11.12.2018 - 14:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Was lange währt, wird endlich Buch

Wer braucht zur Weihnachtszeit schon Sand und sengende Sonne? Ganz klar diejenigen, die sich in ein außergewöhnliches Buch und wilden Wüstensand vertiefen wollen. Und der Clou: Geschrieben hat es ein Amberger.

Der Roman "Licht" des Ambergers Tobias Sichelstiel beschreibt eine (Fantasie-)Reise in die Wüste, die einen Beduinen, einen Krieger, einen Jungen und einen Wolf zusammenbringt. Vier höchst unterschiedliche Charaktere werden auf schicksalhafte Weise miteinander verwoben.
von Tatiana SichelstielProfil

Eigentlich fing alles mit einem Spiel an. Tobias Sichelstiel saß mit drei Freunden am Tisch und entwarf mit Papier, Schreibstift und Fantasie kleine Rollenspielabenteuer, die dann alle gemeinsam nachstellten (sogenannte Pen & Paper-Spiele). Eine dieser Szenerien schien auf einmal etwas ganz Besonderes zu sein. Sichelstiels Gedanken überschlugen sich förmlich und ihm war schnell klar, dass es nicht bei einer simplen Idee bleiben konnte. Das war vor 16 Jahren. Und heute hält der 35-Jährige stolz sein eigenes gedrucktes Werk in den Händen.

Mehr dazu erzählt Tobias Sichelstiel im Interview.

ONETZ: Was treibt einen Techniker aus dem Bereich Maschinenbau an, ein Buch zu schreiben?

Tobias Sichelstiel: (lacht) Mit meiner Arbeit hat das nur insofern etwas zu tun, dass ich dort während meiner Ausbildung gute Freunde gefunden habe, mit denen ich öfters Pen&Paper-Spiele gespielt habe. Für dieses Spiel habe ich mehrmals eigene Abenteuer entworfen. Bei einem dieser Abenteuer bin ich beim Schreiben "auf Öl" gestoßen. Über Jahre hinweg hab ich mir Notizen gemacht und die Geschichte geplant.

ONETZ: Und wann ging das Schreiben los?

Als ich 2007 begonnen habe, eine mehrjährige Abendschule (Weiterbildung zum Maschinenbautechniker) zu besuchen, kam der Startschuss. Ich kann mich noch gut an diesen Tag erinnern. Ein paar Stunden vor der Schule wurde mir bewusst, wenn ich jetzt nicht endlich beginne, die Geschichte aufzuschreiben, dann mache ich es nie. In der folgenden Stunde sind meine ersten Absätze entstanden. Der erste Satz ist seit jeher auch immer beinahe identisch geblieben. Ein Satz, der die Augen eines Mannes beschreibt, der in die gähnende Leere einer Wüste blickt.

ONETZ: Wann wurde Ihnen klar, dass aus der Geschichte ein Buch werden soll?

Als ich 2007 begonnen habe, die Geschichte in Reinschrift zu schreiben, war das in erster Linie für mich selber. Ich habe also nicht daran gedacht, sie jemals zu veröffentlichen. Ich will das, was und wie ich schreibe, nicht rechtfertigen. Aber in den vergangenen Jahren ist die Geschichte reif geworden, sich zu offenbaren. Auch hat der Freundeskreis vermehrt nachgefragt, was ich denn schreibe, wenn ich da oben im stillen Kämmerlein sitze.

ONETZ: Gibt es Szenen im Buch, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Es gibt ein Kapitel, das mich länger beschäftigt hat und mit dem ich bis zum Schluss gehadert habe, das vierte, mit dem Titel "Rohes Fleisch". Auch die Lektoren sind über diesen Teil gestolpert. Ich habe dort das Leben eines jungen Sklaven beschrieben, der seinem Herrn ganz besondere Dienste erfüllen musste. Nach reiflicher Überlegung hat diese sehr farbige Schilderung aber genau so, wie sie ist, ihren Platz im Buch. Toll wäre es, wenn die Leser das ähnlich sehen.

ONETZ: Wie würden Sie Ihren Schreibstil beschreiben?

