16.10.2018 - 16:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Machtkampf um Drogenreviere?

Dubiose Gestalten in einer dunklen Gasse. Kleine Blitze zucken. Sie stammen von einem Elektroschocker, mit dem ein 26-Jähriger malträtiert wird. In der Nähe der Vils geht es offenbar um Drogengeschäfte. Und mutmaßlich auch um Revierkämpfe.

Symbolbild
von Autor HOUProfil

Landgerichtspräsident Harald Riedl ist in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Großen Jugendstrafkammer nicht zu beneiden. Drei Männer sitzen wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung auf der Anklagebank.

Sie sind vom Alter her unterschiedlich: 34, 23 und 18 Jahre alt. Was ihnen von Staatsanwältin Jennifer Jäger vorgeworfen wird, ist ein Verbrechen, das sich heuer am 22. Februar nach 21 Uhr unweit der Schulkirche ereignete. In dem mehrtägigen Prozess geht es um den Angriff auf einen 26-Jährigen, der mit einem Rucksack zu Fuß des Weges kam und von den drei Männern abgepasst wurde. Einer soll gesagt haben: "Wenn du das noch mal machst, brech' ich dir das Genick." Dann kam ein Elektroschocker zum Einsatz, der surrende Geräusche von sich gab und kleine Blitze aussandte. Ein Anwohner sah das vom Fenster aus und rief die Polizei. Vorher schon hatte eine ebenfalls dort wohnende Frau gesehen, wie das Opfer massiv bedrängt wurde.

Mit Elektroschocker

Worum ging's? Der 34-Jährige schwieg zum Auftakt. Der mit auf der Anklagebank sitzende 23-Jährige ließ anklingen, man habe eigentlich nur mit dem des Weges kommenden Mann reden wollen. Der jüngste Beschuldigte aber, gerade einmal 18-jährig, beschrieb relativ genau, um was es sich drehte. Die Richter vernahmen, dass man dem 26-Jährigen gezielt auflauerte und sie hörten ferner: "Es ging um Drogengeschäfte." Der Mann schuldete wohl Geld für Rauschgift. Deshalb wurde sein Rucksack durchsucht, während er mit dem Rücken zu einer Mauer am Oberen Apothekergäßchen stand. Auch Forderungen nach Bargeld habe es gegeben. Erfolglos. Bei der Attacke kam auch ein Elektroschocker zum Einsatz. "Wer hatte ihn?", fragte Richter Riedl und erfuhr, dass es der 34-Jährige gewesen sei. Diese auch als Tazer bekannten Geräte fallen unter das Waffengesetz. Damit begründet sich auch die Anklage wegen des Versuchs einer besonders schweren räuberischen Erpressung.

Von dem heuer im Februar überfallenen Mann erhoffte sich die Jugendkammer genaue Aufklärung. Doch diesen wichtigen Zeugen musste die Polizei erst suchen. Dann wurde er vorgeführt und gab sich ebenso aalglatt wie erinnerungslos. "Schon so lange her", sagte er.

Allerdings wollte er noch im Gedächtnis behalten haben, dass da etwas mit einem Elektroschocker gewesen sei. Bei ihm, der vom Marktplatz aus einen Notruf abgesetzt hatte, wurden später rund 2000 Euro sichergestellt. Sie lagen in einer Bauchtasche und wurden von den Angreifern nicht gefunden. "Stammte dieses Geld aus Drogengeschäften?", wollte Richter Riedl wissen. Der Mann verneinte. "Hat mir ein Freund geliehen."

Seltsam: Dieser Kumpel hatte bei seiner polizeilichen Vernehmung bestritten, dem 26-Jährigen Bares gegeben zu haben. Der offenkundig nur gespielten Gedächtnisschwäche des Opfers geschuldet, verlas der Kammervorsitzende die bei der Polizei gemachten Anhaben des Mannes. Dort hatte er die üble Attacke relativ genau geschildert. Allerdings ohne Bezug zu den im Raum stehenden Rauschgift-Positionskämpfen im Amberger Stadtgebiet.

Fortsetzung folgt

Weitere Prozesstage stehen bevor. Zwei der Beschuldigten waren unmittelbar nach dem Vorfall in U-Haft genommen worden. Nur der 18-Jährige ist auf freiem Fuß. Er will zu dem Übergriff, der mutmaßlich eine brutale Strafexpedition darstellte, telefonisch bestellt worden sein.

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