Amberg
Update 15.07.2018 - 17:33 Uhr

Machete macht Eindruck

Der Fall ist ungewöhnlich. Bettler und Schnorrer spielen tragende Rollen, eine Buschmachete kommt vor, Fausthiebe stehen in der Anklageschrift. Ausgeteilt der Vermutung nach frühmorgens um 7 Uhr auf einem Supermarktparkplatz.

Symbolbild. Oliver Berg/dpa
Symbolbild.

(hwo) "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung", hat uns einst James Last in einem Lied wissen lassen. Damals, am 14. Juli vergangenen Jahres, war sie es nicht. Ganz im Gegenteil: Es herrschte, wie die Amtsrichterin Julia Taubmann hörte, "wüstes Getobe" auf einem Geschäftsparkplatz an der Regensburger Straße.

Dort hielten sich seinerzeit drei junge Männer auf. Zwei von ihnen sitzen nun vor der Richterin. Der dritte Verdächtige war längere Zeit nicht greifbar. Deshalb wurde das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn abgetrennt. Von daher weiß man jetzt nicht so genau, wie denn sein sogenannter Tatbeitrag damals aussah.

Um 7.05 Uhr, so steht es in den Akten, sollen die Männer auf diesem Parkplatz gewesen sein. Offenbar angetrunken. Sie bettelten Passanten um Geld an, schnorrten in impertinenter Manier Zigaretten. Das taten sie auch bei einem 62-Jährigen, der gerade aus einem Bäckereiladen kam. Der Mann gab weder Geld noch Tabak, er soll aber entrüstete Bemerkungen gemacht haben.

Ab dann gab es unterschiedliche Versionen. Der 62-Jährige will ansatzlos geschlagen worden und zu Boden gestürzt sein. Er kam auch in den sogenannten Schwitzkasten. Kaum wieder zu Atem gekommen, öffnete er den Kofferraum seines Autos und holte eine Buschmachete zur Selbstverteidigung heraus.


Gar nicht im Einsatz

Zu diesem Zeitpunkt sah er sich eingekreist von den angetrunkenen Nachtschwärmern. Das Hiebinstrument, vom Zeugen nach eigener Bekundung zum Entasten von Bäumen mitgeführt, kam dann zwar nicht zum Einsatz. Wohl aber die Scheide der fast schon säbelartigen Machete. Irgendwie soll sich einer der Männer im Alter zwischen 29 und 31 Jahren dieser Scheide bemächtigt haben und damit schlagend gegen den Eigentümer des Futterals vorgegangen sein. Zwischendurch flog dann auch noch ein vom nahen Straßencafé geholter Stuhl.

"Nur geschubst"

Der Hergang des Intermezzos ist in seinen Einzelheiten schwierig aufzuklären. "Ich bin zuerst beleidigt worden", sagte nun einer der beiden Beschuldigten. Und dann? "Ich habe ihn nur geschubst." Einige Zeugen sind unterdessen vernommen worden. Auch Polizisten, die am Ort der Auseinandersetzung eintrafen und offenbar ebenfalls einiges abbekommen hatten.

Die Verteidiger Jörg Jendricke und Michael Schüll wollen es genau wissen. Von daher müssen nun weitere Personen kommen, die den Vorgang beobachteten. Deswegen geht der Prozess Anfang August weiter.

 
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