Thematisch und vom Schreibstil her haben mich zwei Meister ihres Fachs inspiriert, J.R.R. Tolkien und Hermann Hesse. Letzterer hat mir schier die Augen geöffnet, als ich mit etwa 17 seinen Siddhartha gelesen habe. Mein absolutes Lieblingsbuch.

ONETZ: Das Buch spielt in einem nicht näher bezeichneten Wüstenstaat. Warum ausgerechnet dort?

Das letzte Pen&Paper-Abenteuer, was wir damals gespielt hatten, endete in der Wüste. Ich wollte mir dann einen kleinen Vorspann ausdenken, wie es zu diesem Ort kam. Diese nun doch nicht so kleine Vorgeschichte wurde zum Buch. Aber wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, gibt es wohl einen weiteren Grund. Eine Wüste, mit nichts weiter gefüllt als öder Leere, hat das Potenzial, alles zu werden. Das hat mir wahrscheinlich die Sache leichter gemacht.

ONETZ: Trotz aller sandigen, fremden Ödnis steckt eine ganze Menge Amberg und Umgebung in Ihrem Buch. Der herausgebende Verlag Yellow King Productions ist aus Illschwang, den Druck hat die Ensdorfer Firma Don Bosco übernommen. Sogar an der Umschlaggestaltung hat ein Amberger mitgewirkt, der Künstler Johann Sturcz. Bei so viel Regionalität könnte es doch bestimmt auch ein Buch mit Amberg in der Hauptrolle geben.

Ja, das ist tatsächlich so. Seit einigen Jahren sammle ich Ideen für eine Geschichte, die in unserer Zeit im Amberger Umland spielt. Das Genre dieser Geschichte würde ich als Jugendbuch klassifizieren.

ONETZ: Was ist noch in Planung?

Die Fortsetzung der Geschichte, die jetzt mit ihrem ersten Band veröffentlicht wird. Der zweite Band "Schlagseite" ist dann der Beginn der Geschichte, wie sie ursprünglich geplant war. Diese ist etwa in einem halben Jahr so weit, dass sie an die ersten Leser im Freundeskreis rausgeht. Geplant sind insgesamt fünf bis sieben Bände, also so etwas wie ein Lebenswerk. Dann hätte ich noch viele weitere Ideen, vom oben genannten Jugendbuch bis hin zum Theaterstück, bei denen ich jedoch vermutlich nie über das Stadium der Ideensammlung hinauskommen werde.

Tobias Sichelstiel.

Das Buch in Kürze:

Der Auftaktroman „Licht“ stellt den ersten Band einer von Tobias Sichelstiel geplanten größeren Romanreihe dar. Der 576 Seiten starke Fantasy-Roman weist vom Schreibstil her auch Einflüsse der Lyrik aus der Zeit der Romantik auf. Das Werk ist im Buchhandel für 19,99 Euro erhältlich. Die Buchhandlungen Carl Mayr in Amberg und Volkert in Sulzbach haben es vorrätig. Auch eine E-Book-Ausgabe wird es geben, die online über den Verlag unter https://www.yellow-king-productions.de bestellt werden kann.

Zum Inhalt: Ein Beduine ist inmitten von gleißender Sonne und heißem Wüstensand mit seiner kleinen Karawane auf einsamer Mission. Ein geheimnisvoller Fremder kreuzt seinen Weg. Doch was tut er hier mitten in der Wüste? Was hat er vor? Und wohin sollen sie gehen? Schließlich verfolgt jeder sein eigenes Ziel. Doch keiner weiß einen Weg dorthin. So beginnt jeder Protagonist die Suche zuerst in sich selbst. Aber was sie finden, wäre besser unentdeckt geblieben ... (tat)

Zur Person:

Aufgewachsen in Irlbach (Markt Hahnbach), absolvierte Tobias Sichelstiel die dortige Hauptschule und danach eine technische Ausbildung bei Siemens in Amberg. Vor zwölf Jahren verschlug es ihn in seine Geburtsstadt, und ein Jahr später begann er eine mehrjährige berufsbegleitende Fortbildung zum Techniker mit Fachrichtung Maschinenbau. Heute arbeitet Sichelstiel immer noch bei Siemens in der Fertigungs- und Technologieplanung. Der 35-Jährige ist mit der regional bekannten Musikerin Anita Kinscher verheiratet und hat einen Sohn. (tat)

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