28.08.2019 - 09:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Jozef Kovacik: "Das kotzt mich heute noch an"

Brent Lamb, Dan Turcotte, Troy Tumbach, George Quinn, Mike Morin und Jack Bowkus - die ersten Ausländer des ERSC Amberg kamen allesamt aus Nordamerika. 1991 sollte sich das ändern. Mit teils unvorhersehbaren Folgen.

Eine typische Jozef-Kovacik-Szene: Der Verteidiger war von 1991 bis 1994 beim ERSC Amberg aktiv.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mit 1,74 Metern verhältnismäßig klein, mit knapp über 70 Kilogramm relativ leicht und mit 33 Jahren zudem nicht mehr der Jüngste. Darüber hinaus kam der Neuzugang, den Trainer Rudi Tomanek im Sommer 1991 präsentierte, aus der Slowakei. "Ich war der erste Nicht-Amerikaner. Ich bin mir vorgekommen wie ein neues Tier im Zoo. Jeder hat mich erst mal etwas komisch angesehen", erinnert sich der mittlerweile 61 Jahre alte Kovacik an seine Anfangszeit in Amberg, die für ihn gleichbedeutend mit dem endgültigen Osteuropa-Abschied war.

Was ihn in der vierthöchsten Liga Deutschlands und beim ERSC im Speziellen erwartete, konnte der Familienvater nur vage vermuten: "Ich bin Profi und ausgebildeter Verteidiger. Ich schaffe das", habe er sich gedacht und vorsichtshalber Deutsch-Unterricht genommen: "Ich musste die Sprache ja komplett lernen. Das, was mir eine Privatlehrerin vorher beigebracht hat, war aber Hochdeutsch. Das hat mir in Amberg erst mal überhaupt nichts gebracht." Sätze wie "Hauptsach' g'sund samma" habe er überhaupt nicht verstanden.

Also konzentrierte sich Kovacik auf sein Spiel und seine Eishockey-Philosophie - die tschechoslowakische: "Ich akzeptiere die Spielweise der Nordamerikaner", sagt der Slowake heute, der seinem Stil damals aber stets treu blieb: Puck sichern, Ruhe bewahren und auf den richtigen Moment für den perfekten Pass warten. Oft drehte der Verteidiger vor dem eigenen Tor lieber eine Zusatzrunde, statt eine riskante Vorlage zu geben.

"Profi in Amateurliga"

Das funktionierte zu Hause in Zvolen, aber nicht in Amberg: "Ich wollte die Spielkultur und die Spielintelligenz auf ein anderes Level bringen. Das hat nicht geklappt. Ich war Profi in einer Amateurliga. Es war schwer, sich da zu integrieren. Viele deutsche Spieler hatten damals von meinem Spielsystem keine Ahnung." Es habe aber drei Ausnahmen gegeben: Mike Morin, Manfred Wenzel und Craig Streu, nach dessen Verpflichtung Kovacik, der inzwischen den perfekt mit ihm harmonierenden Landsmann Roman Mucha an seiner Seite hatte, noch größere Probleme bekam: "Es war eine komische Situation im Verein. Auf der einen Seite das Ost-Lager, auf der anderen Seite das West-Lager." Und dazwischen Mitspieler und Fans, die laut Kovacik teilweise sogar gegen ihn hetzten: "Go West, go West! Die Slowaken müssen gehen! Teilweise sind wir als slowakische Mafia beschimpft worden. Das hat mir natürlich gar nicht gefallen."

Als Spielertrainer entlassen

Mit dem Abstand von 25 Jahren ist sich Kovacik, der 1994 an der Seite von Peter Roth auch Spielertrainer war und in dieser Funktion entlassen wurde, aber sicher: "Ich glaube, dass die Leute, die mich in den drei Jahren haben spielen sehen, gemerkt haben, welche Spielintelligenz und Spielkultur ich habe." Eines sagt der 61-Jährige aber auch mit aller Deutlichkeit: "Ich bin immer noch nicht damit einverstanden, wenn man nur nach Toren und Assists bewertet wird. Das kotzt mich heute noch an."

Noch im Jahr 1994 wechselte Jozef Kovacik, der in seinen drei Jahren in Amberg als Verteidiger immerhin 69 Tore schoss, zum ESC Dresden, bei dem er als 42-Jähriger seine Karriere beendete. Aktuell trainiert der Slowake seit fünf Jahren den EHC Sursee in der 2. Schweizer Liga.

Jozef Kovacik in seiner Schweizer Wahlheimat Sursee – einer Stadt mit rund 10 000 Einwohnern.

Alle Teile der Serie

Amberg
Amberg
Amberg
Amberg
Amberg
Amberg
Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.