17.01.2019 - 11:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Lösung für Pfleger-Kreuzung in Sicht?

Ein Mega-Kreisverkehr für die Pfleger-Kreuzung und die Fuggerstraße gleich mit - das wird wohl nichts. Dafür könnte rund um das ehemalige Zinkl-Gelände jetzt eine Lösung à la Chicago entstehen. Doch die ist sehr teuer.

So könnte die Doppel-Kreuzung am Zinkl-Areal einmal aussehen. Hier mit dem „Modell Chicago“ für die Pfleger-Kreuzung.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Noch mehr Verkehr, noch mehr Staus, noch mehr Unfälle. Die Belebung des Zinkl-Geländes mit einem Supermarkt und anderen Gewerbeeinheiten ist vor allem ein verkehrstechnisches Problem. Darin sind sich im Prinzip alle Planer einig. Und jedes Auto mehr bringt die Pfleger-Kreuzung an der B 85 und die anschließende Kreuzung Fugger-/Hockermühlstraße an den Rand der Kapazitäten. Es muss gehandelt werden, darin sind sich Stadt und Staatliches Bauamt einig.

Letzteres ist im Rahmen der abgeschlossenen Planungsvereinbarung mit der Stadt inzwischen tätig geworden und hat das Dresdener Ingenieurbüro Langenbach beauftragt, alle relevanten Daten - beispielsweise die Verkehrsströme - zu erfassen und sich Gedanken zu machen, wie der Knoten zu aller Zufriedenheit zu lösen sein könnte. Carsten Tscheschke vom Büro Langenbach und Stefan Noll, der zuständige Abteilungsleiter beim Staatlichen Straßenbauamt, stellten am Mittwoch im Bauausschuss erste Ergebnisse vor.

Zu viel für einen Kreisel

Wie eine Verkehrszählung im Oktober 2017 ergeben hat, so Carsten Tscheschke, nutzen die Pfleger-Kreuzung täglich rund 34 000 Fahrzeuge. Bei der benachbarten Kreuzung zur Fuggerstraße sind es gut 25 000. "Mit der Belebung des Zinkl-Areals verschärft sich der Abbiegeverkehr hier noch", machte Tscheschke deutlich. Für die Pfleger-Kreuzung komme daher aus verkehrstechnischer Sicht ein Kreisverkehr nicht mehr infrage. "Auch wenn die Amberger Kreisverkehr an sich können", wie Stefan Noll auf den Titel der heimlichen Hauptstadt der Kreisverkehre in der Oberpfalz anspielte.

Bleiben am Ende laut Aussage der Experten zwei Möglichkeiten für die Pfleger-Kreuzung: eine einfache, die im Prinzip aus ein paar neuen Abbiegepfeilen und einer verbesserten Ampelschaltung sowie eventuell einer Fußgängerunterführung besteht, um die Verkehrsströme zu entzerren. Oder aber das Modell Chicago, wie es OB Michael Cerny spontan taufte. Hier wird die B 85 "barrierefrei" mit einer Brücke über die Kreuzung gebracht. Der Abbiegeverkehr kann dann problemlos über einen Kreisverkehr darunter verteilt werden. Die verkehrstechnisch günstigste Lösung mit den Nachteilen, mit mindestens zehn Millionen Euro sehr teuer und sehr sichtbar zu sein. "Die können Sie optisch nicht mehr verstecken", machte Stefan Noll deutlich.

Noll machte auch kein Hehl daraus, dass bei der Chicago-Lösung von einer reinen Bauzeit von knapp einem Jahr auszugehen ist - mit den entsprechenden Anforderungen an die Umleitung des Verkehrs. "Wir können ja Amberg nicht ein Jahr dicht machen, um die Kreuzung zu bauen", so Noll. Trotz all dieser Schwierigkeiten, die Tendenz der Stadträte ging am Mittwoch stark in Richtung Chicago. Einfach aus dem Grund, damit eine langfristige Lösung schaffen zu können und nicht nach fünf Jahren von vorne beginnen zu müssen. Beispiel Uli Hübner (SPD): "Wir sollten die zukunftsfähige Variante aufgreifen."

