18.03.2019 - 17:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Keine Spur von illegalem Autorennen

Die nächtlichen Raser, lärmend unterwegs auf dem Ring um die Amberger Altstadt, haben für Schlagzeilen gesorgt. Doch am Faschingssonntag 2018 passierte etwas Außergewöhnliches - Stoff für eine Gerichtsverhandlung.

Von wegen Autorennen. Vor Gericht stellte sich die Situation auf dem Amberger Altstadtring ganz anders dar.
von Autor HWOProfil

Vor dem Amberger Bahnhof soll damals eine Schlägerei stattgefunden haben. Zwei Streifenwagen der Polizei fuhren zum Einsatzort, fanden keine Beteiligten. Vier Uniformierte ermittelten dennoch und beobachteten kurz nach 1 Uhr morgens einen schwarzen und einen roten BMW, die auf dem vierspurig ausgebauten Ring an ihnen vorbeifuhren. Beim Postamt sollen sie an einer Ampel gestoppt und mit heulendem Motor wieder angefahren sein. Doch diese Ampel war um diese Zeit ausgeschaltet, wie nun ein eigens aus Nürnberg angereister Fachmann dem Jugendrichter Peter Jung erläuterte.

Die beiden BMW umrundeten den 3,1 Kilometer langen Altstadtring und kamen wieder. Ein zweites und dann auch ein drittes Mal. Da lagen die beiden Streifenwagenbesatzungen beim Textilhaus Wöhrl bereits auf der Lauer. Ab dann begann eine Verfolgung. Eine Besatzung sollte den roten BMW, die andere den schwarzen Wagen gleichen Typs stoppen.

Warum eigentlich? "Man hat laute Auspuffgeräusche vernommen", sagten die Uniformierten als Zeugen. Doch war das wirklich ein illegales Rennen, wie es nun einem 21-Jährigen auf der Anklagebank vorgeworfen wurde? "Nein" sagte er. "Wir waren mit 50 bis maximal 60 km/h nebeneinander unterwegs und haben uns durch geöffnete Autofenster unterhalten." Das bestätigten, sehr glaubhaft, drei weitere Mitfahrer in den beiden Autos.

Die Streifenwagen setzten sich auf ihre Spur. Einer stoppte den roten BMW gleich nach dem Kreisverkehr, der Fahrer des anderen Polizeiwagens vollführte ein waghalsiges Manöver. "Der schoss von hinten heran", hörte JugendrichterJung jetzt. "Und dann hat er sich beim Hallenbad schräg vor das Auto gesetzt und gestoppt." Erst in letzter Sekunde mit Blaulicht und Anhaltesignal. "Wie in einem Hollywoodfilm", wurde dem Vorsitzenden verdeutlicht.

Es kam zu fatalen Folgen: Der BMW rammte das als Barriere aufgebaute Polizeifahrzeug. "Kaum vermeidbar", wie der Richter von dem Kfz-Sachverständigen Professor Hans Bäumler vernahm. Es gab vier Leichtverletzte und Sachschaden in fünfstelliger Höhe.

Die Bilanz war peinlich - und zwar ausschließlich für die uniformierten Verfolger. Ihr Angaben zur gefahrenen Geschwindigkeit hatten im Prozess weit auseinander geklafft. Sie reichten von 65 bis 100 km/h. Richter Jung sprach den 21-Jährigen frei und entsprach dem Antrag de Staatsanwaltschaft. Von einen illegalen Rennen könne keine Rede sein, sagte er nach umfangreicher Beweisaufnahme und fügte hinzu, auch eine Schuld an dem Unfall sei dem 21-Jährigen nicht nachzuweisen.

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