Blicken wir kurz zurück. Die Hochwasserereignisse im Landkreis Amberg-Sulzbach Ende Mai/Anfang Juni 2024 haben gezeigt, wie mühsam und zeitraubend das händische Befüllen von Sandsäcken ist. Aus diesem Grund hat der Landkreis nun eine Sandsack-Abfüllanlage beschafft, um schneller und kraftsparender arbeiten zu können. Diese Maßnahme wurde vom Freistaat Bayern mit 8260 Euro gefördert.
Damit die Maschine auch effektiv genutzt werden kann, organisierte Michael Werner, Fachkreisbrandmeister Katastrophenschutz im Landkreis, zusammen mit Matthias Viehauser von der Abteilung Katastrophenschutz und der Führungsgruppe Katastrophenschutz eine gemeinsame Übung zum Sandsack-Management. „Aktuell ist man dabei, dazu ein Einsatzkonzept mit den beteiligten Einheiten zu erarbeiten. Dieses umfasst auch die Sandsacklogistik und die damit verbundene Alarmierung vordefinierter Feuerwehren, die über Logistik-Fahrzeuge verfügen.“
AKW-Kick idealer Ort
Als idealer Ort für die Übung erwies sich der Verladeplatz der Firma AKW-Kick im Werk Schnaittenbach, wo Produktionsleiter Karl Siegert den benötigten Sand sowie Radlader kostenlos zur Verfügung stellte. Es rückten an die vier Wehren der Stadt Schnaittenbach (Schnaittenbach, Neuersdorf, Holzhammer und Kemnath am Buchberg) und das Technische Hilfswerk (THW) in Gestalt des Ortsverbandes Sulzbach-Rosenberg, beobachtet von den Amberger Kollegen und einer Abordnung der Abteilung Katastrophenschutz der Stadt Amberg.
Als Transport- und Logistikkräfte wirkten die Feuerwehren Rosenberg, Hirschau, Rieden und Auerbach. Rund 60 Aktive übten an diesem Tag gemeinsam für den Katastrophenschutz. Die Übung dient vor allem dazu, den Umgang mit der neuen Absackanlage zu erlernen. Aber auch das korrekte Schlichten der Sandsäcke auf Paletten musste gelernt sein – hier konnte man auf die Erfahrung des THW zurückgreifen. Der Landkreis hatte die für die Übung erforderlichen 2000 Sandsäcke beschafft.
Mensch misst sich mit Maschine
Und dann ging es los: Eine Alu-Leiter, waagerecht gelagert, nahm einige abgeschnittenen Pylonen auf – umgedreht fungierten sie als Einfülltrichter für den geschaufelten Sand. Zunächst ging es darum, im Team das Befüllen, Binden und Stapeln zu organisieren. Das klappte schon von Anfang an perfekt, und auch die optimale Füllmenge von etwa zwei Dritteln wurde stets eingehalten. Auf Holzpaletten türmten sich schon bald die schwarzen, aus Anti-Rutsch-Gründen strukturierten Kunststoffsäcke und erhielten eine Stabilisierung durch Umwicklung mit Kunststofffolie.
Dann ging es gemeinsam an die große, orange Absackmaschine, die künftig beim THW in Sulzbach-Rosenberg gelagert wird. Diese besteht im Wesentlichen aus einem runden Stahltank mit einem großen Einfüllschacht. Im Inneren befindet sich ein Rührwerk, das den Sand gleichmäßig im Behälter verteilt. Sieben Turbo-Abfüllstutzen rund um den Tank ermöglichen eine Produktionskapazität von rund 4600 Säcken pro Stunde. Per Dreipunkt-Anbau und Zapfwelle kann der „Power-Sandking“ nicht nur stationär mit Elektromotor betrieben, sondern auch an Schlepper oder Unimog angebaut werden, er ist auch für Splitt und Steine geeignet.
In kurzer Zeit 2000 Säcke gefüllt
Mit Feuereifer versuchten sich dann alle Katastrophenhelfer an dem System und schafften es schnell, die rund 2000 Sandsäcke gemeinsam zu füllen und zu verladen. Eine „Challenge“ zwischen händischer Arbeit und maschineller Hilfe spornte sie zusätzlich an, bevor es zur verdienten Brotzeit ging. Die befüllten Sandsäcke werden nun in verschiedenen Depots im Landkreis gelagert. Sie kommen, logischerweise, nur bei Hochwasserereignissen zum Einsatz. Eine Ausgabe an Privatpersonen erfolgt nicht – hier gilt Eigenvorsorge.
Fazit der Übung: Die Aktiven haben das neue System im Griff und können im Hochwasserfall schnell auf die Maschine zugreifen. Damit die Sandsäcke solche Hochwasserlagen wie 2024 verhindern oder zumindest abmildern können. Denn im Normalfall geht doch nichts über Hausmittel – und seien es die altbewährten Sandsäcke.
Tipps zum Thema Hochwasserschutz
- Sandsäcke sind ein kostengünstiges Mittel, um sich vor Überschwemmungen zu schützen
- Sandsäcke gibt es für wenige Euro im Baumarkt oder im Internet
- Am besten geeignet sind Gewebe-/Jutesäcke, weil die sich gut stapeln lassen und sich gut anlegen
- Weniger geeignet sind Plastiksäcke, weil die oft abrutschen
- Mit feinem Sand (Quarzsand) füllen sowie griffbereit und trocken lagern (nicht im Keller, besser in der Garage)
- Damit lassen sich Türen, Fenster, Lichtschächte, Garagen abdichten
- Quelle: Kreisbrandrat Christof Strobl
















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