22.08.2019 - 17:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Länderspiel nicht ohne Hintergedanken

Große Namen wie Beppi Heiß, Andreas Niederberger oder Ernst Köpf haben gefehlt. Dafür spielten 1996 spätere Stars wie Jochen Hecht im Nationaltrikot gegen Tschechien. Ein Länderspiel in Amberg? Peter Harant weiß genau, wie es dazu kam.

Farbfotos in der Amberger Zeitung? Im März 1996 war alles noch schwarz-weiß. Wie diese Aufnahme von Bundestrainer George Kingston (rechts) und seinem Assistenten – keinem Geringeren als Erich Kühnhackl.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Als Peter Harant beim ERSC die Leitung der Eishockey-Abteilung übernahm, hatte er eine Vision. Amberg sollte auf der Landkarte kein weißer Fleck mehr sein - was die Verbandsarbeit und den Kontakt zu Entscheidungsträgern in München betrifft: "Wir hatten ja überhaupt keine Lobby beim Deutschen Eishockeybund und waren wie andere Vereine immer die Stiefkinder. Ich wollte daran arbeiten, dass Amberg endlich ein Begriff wird."

Über den Peißenberger Ligenleiter Richard Ott lernte Harant immer mehr wichtige Leute kennen, mit denen er sich offenbar gut verstand. Denn eines Tages boten sie ihm an, in Amberg die Ligentagung ausrichten zu dürfen. Harant zögerte keinen Moment und sagte zu. Vertreter von 32 Vereinen kamen im April 1995 noch ins Josefshaus - und der damals 28 Jahre alte Spartenleiter war glücklich. Er hatte es geschafft, Amberg in der Szene bekannter zu machen und ganz nebenbei durch die Gala auch noch ein Plus im fünfstelligen Bereich zu erwirtschaften. Diese Einnahmen ließen Harant keine Ruhe. Er wollte noch mehr: "So kam es dann zu der Länderspiel-Idee."

Für 25 000 Mark

25 000 Mark verlangte der Deutsche Eishockeybund dafür. Geld, das der ERSC nach der Ligen-Gala hatte. Vom späteren Bundestrainer Franz Reindl, der damals die Geschäftsstelle des DEB leitete, erhielt Harant das Okay: "Ich bin nach Hause gefahren, habe das dem Vorstand gesagt und bin nur auf positive Reaktionen gestoßen." Als der damalige Sponsor Bogener Dachziegel zudem zusicherte, das finanzielle Risiko zu übernehmen, war klar: Amberg wird Schauplatz eines Eishockey-Länderspiels. Das fand bereits im darauffolgenden Jahr statt. Am 21. März 1996 standen sich das deutsche Team und Tschechien in der Halle am Schanzl gegenüber.

Peter Harant hat sich eine Eintrittskarte als Erinnerung aufgehoben. Am 21. März 1996 standen sich in der Amberger Eishalle die Nationalmannschaften von Deutschland und Tschechien gegenüber. Harant, der damals Abteilungsleiter war, hatte die Partie eingefädelt. Wer dabei sein wollte, zahlte für einen Stehplatz 22 Mark. Angesichts von 2869 Zuschauern kam auf diesem Weg auch ordentlich Geld in die Vereinskasse.

Der junge Jochen Hecht

Da parallel noch die Playoffs liefen, hatten Bundestrainer George Kingston und sein Assistent Erich Kühnhackl viele hoffnungsvolle Nachwuchsspieler nominiert - darunter viele Namen, die damals nur Insider kannten, aber heute Klang genießen: Jochen Hecht, Martin Reichel, David Musial, Rochus Schneider, Daniel Kunce, Lars Brüggemann oder Erich Goldmann, der mittlerweile auch als TV-Experte bekannt ist.

Am 21. März 1996 machte der Dingolfinger als 20-Jähriger eines seiner ersten Länderspiele. Die deutschen Nachwuchsspieler hatten gegen die Tschechen keine Chance: Sie verloren 1:9. Für Harant auch im Nachhinein kein Problem, denn der ERSC zählte zu den Gewinnern: "So 30 000 bis 40 000 Mark sind übriggeblieben. Ein wirklich großer Betrag."

Dieses Kapital sei der Grundstock für die folgende Saison gewesen, die nachweislich von Erfolg gekrönt war. Gut ein Jahr nach dem Länderspiel stand der ERSC als Aufsteiger in die Hacker-Pschorr-Liga fest, die damals die zweithöchste Spielklasse war.

Späterer Trainer

Der Trainer, mit dem dieses Kunststück gelang, hieß Gerd Wittmann, der erst neu nach Amberg gekommen war. Auch da hatte Peter Harant seine Finger im Spiel und auch da war die Partie Deutschland gegen Tschechien von Bedeutung: "Ich kannte Gerd aus seiner Zeit in Sonthofen, wo er überaus erfolgreich war. Ich wollte ihn unbedingt als Trainer haben." Also lud der Abteilungsleiter Wittmann zum Länderspiel ein.

Natürlich nicht ohne Hintergedanken, wie Harant erzählt: "Nach dem Spiel hat er zugesagt, dass er kommt. Zwei Wochen später haben wir uns auf halber Strecke getroffen und die Verpflichtung perfekt gemacht."

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