23.02.2020 - 14:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Das klingt Finanzminister Füracker in den Ohren

Die Liste der Forderungen und Anregungen der örtlichen Handwerker an den bayerischen Finanz- und Heimatminister Albert Füracker war lang. Und sie machte deutlich, dass die Bürokratie das mittelständische Handwerk zunichte mache.

Keinen leichten Stand hatte der bayerische Finanzminister Albert Füracker bei der Kreishandwerkerschaft, sparten die Innungsobermeister und ihre Mitarbeiter nicht Mit Kritik an zahlreicher überzogener Bürokratie, mit der mittelständischen Handwerksbetrieben das Leben nicht leicht gemacht wird. Unser Bild zeigt (von links) Oberbürgermeister Michael Cerny, Moderator Matthias Schöberl, Kreishandwerksmeister Hans Weber, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, Manfred Rauscher, Innungsobermeister der Metallhandwerker und Vorsitzender der Eisberg-CSU und die CSU-Kreisvorsitzende Michaela Frauendorfer.
von Autor GFRProfil

"Wir brauchen dringend Steuersenkungen, um konkurrenzfähig zu bleiben", so Kreishandwerksmeister Hans Weber eingangs Dafür und für das Handwerk insgesamt habe er stets offene Ohren, so Albert Füracker im Haus des Handwerks in Amberg.

Innenausstatter Georg Paulus, der kräftig in sein neues Betriebsgebäude in der Kastnerstraße investiert hat, kann nicht nachvollziehen, warum nur produzierendes Gewerbe gefördert werde, nicht dagegen neue Firmengebäude. "Warum muss der Handwerker überregional tätig sein, wenn er Fördergelder beansprucht?", lautete seine Frage.

Das seien eben die Regularien der Wirtschaftsförderung meinte Füracker. "Warum muss der Amberger Handwerker in Regensburg anbieten, der Regensburger in Amberg, um gefördert, das sei Unsinn?", fügte Paulus hinzu.

Daniel Hirsch, der Obermeister der Metzger-Innung kritisierte, dass kleinen Metzgerbetrieben die Schlachtviehuntersuchung 20 Euro pro Tier koste, in Schlachthöfen koste das zwischen 30 Cent und drei Euro. Hirsch bemängelte auch, dass kleine Bäckereien nicht von der EEG-Umlage befreit werden, bei Großbetrieben sei das gängige Praxis. Der Finanzminister entgegnete, dass Großbetriebe immer mit der Verlagerung ins Ausland drohten. Er schränkte aber auch ein, dass wir Deutschen im internationalen Vergleich die höchsten Stromkosten hätten.

Kritik an allem

Füracker bedauerte, dass nahezu jede alternative Stromproduktion von irgendwelchen Gegnern kritisiert werde, "denn PV-Anlagen spiegeln, die Wasserkraft schreddere Fische, Biogas vermaise die Felder und Windkraft verschandle die Landschaft". Aber: "Wir haben vor zehn Jahren unsere AKW abgeschaltet, um heute Atomstrom aus dem Ausland zu beziehen. Sollten wir nicht die Eigenstromproduktion fördern?", meinte Matthias Schöberl. Sinnvoll wären hocheffiziente Gasturbinen, so Füracker, die liefern neben Strom auch jede Menge Wärme.

Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass viel Geld für neue Kassensysteme notwendig waren und dass damit jede Menge Papiermüll produziert wird, so Rita Weber aus Ammerthal. Mit der Bon-Pflicht solle Steuerhinterziehung verhindert werden, erwiderte Albert Füracker, der auch dafür ist, mehr Steuerprüfer einzusetzen und sich für den Wegfall der Bon-Pflicht stark machen will. Waage, Kasse und PC seien vernetzt, die Einnahmen gespeichert, da brauche es keinen Bon mehr, so Rita Weber.

"Gar um die 80 000 Euro haben wir in unsere neuen Kassen investiert", so Metzgermeister Hans Lotter. Das könne er sich nicht regelmäßig leisten, wenn neue Systeme auf den Markt kommen. Für Mini-Jobber und Aushilfskräfte verlange man von Handwerksbetrieben tägliche Arbeitszeiterfassung, so Kreishandwerkmeister Hans Weber, wöchentliche oder monatliche Aufzeichnung sei ausreichend.

Wir brauchen ein ordentliches Mobilfunknetz, so Manfred Rauscher, Innungsobermeister der Metallhandwerker, denn als Unternehmer muss ein Kontakt zu Architekten und Bauherrn jederzeit möglich sein, jede Verzögerung koste nur sinnlos Geld. Füracker hielt entgegen, dass Mobilfunkunternehmen nur dort investierten, wo es sich für sie rechne. Mehr Mobilfunkmasten könnten jetzt mit einem Förderprogramm für Kommunen gebaut werden, die Masten aufstellten. Dies werde mit 80 Prozent gefördert, die restlichen 20 Prozent kämen leicht durch die Vermietung der Masten wieder rein.

Image aufbessern

Abfallentsorgung im Baugewerbe sei immer schwieriger, denn die Entsorgung von Styropor oder Glaswolle koste fast mehr als das neue Produkt. Die Entsorgungs- und Recycling-Branche lasse sich das gut bezahlen. Manfred Rauscher bemängelte, dass in Schulen kaum noch Werbung für handwerkliche Berufe gemacht werde. Dem pflichtete Füracker bei, fügte aber auch hinzu, dass das Handwerk unbedingt sein Image aufbessern müsse.

Aus der Handwerkerschaft kam der Hinweis: "Wir haben zu wenig qualifizierte Mitarbeiter, an Aufträgen mangelt es nicht. Wir wissen kaum, wessen Auftrag wir zuerst erledigen sollen."

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