22.04.2019 - 11:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Küchenmesser zugestochen

Wie kommt eine 41-jährige Frau dazu, in ihrer Wohnung auf zwei junge Burschen mit einem Küchenmesser einzustechen? Den Zwischenfall vom 30. Dezember 2014 erörtert erst jetzt das Schöffengericht.

Prozess
von Autor HWOProfil

Es dauerte einige Zeit, bis die Hintergründe offengelegt waren. Danach wusste man: 2014 zog in Sulzbach-Rosenberg ein damals 17-jähriger zu einer 41-Jährigen. Sie gab ihm vorübergehend Obdach, weil sich die Mutter des jungen Mannes im Ausland befand. Es verdeutlichte sich ferner, dass die Frau zu dieser Zeit regelmäßig größere Mengen Alkohol in sich hinein schüttete. In der Tatnacht hatte sie zwei Promille intus.

Der 17-Jährige lud am 29. Dezember 2014 Freunde zu sich ein. Doch um sie kümmerte er sich offenbar wenig. Er spielte lieber am Computer. Das ärgerte seine Gastgeberin. Es kam zum Streit. Die Frau warf erst persönliche Gegenstände des jungen Mannes aus dem Fenster; dann gerieten beide körperlich aneinander.

Was anschließend passierte, beschäftigte später umfangreich die Kriminalpolizei. In der Küche holte die 41-Jährige ein Messer aus der Schublade und stach wiederholt auf ihren Kontrahenten ein. Das Opfer trug eine Verletzung am Kopf und eine blutende Wunde an der Hand davon. Im Verlauf der offenbar massiven Auseinandersetzung ging die Täterin zu Boden. Der Griff des Messers war abgebrochen.

Als dies geschah, mischte sich ein damals 15-Jähriger ein, der in der Wohnung zu Gast war und seinem zwei Jahre älteren Freund helfen wollte. Die Frau, vor Gericht nun ohne konkrete Erinnerung an diesen am 30. Dezember 2014 kurz nach Mitternacht geschehenen Zwischenfall, packte die Messerklinge und stach sie ihm in den Rippenbereich. "Sehr gefährlich", befand jetzt der Amberger Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand. Das Opfer hatte Glück: Es entstand nur eine Wunde von zwei Zentimetern Länge, die in der Klinik genäht wurde.

Während die Polizei ermittelte, ging die 41-Jährige ins Ausland und war nicht mehr greifbar. Sie wurde wegen eines versuchten Tötungsdelikts europaweit zur Fahndung ausgeschrieben und im August 2018 in Köln festgenommen, als sie sich wieder in der Bundesrepublik aufhielt. So kam es, dass erst jetzt verhandelt wurde. Allerdings nicht wegen Totschlagsversuchs, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung.

Am Ende der langen Beweisaufnahme stand fest: Der Alkohol hatte die Sinne vernebelt. Die Mutter mehrerer Kinder bekam eineinhalb Jahre Haft mit Bewährung. Sie muss außerdem an beide Opfer jeweils 600 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Staatsanwältin Raphaela Etzold hatte in ihrem Plädoyer 21 Monate Haft mit Bewährung gefordert. Verteidiger Michael Trummer verlangte wegen fahrlässig begangener Körperverletzung sieben Monate.

Seltsam mutete an: Während sich die Frau im Ausland aufhielt, hatte ihr die Regensburger Justiz einen dann auch zugestellten Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung geschickt. Parallel dazu stand sie als gesuchte Person im Fahndungsregister.

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