23.09.2018 - 16:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Kinderwagen für zwei Katzen

Der erste Kunde kommt pünktlich um 9 Uhr. Er will sicherstellen, dass ihm beim Verkaufsstart kein anderer den Zinnkrug wegschnappt, den er auf dem Foto in der AZ gesehen hat. Er zahlt und tut damit Tieren etwas Gutes.

Silvia Hauer staunt über diesen knallroten „Retro“-Puppen-Kinderwagen und lässt ihn keine Sekunde länger stehen vorm Haus von Heike Mincolellis Vater in der Adalbert-Stifter-Straße. Zumal die Ursensollenerin mit dem Kauf Gutes fürs Tierheim tut, aus dem sie selbst erst zwei Katzen geholt hat. Die kann sie jetzt anstelle von Puppen in den Kinderwagen setzen, der der Tochter des Hauses (Bildmitte) einst selbst gehörte, wie diese entzückt erzählt.
von Thomas Amann Kontakt Profil

(ath) Wir stehen im Haus von Heike Mincolellis Vater, der kürzlich verstorben ist. Die Tochter muss den Haushalt auflösen und hatte dazu eine vorbildliche Idee: Sie verkauft sämtliche Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände und stiftet den Erlös dem Amberger Tierheim. Die AZ und Onetz kündigten diesen "Flohmarkt" in der Adalbert-Stifter-Straße 7a vergangene Woche an, um den Umsatz für den guten Zweck anzukurbeln. Und tatsächlich hatte ein Leser auf dem mit veröffentlichten Foto, das eigentlich eher ein Klavier in den Blickpunkt rückte, besagten Zinnkrug entdeckt, den er unbedingt haben wollte.

So zielstrebig wie dieser Mann kam, lief der Verkauf am Samstag dann nicht den ganzen Tag weiter. Heike Mincolelli will deshalb mit ihrer Aktion diese Woche weitermachen. Jeden Abend bis Freitag zwischen 18 und 19 Uhr ist sie im Haus in der Adalbert-Stifter-Straße anzutreffen - außerdem voraussichtlich auch noch einmal am Samstag ganztägig, nachdem am vergangenen Wochenende eher die kleinen und nicht ganz alltäglichen Sachen weggegangen sind.

Zum Beispiel ein tragbares Nähschränkchen aus den 1970er-Jahren und der knallig rote Puppen-Kinderwagen, den Heike Mincolelli als kleines Mädchen hier selbst durchs Elternhaus schob. "Meine Puppenkleider", ruft sie selbst überrascht aus, als Silvia Hauer die Abdeckung anhebt und darunter fein säuberlich gefaltet die Minikleidchen sieht. Die Kundin aus Ursensollen lässt den Stapel gerne da, nimmt nur den Kinderwagen, der "absolut retro" und gerade deshalb in diesem Stil heute wieder angesagt ist. Insgesamt 55 Euro zahlt Silvia Hauer für ihren Einkauf und macht die tierliebe Hausbesitzern damit glücklich. "Super, passt, da bin ich dabei", sagt Mincolelli zu dem fairen Preisvorschlag und nimmt vor der Haustür das Geld strahlend entgegen.

Noch mehr gefreut hätte sie sich sicher, wenn sie die kleine Geschichte gehört hätte, die die Ursensollenerin beim Hinausgehen erzählt: Silvia Hauer ist selbst sehr tierlieb - ein echter Katzenfreund. Erst vor rund drei Wochen hat sie zwei Samtpföter aus dem Tierheim geholt, um ihnen ein neues Zuhause zu geben. Keine Jungtiere, sondern durchaus schon etwas ältere, die einen schönen Lebensabend bei ihr in Ursensollen bekommen sollen. Sicher gefällt es den zwei Stubentigern dort besser als im Tierheim, das gerade an Katzen immer wieder großen Überfluss hat.

Apropos Zuhause: Wer noch etwas - zum Teil ebenso "retro" und aus den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren - sucht, wird auch mit Möbeln aus Wohn- und Schlafzimmer noch fündig. Das Meiste ist gut erhalten und für wenig Geld zu haben: Einen "Hunni" stellt sich Heike Mincolelli zum Beispiel für eine komplette Couchgarnitur vor oder maximal 50 Euro für eine gepflegte Anrichte. Wobei eben all dieses Geld ans Tierheim fließt. Die Ambergerin wäre glücklich, wenn sie insgesamt um die 1000 Euro zusammenbekäme und spenden könnte.

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