Waren das wirklich Agenten, die im August 2017 in einen Ort bei Hirschau reisten? Oder doch nur windige Gestalten, die Geldangelegenheiten mit einem Landsmann klären wollten? Der seltsame Besuch beschäftigt Amberger Richter. Allerdings wegen einer gewalttätigen Randbegebenheit.
Die Georgier kamen am 7. August 2017. Durch Protokolle geisterte die Bezeichnung "Leute vom Geheimdienst". Man wird sie nach ihrem Beruf nicht fragen können. Denn die Männer sind in ihrer Heimat ebenso abgetaucht wie ein Landsmann (36) von ihnen, gegen den momentan offenbar Haftbefehle wegen größerer Betrügereien vorliegen.
Auch er kam jetzt nicht zu einem Prozess vor dem Amberger Schöffengericht. Obwohl man, weil Opfer, seine Erzählungen gerne gehört hätte. Fakt war: Zwei Männer aus Osteuropa erschienen vor über zwei Jahren in einem Haus bei Hirschau. Dort wohnte zu dieser Zeit ein 40-Jähriger mit deutscher Staatsangehörigkeit, der in Geschäfte mit Autozubehörteilen ebenso involviert war wie ein 36-jähriger Georgier. Der 40-Jährige hatte das abendliche Gespräch arrangiert.
Während die von weit her angereisten angeblichen Geheimdienstagenten hinauf in den ersten Stock geführt worden waren und dort auf einen von dem 40-Jährigen vorsorglich zur Verstärkung geholten Amberger trafen (Zitat von ihm: "Ich wollte mit gewalttätiger Auseinandersetzung nichts zu tun haben und bin heimgefahren, als es losging"), wurde es draußen im Garten vor dem Anwesen laut.
Zwischen Bäumen und Sträuchern ging der zum Gespräch gebetene 36-jährige Georgier gegen den ihn dort erwartenden Gastgeber vor. Warum auch immer: Der Mann (ein im Haus wohnender Zeuge: "Er hat laut geschrien"), zog ein Messer und griff den 40-Jährigen an. Der entwaffnete ihn. Danach - zwischenzeitlich hatte sich der Kampf hinein ins Haus verlagert - wollte der nun angeklagte Gastgeber in Notwehr gehandelt haben. Heftige Schläge trafen Kopf und Körper des Georgiers. Blutspuren verdeutlichten, dass er über eine mehrstufige Marmortreppe hinabgeworfen wurde. Der erheblich verletzte Mann rappelte sich auf, flüchtete und begab sich in die Notaufnahme des Amberger Klinikums. Dort wurde er behandelt, entfernte sich danach und erstattete Anzeige.
Ab dann ermittelte die Kripo. Unterlagen ließ sich entnehmen: "Seine erneute Einweisung ins Krankenhaus musste wegen der Schwere seiner Verletzungen sein." Nach dem Klinikumsaufenthalt verlor sich die Spur des 36-Jährigen. Er ist offenbar wegen bestehender Haftbefehle ebenso nach Georgien heimgekehrt wie die nach der Schlägerei sofort abgetauchten angeblichen Geheimdienstmitarbeiter. Vor dem Schöffengericht, das unter Vorsitz von Richterin Kathrin Rieger tagte, beschrieb der nun wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte 40-Jährige seine Situation als Notwehrlage: "Ich musste zuschlagen."
Doch das glaubte ihm die Vorsitzende nicht: "Der Angriff mit dem Messer war beendet. Da hätten Sie nicht so vorgehen dürfen." Zum Schluss des Verfahrens bekam der 40-Jährige, verteidigt von Anwalt Dieter Spieß, ein Jahr Haft mit Bewährung. Dass er heftig zuschlug, hatte der Angeklagte zugegeben. Außerdem war während des Prozesses zunehmend deutlicher geworden: Die Attacke mit dem Messer war bereits vorbei, als die Hiebe ausgeteilt wurden und das Opfer eine Treppe hinab stürzte.
Zurück blieben viele offene Fragen, die tief hineinreichen in fragwürdige internationale Geschäfte. Doch sowohl der seinerzeit erheblich verletzte Mann als auch seine Landsleute aus Georgien mochten nicht nach Amberg kommen. So bleibt unbeantwortet, was sich im Hintergrund abspielte.













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