25.07.2018 - 16:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Kinder sitzen am Trockenen

Die Lebenshilfe möchte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Sie befürchtet aber genau das, weil es um Kinder in ihrem Therapiebad geht. Und um Eltern, die wegen der Sperrung dieser Einrichtung bei der Regierung eine Welle gemacht haben.

Das Therapiebecken in der Egenberger-Schule muss repariert werden (Symbolbild).
von Thomas Amann Kontakt Profil

Sie schrieben sogar an Regierungspräsident Axel Bartelt persönlich und hängten damit ihre Beschwerde über die Situation an der Rupert-Egenberger-Schule ziemlich hoch auf. Katrin Panek, die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach, hätte gerne auf solche Aktionen verzichtet. Ihr wäre es lieber gewesen, die Eltern wären erst mal zu ihr gekommen, um Hintergrund und Sachstand zur Schließung des Therapiebads aus erster Hand zu erfahren.

Freiwillige Leistung

Aber der Reihe nach: Es geht darum, dass sich die Egenberger-Schule am Fallweg Ende Mai gezwungen sah, ihr nicht nur dem Unterricht dienendes hauseigenes Schwimmbecken außer Betrieb zu nehmen. Grund: Der bewegliche Hubboden ist lädiert; seine Lamellen und Schrauben lockern sich und stellen somit eine mögliche Verletzungsgefahr dar. Ein Risiko, das die Schule weder ihren Schülern noch den Nutzern externer Kurse zumuten wollte. Zu letzteren Veranstaltern zählen die Schwimmschule Seesternchen und das Angebot Plantsch-Zeit. Beide konnten seit Anfang 2016 mit ihren Kunden das Therapiebad zu bestimmten Zeiten belegen. "Ein Entgegenkommen und eine freiwillige Leistung von uns", betont Katrin Panek und wundert sich deshalb, dass nun vor allem aus den Reihen jener Eltern Kritik kommt.

Die Kritik richtet sich jedoch nicht gegen die Lebenshilfe, sondern eher gegen die Regierung, weil sie ihre Finanzhilfe beim schadhaften Hubboden von Bedingungen abhängig macht. Auch dafür hat Panek Verständnis und betont, dass sie mit Regensburg in gutem Einvernehmen sei und ohnehin glaube, "auf die Zielgerade einzubiegen". Um eine Antwort auf die Fragen des Bezirks zu erhalten, seien der damalige Architekt beim Bau des Bades und die Herstellerfirma eingeschaltet worden.

Gemeinsam soll das Problem vor Ort begutachtet werden, wenngleich Gewährleistungsansprüche nach über sieben Jahren ausscheiden, räumte die Lebenshilfe-Chefin ein. Sie hofft dennoch auf eine Lösung, möglicherweise auf einen Kompromiss mit Teilung der Kosten, weil der Schulträger alleine den fast 60 000 Euro teuren Austausch des Hubbodens nicht stemmen könne. Doch selbst wenn es rasch zu einer Einigung kommt, müsse die Maßnahme wohl neu vergeben und eine ausführende Firma gefunden werden, die vermutlich kaum mit Vorratsmaterial, sondern nur nach Maß arbeiten kann.

Lösung dauert

All das wird dauern, so dass mit einer Wiedereröffnung des Therapiebads erst irgendwann im nächsten Jahr gerechnet werden dürfe. So lange sind hier weder externe Kurse noch Unterricht möglich. "Es müssen halt gewisse Dinge abgeklärt werden, aber alle Partner bemühen sich um eine Lösung", wirbt Panek um Verständnis bei den Müttern und Vätern von außerhalb.

Jene sind besonders alarmiert beim Thema längere Wartezeiten, weil sie nach eigener Auskunft die Erfahrung gemacht haben, dass viele Schwimmkurse auch bei anderen Anbietern ausgebucht seien. Für die Eltern hieße das dann oft warten aufs nächste Jahr oder aber andere Städte ansteuern. "Das kann's doch nicht sein für einen Schwimmkurs oder die Wassergewöhnung unserer Kinder", findet eine betroffene Mutter. Bei dieser Lage muss man sich ihrer Ansicht nach nicht wundern, dass immer weniger Buben und Mädchen schwimmen lernen. Ein Zustand, der allgemein beklagt werde, aber unter solchen Vorzeichen den Eltern nicht zum Vorwurf zu machen sei.

Hintergrund:

Regierung bedauert und fordert Antwort

Fakt ist beim Therapiebad der Rupert-Egenberger-Schule, dass die Regierung den Grund des Schadens am Hubboden und den möglichen Verursacher herausfinden will. Für sie ist nämlich entscheidend, ob das Ganze während bzw. durch den Unterrichtsbetrieb passiert ist oder durch die externe Nutzung mit den Kursen. Davon hängt die Förderfähigkeit der Reparatur oder der sinnvoll erscheinenden Erneuerung des Hubbodens ab.

Regierungssprecher Markus Roth erläuterte dazu auf Anfrage von Oberpfalz-Medien: "Sachaufwandsträger der Schule ist - wie im Falle aller Privatschulen - der Träger, in diesem Fall die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach und nicht der Freistaat Bayern. Für die Beauftragung der Reparaturleistung und die Übernahme der Kosten ist deshalb der Privatschulträger selbst verantwortlich. Er kann die Refinanzierung der entstandenen und notwendigen Ausgaben im Rahmen des Schulaufwands bei der Regierung beantragen. Das ist auch geschehen. Normalerweise können die Kosten zu 100 Prozent erstattet werden, wenn die Hubbodenanlage im Schulunterricht beschädigt worden ist oder wenn es wegen des normalen Verschleißes notwendig ist."

Fragen, ob dem so ist oder ob nicht doch die externe Nutzung eine Rolle spielt, sind laut Roth noch nicht eindeutig geklärt. Die Regierung werde die AZ-Anfrage jedoch "zum Anlass nehmen, um nochmals beim Träger nachzufragen, damit dieser Fall im Interesse der Kinder möglichst bald gelöst werden kann". Denn auch Regensburg bedauere es "sehr, dass das Therapiebad des Förderzentrums derzeit nicht benutzbar ist: Die Enttäuschung der von der Schließung betroffenen Eltern und Kinder können wir gut nachvollziehen. Es ist auch in unserem Interesse, dass das Therapiebad möglichst schnell wieder von den Kindern genutzt werden kann." (ath)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp