05.06.2020 - 12:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Kinder lachen endlich wieder

Social Distancing macht die Kleinen traurig - Corona zeigt auch bei den Kleinen Wirkung. Jugendarbeit wird deshalb umso wichtiger. Auch wenn sich Mama und Papa sehr viel Mühe gegeben haben.

Claudia Mai von der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Amberg-Sulzbach freut sich schon auf die Jugendarbeit, die jetzt auch wieder „analog“ anlaufen darf.
von Externer BeitragProfil

Zur Beantwortung von Fragen, die sich in diesem Kontext ergeben, stellte sich Kreisjugendpflegerin Claudia Mai – Kommunale Jugendarbeit (KoJa) Amberg-Sulzbach – in einem Interview.

ONETZ: Frau Mai, Sie sind mit vielen Familien im Landkreis Amberg-Sulzbach in engem Kontakt. Können Sie einschätzen, wie es den Kindern in der Zeit der Corona-Ausgangsbeschränkungen ergangen ist und wie es ihnen jetzt geht?

Claudia Mai: Es ist wie bei uns Erwachsenen: Wir haben eine gewisse Routine. Unsere Tage sind geprägt von Struktur. Plötzlich fehlt da etwas, das man nur schwer ausgleichen kann. Mamas und Papas haben sich sehr viel Mühe gegeben, den Alltag ihrer Kleinen bunter zu machen. Aber jeder braucht auch mal eine Auszeit. Nun darf man sich wieder treffen, Spielplätze haben geöffnet. Wenn ich draußen unterwegs bin, sehe ich wieder viele, viele Kinder, die lachen. Das freut mich. Wenn dann noch die Jugendarbeit dazu kommt, dann scheint alles wieder - wenn auch in kleinen Schritten - seine gewohnten Wege zu gehen.

ONETZ: Viele Familien werden die großen Sommerferien zu Hause verbringen. Wie kann KoJa die Eltern und Alleinerziehenden entlasten?

Claudia Mai: Unsere Gemeinden im Landkreis versuchen wie jedes Jahr, ein buntes, spannendes und abwechslungsreiches Ferienprogramm anzubieten. Die Vereine sind derzeit noch sehr unsicher, ob und wie sie ihr Angebot umsetzen wollen und können. Da fühle ich mit, möchte aber dennoch ermutigen. Die Kinder brauchen uns und unser Programm! Es findet sich immer eine tolle Lösung und die strahlenden Kinderaugen sind die Entschädigung dafür. Gerne sind wir Ansprechpartner und suchen gemeinsam nach Alternativen. Als KoJa bieten wir darüber hinaus noch zusätzliche vier Wochen mit Ganztagsangeboten an, die eine Anzahl von 100 Kindern zwischen sieben und elf Jahren abdecken.

ONETZ: Welche Empfehlungen und Tipps haben Sie für die großen Sommerferien, wenn die Kinder nicht gerade in der Jugendarbeit unterwegs sind?

Claudia Mai: Unser Landkreis mit seinen 27 Gemeinden hat so viel zu bieten, dass einem nie langweilig wird. Auf der Internetseite von www.amberg-sulzbacher-land.de kann man sich die schönsten Ausflugsziele anschauen. Allein das Ansehen der Bilder lässt Urlaubsfeelings aufkommen. Suchen Sie mit Ihren Kindern schöne Orte, Wanderungen oder Radtouren heraus. Lassen Sie die Kleinen zu Entdeckern werden. Wer sich lieber auf dem Wasser bewegt, leiht sich ein Kanu oder ein Stand-Up-Paddle (SUP).

ONETZ: Bis vor kurzem waren ja Gruppenstunden, Übungen und Trainings verboten. Seit dem 30. Mai ist Jugendarbeit wieder erlaubt. Wie stehen Sie dazu?

Claudia Mai: Ich halte es an der Zeit, dass die Lockerungen nun auch für die Jugendarbeit gelten. Wir waren immer sehr gespannt, wann Jugendarbeit Erwähnung findet und endlich dürfen wir wieder aktiv werden. In unserem Landkreis gibt es unglaublich viele Vereine, die hervorragende Jugendarbeit leisten. Das ausschließlich online zu gestalten, stellt eine große Herausforderung dar. Regelmäßige Telefonate, digitale Gespräche oder Nachrichten haben in den letzten Wochen zwar geholfen, sich mit den Bezugspersonen auszutauschen. Das tat nicht nur den Kindern gut, sondern auch ihrem Gegenüber. Dennoch nahm dieses Social Distancing die Kinder und Jugendlichen ganz schön mit. Es machte sie traurig, sie schliefen schlechter, sie waren unkonzentrierter. Umso wichtiger ist es deshalb, langsam wieder Kontakte aufzubauen.

ONETZ: Welche digitalen Ansätze bietet die Jugendarbeit, um dem Social Distancing konstruktiv zu begegnen?

Claudia Mai: Zunächst vorweg: Glücklicherweise darf man sich jetzt wieder mit der gesamten Familie treffen. Oma und Opa kommen zum Mittagstisch, da ist die Freude groß. Auch der ein oder andere Freund darf besucht werden. Der Mindestabstand bleibt uns erhalten, aber immerhin kann man sich sehen.
Das reale Treffen macht für Kinder, besonders auch für die jüngeren, viel aus. Während die Älteren gut über Online-Tools kommunizieren können, fällt das den Kleineren noch schwer. Sie brauchen Unterstützung von Mama oder Papa, um den Einstieg ins Gespräch mit Gleichaltrigen zu schaffen. Besonders Ehrenamtliche leisten hier eine tolle Arbeit: Sie gestalten Online-Gruppenstunden, basteln mit den Kindern oder spielen Spiele. Challenges, wie "wer findet am schnellsten etwas Grünes und hält es in die Kamera", sind witzige Alternativen und fordern die Kids. Für die Älteren darf es dann ruhig eine Wochenaufgabe oder ein Online-Escape Spiel sein.

ONETZ: Wie sieht die "analoge" Jugendarbeit in Corona-Zeiten aus?

Claudia Mai: Hier begegnen wir leider noch vielen Schwierigkeiten. Wir versuchen derzeit, die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen gut zu unterstützen und sie auf das vorzubereiten, was auf sie zukommen wird. Denn klar ist: digital ersetzt auf keinen Fall den direkten Kontakt. Wir erarbeiten gerade Empfehlungen, wie man sein gewohntes Programm so umstrukturieren kann, dass es den derzeit geltenden Regelungen gerecht wird und dennoch seinen Charme behält. Auch ein Hygiene- und Sicherheitskonzept werden wir zur Verfügung stellen. Wir dürfen nur in Kleingruppen aktiv werden, aber dennoch ist es an der Zeit, dass wir Kindern und Jugendlichen wieder mit den gewohnten Vereinsaktivitäten begegnen!

Claudia Mai ist auch als Ausdauersportlerin bekannt

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