Bleibt noch die zweite Kreuzung an der Fuggerstraße. Auch dafür hat das Dresdner Planungsbüro einige Varianten ausgearbeitet, über die zu entscheiden ist: Eine Aufweitung der Kreuzung oder diverse Kreisverkehre sind laut Carsten Tscheschke hier möglich - nicht immer aber auch gut für den Verkehr. Am besten aus Verkehrssicht wäre seiner Aussage nach ein fünfarmiger Kreisel unter Einbeziehung der Gerberstraße. Allerdings müsste dafür die dortige renaturierte Fläche einbezogen werden, in der wohl inzwischen der Biber heimisch geworden ist. "Das ist nicht ganz unproblematisch", so Tscheschke.

Stadtrat ist am Zug

Ziel dieser ersten Vorstellung war es für die Planer, am Ende drei Varianten zu bekommen, die dann komplett durchgerechnet und simuliert werden können. Dies zu entscheiden, ist nun Aufgabe des Stadtrats. Bis die neue Kreuzung auch wirklich fertig ist, das kann noch Jahre dauern. "Wir denken da eher in Dekaden (Jahrzehnten) als in Jahren", so Stefan Noll. Hintergrund

Einfache Dinge mit großer Wirkung:

Die Erfassung der Verkehrsströme für die Überplanung der Pfleger-Kreuzung ist sehr umfangreich – und sie geht teilweise sehr in die Tiefe. Unter anderem werden bei so einer Verkehrsschau auch die Häufigkeit der Unfälle und deren zeitliche Schwerpunkte erfasst. Mit zwei einschneidenden Ergebnissen. So stellten die Experten beispielsweise fest, dass an der Kreuzung Fugger-/Hockermühlstraße die meisten Unfälle dann passieren, wenn die Ampelanlage in der Nacht ausgeschaltet ist. Folge dieser Erkenntnis ist, dass die Ampel eingeschaltet bleibt, wie Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt am Mittwoch im Bauausschuss sagte. Mit dem gewünschten Erfolg.

Zweite Auffälligkeit: An der Pfleger-Kreuzung stadtauswärts sind zwar keine besonders schweren Störungen zu verzeichnen. Allerdings gibt es hier laut Noll besonders viele Auffahrunfälle. Möglicherweise hängt das seiner Beobachtung nach mit einem zu geringen Kontrast der Ampelanlage zusammen. Es sei bei tiefstehender Sonne einfach sehr schwer zu erkennen, welche Farbe die Ampel gerade zeige. Die Anlage wird entsprechend mit Blendschirmen ausgestattet.

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Kommentare

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Hans Weber

"Auch wenn die Amberger Kreisverkehr an sich können" - na ja, wenn sie auch alle den Blinker am Fahrzeug betätigen würden, dann wären auch einige "Kreisverkehrstaus" zu den Akten zu legen, ebenso die unnötigen "Dauerwarter" bis eine Lücke von 1 Stunde im Kreisverkehr aufgeht, damit man sich hineinfahren traut.

Auch wenn die Amberger Kreisverkehr angeblich können, die Behörden können halt nicht immer "Ampelschaltungen", die hier im Beitrag als "und einer verbesserten Ampelschaltung" in den Planungen mit angedacht wurden.

Wahrscheinlich wird es wieder eine "Verschlimmbesserung" beim Zinkl-Areal dann zukünftig geben.

Das jedoch einmal bei den Ampel eine seitlich angebaute "Countdown-Anzeige" installiert wird, die mir in rückwärts laufenden Sekunden anzeigt, wann die Grünphase beginnt, damit der umweltbelastende Verkehr auch den Motor ausschalten sich traut, daran wird mit keiner Silbe bei den Planungen einmal laut nachgedacht...

18.01.2019