11.01.2019 - 15:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Lange Haft für Drogenkuriere

Wenn international operierende Drogendealer auf Widerspruch stoßen, antworten sie skrupellos. Selten zuvor ist das so deutlich geworden wie bei diesem Prozess. Die Handlanger wandern etliche Jahre hinter Gitter.

Die Handlanger von international agierenden Drogendealern wandern hinter Gitter. Die anonym gebliebenen Bandenchefs suchen sich neue Kuriere.
von Autor HWOProfil

Kein Problem für die anonym gebliebenen Bandenchefs. Sie suchen sich neue Kuriere.Welche Leute waren das, die am 12. März 2018 einen Transport mit 40 Pfund Marihuana und 102 000 Ecstasy-Tabletten auf die Fahrt von Rotterdam nach Prag schickten? Eisernes Schweigen bei den drei Angeklagten. Einer von ihnen war nur aus Neugier und Reiselust mit dabei, als die Tour begann und um 11.40 Uhr an der A6 im Kreis Amberg-Sulzbach gestoppt wurde. Mustafa M. (31), ein in Rotterdam lebender Türke, muss dafür als jemand, der Beihilfe leistete, zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter.

Bei den anderen beiden handelte es sich um erfahrene Kuriere. Da war Osman B. (34), ein Türke mit Wohnsitz in Rotterdam. Seine Daten: Abiturient, verheiratet und drei kleine Kinder, Inhaber einer Eigentumswohnung in Rotterdam und dort Besitzer eines gut gehenden Handyladens. Seit Jahren von Kokain abhängig und deshalb bei seinen Lieferanten mit nahezu 150 000 Euro in der Kreide. Als er sich einmal weigerte, zur Abzahlung Kurierdienste zu verrichten, wurde ihm ins Bein geschossen. Außerdem gab es Drohungen in Richtung seiner Familie. Die das machten, stammten mutmaßlich aus Holland und Asien.

Am 12. März letzten Jahres ging Osman B. deshalb unter Druck mit auf Tour. Jetzt muss er nach dem Urteil der Strafkammer sechs Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Allerdings wurde ihm eine zweijährige Entzugstherapie gestattet, nachdem ein Sachverständiger dazu geraten hatte.

Ufuk G. ist 51 Jahre alt. Selbstständiger Transportunternehmer aus dem türkischen Izmir. Auch er hatte Schulden in Höhe von 150 000 Euro wegen eines Lkw-Kaufs und ließ sich überreden, die Drogenfracht von Holland aus nach Prag zu bringen. "Bis zu einer Tankstelle", wie die Richter hörten. Ein Rückflugticket von Prag nach Izmir hatte er ebenso in der Tache wie die Entlohnung von 15 000 Euro und die Zusicherung auf ein gutes Hotel und Damenunterhaltung in Prag. Dem avisierten Vergnügen ging das Klicken von Handschellen nahe der tschechischen Grenze voraus.

Schon einmal wegen des Transports von 20 Kilo Heroin neun Jahre in Bulgarien eingesperrt, muss Ufuk G. nun wegen unerlaubter Einfuhr von Drogen sieben Jahre in Bayern absitzen. Er steuerte den geleasten Mercedes, den zwei Autobahnpolizisten am Rastplatz Hochstraße neben der A6 filzten.

Schon am ersten Prozesstag hatte es ein Rechtsgespräch gegeben. Danach sicherte die Kammer den Hauptbeschuldigten Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren zu. Von daher klafften die Strafanträge von Staatsanwältin Christina Denk und den Verteidigern Helmut Mörtl (Regensburg), Jörg Jendricke, Michael Schüll (beide Amberg) und Ilja Hecht (Nürnberg) nicht weit auseinander. Sie orientierten sich weitgehend an den verhängten Urteilen.

100000 Ecstasy-Tabletten fanden die Beamten - und noch mehr.
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