04.11.2020 - 15:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Lockdown in Amberg: Solidarität per Internet

Es geht nicht nur um Solidarität und Wertschätzung, sondern um bare Münze. In Amberg hat sich ein Online-Gemeinschaft etabliert, die den Geschäftsleuten vor Ort durch die Coronakrise helfen will. Ein Interview mit dem Macher.

Michael Sandner organisiert die Internet-Aktion "Amberg liefert".
von Uli Piehler Kontakt Profil

Michael Sandner aus Amberg ist 43 Jahre alt, zweifacher Familienvater und im Hauptberuf "Social Media Expert". Als solcher will er einen Beitrag dafür leisten, dass Amberger Geschäftsleute gut durch die Krise kommen. Seine Facebook-Gruppe "Amberg liefert" hat mittlerweile über 7700 Mitglieder und ist seit Beginn des Teil-Lockdowns Anfang November wieder verstärkt aktiv.

ONETZ: Der neue Teil-Lockdown ist da, wie ist die Resonanz bei "Amberg liefert"? Was ist passiert, seit die Beschlüsse bekannt sind?

Michael Sandner: Seit vergangener Woche hat sowohl die Webseite als auch die Facebook-Gruppe wieder deutlich mehr Zulauf. Die Geschäftsleute - allen voran die Wirte - waren diesmal gut vorbereitet und haben schnell ihr Angebot veröffentlicht. "Amberg liefert" hat sich ja auch in der Zwischenzeit gut etabliert und wird von vielen als Partner angenommen. Und zwar sowohl von den Unternehmern, die schon mal bei mir nachfragen, ob ich bei Fragen nach den Ausgleichszahlungen des Bundes helfen kann, als auch bei den Nutzern, die gleich wenige Minuten nach Bekanntwerden der Maßnahmen gefragt haben, ob ihr Lieblingsrestaurant wieder liefert.

ONETZ: Was überwiegt bei den Reaktionen - Verzweiflung oder Solidarität?

Michael Sandner: Im Vergleich zu Frühjahr ist vonseiten der Unternehmer schon deutlich mehr Frustration zu spüren. Das liegt hauptsächlich daran, dass viele Wirte und Dienstleister viel Geld und Arbeit in Hygienemaßnahmen wie Trennwände oder Desinfektionspläne gesteckt haben. Jetzt haben sie das Gefühl, dass das alles umsonst war. Aber es ist auch wieder unglaublich viel Solidarität zu spüren - von beiden Seiten. Die Nutzer wollen ihre Wirte und Dienstleister nicht im Stich lassen und planen schon mal die Bestellungen der kommenden Woche durch. Und die Geschäftsleute tun alles dafür, weiter für die Kunden da zu sein - zum Teil auch als Dank für das Zusammenhalten im Frühjahr. Alles in allem nehme ich wieder ein großes Gemeinschaftsgefühl war - gemeinsam ein bisschen frustriert, aber eben auch gemeinsam sehr entschlossen, zusammen durch diese Zeit zu gehen.

ONETZ: Gibt es Ihrer Erfahrung nach Betroffene, die ein Schattendasein führen, an die keiner denkt?

Michael Sandner: Ja, ganz klar. Es sind die Geschäftsleute, die keine starke Lobby haben. Das sind zum Beispiel Kosmetiksalons, Nagelstudios aber auch Fitness-Studios. Die sind schon echt verzweifelt, weil sie ja nichts tun können. Das sind nur Beispiele - aber im Moment konzentrieren sich viele auf die Gastronomie. Alleine wenn ich daran denke, wer von der beinahe komplett ausgefallenen Hochzeitssaison 2020 betroffen ist. Klar - das Gasthaus. Aber eben auch der Fotograf, der Musiker oder die Tanzschule. Die Einzelkämpfer kommen in der ganzen Diskussion zu kurz - dabei machen die vieles erst so lebenswert, wie wir es kennen.

ONETZ: Läuft die Aktion weiterhin ehrenamtlich? Wieviel Zeit investieren Sie und wie schaffen Sie das eigentlich?

Michael Sandner: Ja, das ist noch immer eine rein ehrenamtliche Initiative von mir selbst. Die Crowdfunding-Aktion hat den Start und den Aufbau der Webseite sowie der Struktur dahinter finanziert. Mit Aktionen wie dem Kalender "Amberg liefert 2021" oder ein bisschen Google-Werbung auf der Seite versuche ich, die laufenden Kosten zu decken. Der Zeitaufwand hat sich von täglich acht bis neun Stunden zwar im Sommer deutlich reduziert, jetzt wird es schon wieder viel mehr. Aber ich will eben keinen hängen lassen. Zum Glück macht meine Familie da mit und trägt mein Helfersyndrom mit. Viel Zeit bleibt für anderes derzeit nicht mehr. Aber das ist OK und hoffentlich irgendwann wieder vorbei.

Zu Michael Sandners Website "Amberg liefert"

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