30.04.2019 - 16:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Knochenjob in Amberger Luitpoldhütte: Rente nach 45 Jahren?

Es gibt Jobs, in denen kann das Alter zum Problem werden. In der Schwerindustrie der Luitpoldhütte zum Beispiel. Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack hat Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch (SPD) zu einer Besichtigung eingeladen.

Uli Grötsch, Generalsekretär der Bayern-SPD, zusammen mit Christian Zwack, Betriebsratsvorsitzender der Luitpoldhütte, vor dem großen Schmelzofen.

Einen Job in der Schwerindustrie zu haben, das bedeutet schwere körperliche Arbeit. Christian Zwack, Betriebsratsvorsitzender in der Luitpoldhütte, ist davon überzeugt: Wer 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, der soll in den Ruhestand gehen können - unabhängig vom Alter. Das ist aber Aufgabe der Politik. "Bei uns gibt es Arbeitsplätze, da hast du ab einem gewissen Alter keine Chance mehr", sagt der Arbeitnehmervertreter. Damit auch ein Berufspolitiker und eine Lokalpolitikerin einen Einblick bekommen, wovon Zwack spricht, hat er den Weidener Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch (SPD) und die Stadtrats-Fraktionsvorsitzende der Amberger SPD, Brigit Fruth, eingeladen, sich die Fertigungshallen der Luitpoldhütte anzuschauen.

Selbst ein Bild machen

Christian Zwack:"Hier arbeiten Leute, die teilweise mit 15 Jahren ihre Ausbildung begonnen haben. Ich kann es schlicht nicht gutheißen, wenn einer davon selbst mit 65 Jahren noch am Ofen steht." Er betonte: "Die meisten aus unserer Truppe arbeiten wirklich gerne hier. Wir sind stolz auf unsere Truppe."

Dennoch wolle er den Politikern etwas vor Augen führen: "Ich möchte ihnen zeigen, dass es auch nicht so schöne Arbeitsplätze gibt, bei denen den Menschen körperlich viel abverlangt wird. Die Politiker sollen sich selbst ein Bild davon machen, ob es dort möglich ist, bis ins hohe Alter zu arbeiten." Rund eine Stunde führte Zwack die Besucher durch den Betrieb, unter anderem vorbei am großen Schmelzofen und den Weiterverarbeitungsstationen, an denen Beschäftigte mit Atemmasken und schwerem Werkzeug Motorblöcke in Form bringen.

Luitpoldhütten Geschäftsführer Frank Schild erklärte Grötsch, dass der Schwerindustriebetrieb wachse. Allerdings sei das mit zwei großen Herausforderungen verbunden. Einerseits seien die Energiekosten ein Problem. "Es kann eigentlich nicht sein, dass wir den Strom nicht durchgehend günstig bekommen." Im Hinblick auf die Zukunft des Standortes sei das entscheidend: "Im Moment schmelzen wir zehn Prozent elektrisch. Der Anteil wird künftig weiter steigen. Ich finde, das beißt sich unglaublich."

Aufgrund schwankender Strompreise habe Deutschland für die Schwerindustrie einen Standortnachteil. Andererseits werde es schwieriger, Fachpersonal zu finden. Schild: "Wir müssen deswegen mehr auf Leiharbeiter ausweichen." Weil das Unternehmen zum einen wachse, zum anderen aber die Fachkräfte ausblieben, müsse die Belegschaft die Produktivität steigern. Schild fügte hinzu, dass auch eine teilweise Automatisierung im Betrieb eine Alternative darstellen könnte.

Traditionelle Arbeitsplätze

Dennoch sind laut Schild die Zukunftsprognosen für die Luitpoldhütte gut: "Wir brauchen die Schwerindustrie, um traditionelle Jobs zu erhalten. Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die Politik klare Rahmenbedingungen schafft."

Grötsch erklärte nach der Besichtigung: "Ich bin ganz ehrfürchtig, nachdem wir durch diese Hallen gegangen sind. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, an der Rentenpolitik zu arbeiten. Besonders in solchen belastenden Branchen können die Leute nicht bis 65 oder 67 Jahren arbeiten."

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