05.09.2019 - 11:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Manfred Wenzel: ERSC-Legende, die keine sein will

Manfred Wenzel stürmte 13 Jahre lang für den ERSC Amberg und stieg mit ihm in die zweithöchste Liga auf. In der Statistik stehen 259 Tore und 359 Vorlagen. "Ich sehe mich nicht als Legende", sagt der 57-Jährige und erklärt auch, warum.

Manfred Wenzel (rechts) spielte von 1984 bis 1997 beim ERSC Amberg Eishockey. Für viele Fans ist er eine Legende. Er selbst misst sich aber nicht diese Bedeutung bei: „Da gehört schon noch mehr dazu.“
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Amberg.(tk) Von allen Spielern, die in der nun bald 70-jährigen Historie des Vereins für den ERSC aufliefen, sammelte nur Mike Morin mehr Scorerpunkt: 312 Tore und 342 Assists. Auf Platz zwei folgt Manfred Wenzel, der aber gar nicht so lange in Amberg aktiv gewesen wäre, wenn er als junger Mann nicht Angst vor der eigenen Courage gehabt hätte, wie er mit dem Abstand von 35 Jahren erzählt.

Mit Eltern ausgewandert

Doch der Reihe nach: Der kleine Manfred, der im Mai 1962 in Hilfarth (Nordrhein-Westfalen) das Licht der Welt erblickte, war drei Jahre alt, als seine Eltern mit ihm nach Kanada auswanderten. Im Mutterland des Eishockeys tat er das, was dort fast alle Jungs tun, er stand auf Schlittschuhen und schoss unzählige Male Pucks auf Tore. Schnell war klar, dass das Kind, das beide Staatsbürgerschaften besitzt, viel Talent hatte und auch den nötigen Ehrgeiz besaß. Die Saskatoon Blades, eines der renommiertesten Nachwuchs-Teams des Landes, hatten Manfred Wenzel für sich entdeckt und ihn zum Probetraining eingeladen. Das war zu einer Zeit, in der in Deutschland ein bestimmter Spielertyp extrem begehrt war - der Deutschkanadier. "Das war damals eine ganze Welle", erinnert sich Manfred Wenzel, der sich 1979 mit 17 Jahren mitreißen ließ, ein Angebot aus Selb annahm und fortan in der 2. Bundesliga auf Punkte- und Torejagd ging. Später schloss er sich dem ERC Ingolstadt an, bevor ein Linienrichter Schicksal spielen sollte.

Zu Quinn und Tumbach

Wolfgang Heil, Unparteiischer aus den Reihen des ERSC Amberg, erlebte den jungen Manfred Wenzel auf dem Eis und kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Der Spieler blickt zurück: "Wolfgang hat den Verantwortlichen in Amberg von mir erzählt." Die hießen damals Herbert Fuchs und Günther Rothenberger. Sie erfuhren, dass sich der Kanadier mit dem deutschen Namen in Ingolstadt nicht wohlfühlte und unterbreiteten ein Angebot. Manfred Wenzel musste nicht lange überlegen: "Angeblich waren mehrere Vereine interessiert. Aber die Amberger waren die Ersten, die sich bei mir gemeldet haben. Sie waren seriös und stark dahinter, dass ich wechsele."

Zudem befanden sich mit George Quinn und Troy Tumbach bereits zwei Kanadier im Kader. Also kam Manfred Wenzel nach Amberg. Doch mit etwas mehr Mut wäre es gar nicht erst zu dem Transfer gekommen. 1981, als der Stürmer 19 Jahre alt war, wollte ihn der spätere Deutsche Meister (1982, 1985 und 1989) Sportbund Rosenheim verpflichten: "Es gab eine Anfrage. Das war im Sommer. Aber ich bin lieber nach Kanada zu meinen Eltern geflogen. Ich hatte wohl Angst vor der eigenen Courage. Aber wer weiß, was da rausgekommen wäre." Interesse von anderen Vereinen habe es in den Jahren danach immer wieder gegeben, ein konkretes Angebot aber nur einmal: 1989 vom Dauerrivalen aus Weiden. Manfred Wenzel kann es ja jetzt ohne Probleme erzählen: "Die wollten mich unbedingt verpflichten und haben mir alles geboten. Es war ein sehr lukratives Angebot."

"Liebe diese Stadt"

Aber der Stürmer blieb an der Vils: "Ich wollte nicht weg. Ich liebe Amberg, ich liebe diese Stadt, die Menschen, meine Freunde." Abgesehen davon hatten es die ERSC-Verantwortlichen möglich gemacht, dass der Deutschkanadier einen Job bei der Siemens AG erhält, bei der er heute noch arbeitet. Allein das Weiden-Nein, das sich in Amberg natürlich herumsprach, ließ Manfred Wenzel in der Beliebtheitsskala der ERSC-Fans in ungeahnte Höhen steigen. Seine Tore und Vorlagen ließen ihn für viele zur Legende werden.

Doch der 57-Jährige relativiert: "Es ist schön, wenn man darauf angesprochen wird. Das tut gut. Aber die Zeit ist vorbei." Alleine die Tatsache, den ERSC nie verlassen zu haben, mache aus ihm noch keine Legende: "Da gehört schon noch mehr dazu." Regelmäßige Besuche im Stadion zum Beispiel, die es auch nach dem Karriereende 1997 gab, die aber schnell Mangelware und später ein Fremdwort wurden. Mit dem Verkauf des Stadions an die Stadt, die Abspaltung von Teilen des ERSC zum seit fünf Jahren nicht mehr existierenden EC 2000 und die daraus resultierende Insolvenz ließen den Stürmer Abstand nehmen: "Seit dem Jahr 2000 habe ich kein Spiel mehr gesehen." Am Legenden-Spiel, das am Samstag, 14. September, um 18 Uhr beginnt, wird Manfred Wenzel aber teilnehmen. Das ist für ihn Ehrensache. Alle Teile: www.onetz.de/ themen/ichs-erzaehlen-serie

Manfred Wenzel: Mit 22 Jahren kam er nach Amberg. 35 Jahre später ist er längst heimisch.

Hier geht's zur Serie "Jetzt kann ich's ja erzählen!

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