19.09.2019 - 17:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Doch keine Brücke über das Amberger Pflegerkreuz

Manche Amberger träumten schon von einer Brückenlösung, wie sie sonst nur in amerikanischen Großstädten wie Chicago zu sehen ist. Doch für Ambergs Pflegerkreuz wäre das viel zu teuer.

Die Pflegerkreuzung im Westen der Stadt. Mehr als 30.000 Fahrzeuge queren sie täglich.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Mehr als 30.000 Kraftfahrzeuge pro Tag rauschen über die Pflegerkreuzung im Westen der Stadt - oder stehen dort an der Ampel. Der Verkehr soll entzerrt werden, mögliche Mehrbelastungen durch eine Bebauung des Zinkl-Areals würde nach Schätzung der Verkehrsplaner die Kreuzung ohnehin nicht mehr verkraften. Ähnlich verhält es sich gleich nebenan, an der Kreuzung der Hockermühl- mit der Kastler- und Fuggerstraße. Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt erläuterte am Mittwoch im Bauausschuss den aktuellen Stand der Planungen und reduzierte die Anzahl möglicher Verbesserungsvarianten auf einige wenige.

Gestorben ist wohl Chicago, also die höhenfreie Lösung, bei der der Verkehr auf der B 85 mittels großer Brücke über die Kreuzung hinweg transportiert wird. Ein Kreisverkehr darunter sollte dann den lokalen Verkehr entzerren. Viel zu teuer, so Noll. "Die Chicago-Lösung würde 16 Millionen Euro plus x kosten. Nach aktueller Rechnung", machte Noll deutlich mit den Hinweis, dass die Baupreise gerade bei Brückenbauwerken derzeit nahezu explodieren. "Mein persönliches Gefühl ist, dass Chicago damit tot ist", kommentierte Oberbürgermeister Michael Cerny. Es läuft nun wohl auf eine relativ günstige Variante hinaus. Bei der müssten in der Infanterie- und Hockermühlstraße zusätzliche Abbiegespuren geschaffen sowie die Ampelschaltung entsprechend angepasst werden. Kostenpunkt: Rund 1,5 Millionen Euro ohne Lösung der Frage, wie die Fußgänger und Radler künftig über die Kreuzung kommen sollen.

Bei der nahen Kreuzung an der Kastlerstraße sah Stefan Noll einen fünfarmigen Kreisel inklusive der Gerberstraße oder ebenfalls einen Ausbau des Status Quo als Optionen. Wobei in seinen Berechnungen die geplante Erweiterung des Industriegebiets West nicht enthalten sind. Während der Ausschuss die Lösungen für die Automobilisten relativ kommentarlos zur Kenntnis nahm, gestaltete sich die Frage nach Fußgängern und Radlern wesentlich intensiver. Beispiel Pflegerkreuz: Eine höhengleiche Variante - also auf Ebene der Fahrbahn - wäre laut Noll relativ günstig zu bekommen. Doch dadurch werde auch die Leistungsfähigkeit der Kreuzung eingeschränkt.

Höhenfrei wäre via Brücke oder Unterführung möglich. Wobei die Brückenlösung mit rund vier Millionen Euro zu Buche schlagen würde, die Unterführung aber kaum billiger wäre und zudem das Problem habe, eine Unterführung zu sein, die eigentlich niemand habe wolle, weil sie als schmuddelig und unsicher gelte. Letztendlich waren sich Stadträte und Planer einig: Da gibt es noch einiges zu überdenken - vor allem was die Fußgänger und Radler angeht.

Stefan Noll, der für den Tiefbau im Raum Amberg-Sulzbach zuständige Bauoberrat beim Staatlichen Bauamt.
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