02.01.2020 - 13:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Lisa Wahlandt: Mondäne Diva ohne Allüren

Konzerte zum Jahreswechsel haben Tradition. Walzer der Wiener Strauss-Dynastie sind dabei die absoluten Favoriten auf den Programmzetteln. Ganz anders beim Silvesterkonzert mit dem Lisa-Wahlandt-Trio im ausverkauften Amberger Rathaus.

Lisa Wahlandt (Mitte) zeichnet sich nicht nur durch ihre unverwechselbare Stimme aus, sondern auch durch ihre extravagante Eleganz. Zusammen mit Paulo Morello (Gitarre) und Sven Faller (Bass) trat sie im Rathaus auf.
von Marielouise ScharfProfil

Samba und Bossa Nova, Swing und Gipsy-Jazz, Oldies und Evergreens von Marlene Dietrich und Sofia Loren, kurzum: Einen individuellen, kunterbunten Melodienmix lieferten die drei Ausnahmemusiker. Sängerin und Frontfrau ist Lisa Wahlandt. Sie hat alles, was eine Diva ausmacht: Attraktivität und Ausstrahlung. Sie verzaubert mit ihrer unglaublichen Stimme und sie hat Stil. Einen sehr persönlichen, individuellen Musikstil, womit sie ihr Publikum begeistert. Was sie so überhaupt nicht hat, sind Allüren, wie man sie normalerweise Stars nachsagt. Selbiges gilt auch für die Männer an ihrer Seite.

Mit New-York-Erfahrung

Mit dabei ist auch Kontrabassist und Komponist Sven Faller, der viele Jahre in New York lebte und sich längst auch international einen Namen gemacht hat. In seiner beeindruckenden Karriere arbeitete er mit zahlreichen Künstlern wie Charlie Mariano, Chico Freeman oder Konstantin Wecker. Mit seinem sperrigen Instrument begleitete er die Sängerin bereits bei vielen Auftritten und CD-Aufnahmen.

Paulo Morello steht erst zum zweiten Mal an Wahlandts Seite. Er studierte das Hauptfach Jazzgitarre in Nürnberg, Mannheim und New York. Seine akademischen Studien schloss er mit einer Diplom-Prüfung ab. Alle drei sind sie Superkönner in ihrem Fach und ergänzen sich perfekt. Egal ob Songs erklingen, die Stars wie Marlene Dietrich oder Sofia Loren interpretiert haben, ob Klassiker oder der Welthit, jede Interpretation bekommt den individuellen Qualitäts-Stempel aufgedrückt "Marke Wahlandt".

Dabei singt sie eigentlich ohne jedes Pathos, ohne große Gesten. Im raffiniert gerafften Abendkleid lehnt sie am Barhocker, die goldenen Stiefeletten blitzen unter dem Saum hervor und die goldene Stimme glänzt mit eigenwilliger Lied-Übersetzung und verwickelten Paraphrasen. Dabei geht ihr Portugiesisch ebenso perfekt von der Zunge wie Englisch oder Deutsch.

Auch Geschnatter und Gegacker

Lisa Wahlandts Gesang klingt natürlich und unangestrengt, ist unvergleichlich variabel und, man möchte sagen, irgendwie innig. Mal garniert mit übermütigem Geschnatter und Gegacker, mal mit melancholisch gehauchtem Seufzen und Summen. Wahlandt formuliert die Themen, dramatisiert, verführt und berührt mit ihrem Gesang. Und liefert dazwischen lockere Moderationen. Aber auch die Männer an ihrer Seite lässt sie zu Wort kommen. Die schaufeln sich Freiräume, nützen die Möglichkeiten ihrer Instrumente gnadenlos und setzen bravouröse Akzente. Einfühlsam und kreativ, unglaublich präzise und leidenschaftlich gestalten sie den instrumentalen Part. Die Instrumentalsoli kommen intuitiv und mit großer Leichtigkeit. Den brasilianischen Rhythmus haben alle drei verinnerlicht, der Speed des Jazz kommt locker, leicht und virtuos. Stimme und Instrumente funkeln und harmonieren. Der Abend im Großen Rathaussaal war ein Genuss.

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