, zum anderen an der stärkeren Verdunstung durch die höheren Temperaturen, so dass die gewohnte Auffüllung wiederum ausblieb. "Ein klassisches Merkmal des Klimawandels ist die höhere Zahl von Sonnenstunden", informiert Wittmann.

Grünland "der Verlierer"

Die veränderten Klimabedingungen wirken sich auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen unterschiedlich aus. "Der Verlierer ist das Grünland", sagt Beer. Durch die ausbleibenden Niederschläge gehen nämlich die Gräser und Kräuter in Trockenstarre und sterben oberirdisch ab. Überall auf den Wiesen seien diese Trockenschäden zu sehen. "Die Kunst der Landwirtschaft ist es, auf diese veränderten Bedingungen entsprechend zu reagieren", sieht Wittmann die Landwirte gefordert. Einfach sei das aber nicht, schließlich dürfe kein Grünland ohne Ausgleich in Ackerland umgewandelt werden. Trotzdem geht daraus der Mais als Sieger hervor. Auf rund ein Viertel der Ackerfläche des Landkreises steht inzwischen diese nicht unumstrittene Frucht, Tendenz steigend. Die Niederschläge Ende Mai/Anfang Juni und im August seien für die Ackerfrucht zum richtigen Zeitpunkt gekommen.

Dramatischer Preisverfall

Große Sorgen bereitet den beiden Fachleuten aktuell aber ein anderer Bereich der Landwirtschaft, nämlich die Schweinezucht. Nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Brandenburg gerate derzeit die Fleischindustrie wegen eines dramatischen Preisverfalls unter großen Druck, nachdem zum Beispiel China einen Importstopp für deutsches Schweinefleisch verhängt hat. Das wirke sich inzwischen auch auf die Preise für Getreide aus, die als Futtermittel dienen.

Wissenswertes über die Afrikanische Schweinepest

Seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ sind diese Gewässerschutz-Streifen Pflicht – wie hier am Hammerbach auf einer Breite von 15 Metern.
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