Der beste Schutz vor Krisen sind gute, existenzsichernde Löhne und faire Arbeitsbedingungen, abgesichert durch Tarifverträge. Das sagte der DGB-Stadtverbandsvorsitzende Bernhard Wallner bei der gut besuchten Maikundgebung am Montag am Schrannenplatz in Amberg. Zuvor waren die Gewerkschaftler mit ihrem Transparent „ungebrochen solidarisch“ vom Malteserplatz zur Maikundgebung gezogen.
Krisen und Pandemie der vergangenen Jahre hätten zu viel Unsicherheit geführt und Menschen in existenzielle Sorgen gestürzt. Aber heute, am Tag der Arbeit, würden Gewerkschaften ein sichtbares Zeichen für eine gerechte und friedliche Zukunft, für einen starken Sozialstaat und eine leistungsfähige Daseinsfürsorge setzen.
Die Gewerkschaften hätten in vielen Tarifverhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld in Portemonnaie gesorgt, so Wallner mit Verweis auf Energiebremse, Einmalzahlungen, Bürgergeld oder zwölf Euro Mindestlohn. Während steigende Preise private Verbraucher und viele Betriebe belasten, würden die Vermögen der Reichsten ungebremst wachsen, daher müssten diese überhöhten Gewinne abgeschöpft und zur Gegenfinanzierung der Entlastung genutzt werden. Wallner forderte mehr Steuern für Superreiche, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, denn Menschen mit hohem Vermögen müssten eine Abgabe erbringen, damit die aktuellen historischen Herausforderungen geschultert werden können. Wallner sprach sich auch für ein Ende des mörderischen Angriffskriegs gegen die Ukraine aus, ein Verbrechen gegen Menschlichkeit und Völkerrecht. Die territoriale Integrität der Ukraine sei wiederherzustellen.
Klimapolitik „verpennt“
Hanna Feil und Elias Lay, Mitglieder des IG-Metall-Ortsjugendausschusses, meinten, dass Deutschland seit Jahren von einer Krise in die andere stolpere. Nach der Finanz- habe es die Flüchtlingskrise gegeben, dann kamen Corona und der Ukraine-Krieg und schließlich Energie- und Klimakrise. Die Zeit leerer Versprechungen sei vorbei, auf eine vernünftige Kreislaufwirtschaft müsse umgebaut, die Wertschöpfung umverteilt werden. Berufsausbildung sei die wichtigste Erwerbsquelle, denn ohne Abschuss hätten junge Menschen schlechte Chancen am Arbeitsmarkt und das gigantische Potenzial wertvoller Menschen werde sinnlos vergeudet. Feil und Lay erklärten: „Junge Menschen haben ein Recht auf Ausbildung, daher fordern wir eine Ausbildungsgarantie, auch wenn nur noch 20 Prozent der deutschen Unternehmen ausbilden und die Zahl der Ausbilder permanent sinkt.“ Jeder bekomme ständig wechselnde Spritpreise zu spüren, die reine Spekulation der Ölindustrie seien, betonte der bayerische IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott – und die Diskussion über eine Lohn-Preis-Spirale könne er schon nicht mehr hören. Kein gutes Haar ließ Ott an der Klimapolitik der bayerischen Staatsregierung, die Stromtrassen und Windkraftanlagen die letzten 30 Jahre „verpennt“ habe. Jetzt AKWs in Eigenregie zu betreiben wollen, sei lächerlich und rückwärtsgewandt. Atomstrom sei teurer als Strom aus regenerativen Quellen. Zu Söders Plänen sagte Ott: „Davor habe ich Angst. Aber dann bin ich doch beruhigt, denn das bringt der niemals hin.“
Ein Zukunftsmodell
Ein dickes Lob hatte Ott für unzählige Ehrenamtliche in Amberg, die zahlreiche Hilfskonvois Richtung Ukraine auf den Weg gebracht hätten. Ein Patentrezept gegen diesen Krieg könne er nicht nennen, aber dass immer mehr Waffen für die Ukraine dort Frieden bringen, daran könne er einfach nicht glauben. Zur Diskussion über die Vier-Tage-Woche meinte Ott, das sei für ihn als Gewerkschafter nicht neu. Im Gegenzug werde gefordert, die Lebensarbeitszeit auf 70 Jahre anzuheben und „eng verbohrte Altkapitalisten“ seien generell für längere Arbeitszeit. Mittelfristig werde eine Reduzierung der Arbeitszeiten ohne Lohneinbußen Arbeitsplätze sichern, die Gesundheit der Beschäftigten fördern, die Produktion steigern – für ihn also ein absolutes Zukunftsmodell.
Heizungsumbau und Verbrenner-Aus würden Angst schüren, die zu erwartenden Kosten für die neue Heizung und das neue E-Auto seien für viele unbezahlbar. ÖPNV und 49-Euro-Ticket würden unsere Mobilitätsprobleme nicht lösen. Vielleicht in Großstädten, aber nicht in der Fläche.














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