11.02.2019 - 10:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Leichtigkeit des Tiefgangs

Weder Schaumwein noch Kanapees locken Liebhaber des französischen Films in das Ringtheater - Freundschaft und Familie sind die Themen des Abends der 10. La nuit du cinéma (Französischen Filmnacht). Nicht nur auf der Leinwand.

Kurz vor der offiziellen Begrüßung sind fast alle Plätze besetzt - es fehlen nur noch die Helfer und Vorsitzende, die im Foyer bereits Vorbereitungen für die Pause treffen.
von Dagmar WilliamsonProfil

Spitzt man die Ohren und lauscht den Gesprächen, wird sofort klar: Hier steht das Private im Vordergrund. "Meine Frau kommt noch - sie war den ganzen Tag mit der Bahn unterwegs", sagt ein Besucher. "Vielen Dank. Den habe ich schon lange im Auge gehabt und mir geleistet", antwortet eine Dame im schicken Mantel auf ein ehrliches Kompliment.

Dieser Abend ist geprägt von menschlicher Endlichkeit, dem tiefen Empfinden einer innerweltlichen Gemeinschaft und von großer Nachsicht gegenüber individuellen Marotten. Mit sehr viel Witz und Humor.Widergespiegelt in zwei französischen Filmen mit tiefgründigen und äußerst charmanten Charakterfiguren, außerhalb der kommerziellen Hollywood-Norm. Crémant (Schaumwein) und Canapés (Häppchen) sind nur die freundlichen Schmankerln neben den Akteuren vor und auf der Leinwand.

Oder fragen Sie Ihren Arzt

Madame Aurora und der Duft von Frühling wird im Originalton mit Untertitel gezeigt. "Mit 30 geht's bergab - unaufhaltsam", erklärt ein Arzt, den Aurora aufsucht, um ihre Hitzewallungen und angehende Menopause irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Das ist es also, das Leben einer geschiedenen Mutter zweier erwachsener Töchter. Mutig wehrt sie sich gegen ihren Chef und kündigt ihre Anstellung als Bedienung. Überrascht nimmt Aurora die Nachricht entgegen, sie werde Oma. Hinzu kommt eine zufällige Begegnung mit ihrer Jugendliebe. Es sind nicht die großen Schicksalsschläge, sondern die Banalitäten des Alltags, die Aurora mit Esprit meistert. Obwohl die erfahrene Frau um die 50 im Mittelpunkt steht, erweitert sich der Blick auf weibliche Probleme aller Altersgruppen und sozialer Schichten. Auf platte Lebensweisheiten wird verzichtet - vielmehr siegt die Liebe zum Detail, Situationskomik und ein typisch französischer Bildwechsel.

Der langweilige deutsche Titel "Eine bretonische Liebe" wird dem Original "Ôtez-moi d'un doute" nicht gerecht und hätte dann doch recht getreu mit "Nimm mir die Zweifel" übersetzt werden sollen. Denn darum geht es schließlich. Ein Vater auf der Suche nach zwei Vätern - seinem eigenen biologischen und dem Mann, der seine Tochter geschwängert hat. Ein ehemaliger Bombenentschärfer in Kriegsgebieten, stark und selbstbewusst, richtet auf seiner Mission vorerst Chaos an, um dann das Leben aller Beteiligten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Bizarre Situationen werden glaubwürdig mit der nötigen Ernsthaftigkeit dargestellt, aber an Witz und Charme fehlt es auch diesem Film nicht.

Karten schnell weg

Wie im vergangenen Jahr angekündigt, haben sich Kulturvereinsvorsitzender Thomas Binder, sein Stellvertreter Eugen Burger und Freundeskreis-Vorsitzende Anne-Marie Brey für das diesjährige Jubiläum der zehnten Französischen Filmnacht tatsächlich etwas Besonderes einfallen lassen. Beide Filme ergänzen sich wunderbar und so ist es nicht verwunderlich, dass sich bereits vor dem Öffnen der Türen des Ringtheaters eine große Traube der Erlesenen auf dem Platz versammelt. Denn etwas Glück gehörte im Vorverkauf auch dazu: Die Karten waren bereits nach drei Stunden weg - wie der heißbegehrte Crémant und Canapés.

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