18.08.2019 - 09:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Disco-Deal plötzlich ganz brav

Der ERSC Amberg hat keinen größeren Erzrivalen als die Blue Devils. Und kaum einen Weidener haben die Amberger mehr gehasst als Stephan Hagn. Der Stürmer erzählt, warum ihm junge Amberger Spieler einen Abend lang alle Drinks gezahlt haben.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Nach härteren Zweikämpfen ging normalerweise nicht Stephan Hagn (links) zu Boden, sondern der Gegner. Nicht aber in dieser Szene aus der Saison 2002/03 mit ERSC-Verteidiger Dirk Salinger. Hagn und Salinger sind privat seit ihrer gemeinsamen Zeit in Weiden übrigens beste Freunde.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Stephan Hagn hat in Weiden Eishockey-Geschichte geschrieben. Er war im Jahr 2000 der erste Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, der Stammspieler wurde - mit 21 Jahren. Beim 1985 gegründeten 1. EV Weiden, aus dem 2000 die Blue Devils wurden, avancierte er relativ schnell zum Publikumsliebling. Auch, weil er bis zur U 19 in der Jugend durchwegs Nationalspieler war.

In erster Linie war es aber seine harte, aggressive und überaus körperbetonte Spielweise, die ihn in Weiden so beliebt machte - und in Amberg entsprechend unbeliebt. Einer, der immer alles gibt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Im Internet kursierten sogar Videos, in denen Hagn Gegner K.o. schlägt. 986 Strafminuten in 537 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Auch verbal war der heute 40-Jährige auf der Eisfläche stets präsent: "Beleidigungen haben dazugehört. Es ist aber nie vulgär geworden oder persönlich gegen die Frau oder Kinder der Gegner. Andere haben das teilweise gemacht, aber das war nicht meine Art."

Mehr Strafzeiten als Tore

Die Sätze, die Hagn während der Spiele im Rücken der Schiedsrichter auspackte, klangen eher so: "Hey, an deiner Stelle würde ich aufpassen! Siehst du die freie Stelle da an der Bande? Da steht gleich dein Name drauf, weil ich dich da hindonner." Mit anderen Worten: Hagn war der Typ Stürmer, der in seiner Karriere mehr Strafzeiten (986) sammelte als Tore (74) schoss. Das Fachmagazin Eishockey News kürte ihn in jungen Jahren sogar zum härtesten Checker der Liga. Das sprach sich natürlich auch bis zu den Amberger Jugendspielern herum, die eines Tages selbst für den ERSC aufliefen und gegen Stephan Hagn spielten. Oder besser gesagt, spielen mussten.

Es war ein Tag vor zehn Jahren, als Stephan Hagn einige der Amberger Talente privat zufällig traf. Der Weidener war mit seiner Freundin Sandy, einer Kümmersbruckerin, mit der er mittlerweile verheiratet ist und zwei Kinder hat, im Tanzlokal Tenne - völlig unabhängig vom Eishockey. Aber man kennt sich in der Szene und kommt ins Gespräch. Doch das, was an diesem Abend passierte, hatte Hagn nicht auf der Rechnung. Die jungen Amberger, alle um die 18, 19 und 20 Jahre alt, unterbreiteten dem damals 30-Jährigen ein unvorhersehbares Angebot: "Sie haben gesagt, dass sie uns alle Getränke ausgeben. Wir haben den ganzen Abend frei."

Von Amberger Spielern gefürchtet

Als Hagn stutzte und nachfragte, warum ausgerechnet er in diesen Genuss komme, hörte er diese Sätze, die er seitdem nicht vergessen hat: "Dafür tust du uns nix. Dafür lässt du uns im nächsten Spiel in Ruhe." Stephan Hagn erinnert sich und grinst: "Kaum hatte ich einen Wodka-Red-Bull getrunken, hatte ich schon den nächsten in der Hand. So schnell konnte ich gar nicht schauen." Die jungen Amberger boten sogar an, seiner Freundin beim nächsten Aufeinandertreffen eine Eintrittskarte zu besorgen. So kam es dann auch. Beim Derby, das wenig später in Amberg stattfand, musste Sandy nichts bezahlen. Und das Spiel? Auch daran erinnert sich Hagn, der seinen Teil der Abmachung eingehalten hat: "Ja, ja, ich war brav. Es war entspannt." Wie diese Partie ausgegangen ist, weiß Hagn nicht mehr. Aber eines schon: "Verletzt hat sich an diesem Abend keiner. Es war alles okay."

Stephan Hagn zu seiner aktiven Zeit.
Stephan Hagn heute.

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