20.08.2019 - 09:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Roman Mucha: Mit Fieber fünf Tore gegen Ingolstadt

Vor fünf Jahren war der ERC Ingolstadt Eishockey-Meister und der ERSC Amberg zeitgleich fünftklassig. Doch es gab eine Zeit, in der gewannen die Oberpfälzer zweistellig. Wie im Dezember 1991 beim 11:4. Das lag vor allem an Roman Mucha.

Roman Mucha (Bildmitte) eroberte 1991 die Herzen der ERSC-Fans im Sturm. In seinen beiden ersten Spielen für Amberg schoss er zehn Tore. Rechts ist Muchas slowakischer Landsmann Jozef Kovacik zu sehen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mit Verteidiger Jozef Kovacik hatte der ERSC in der Regionalliga bereits einen Slowaken unter Vertrag, der in der Abwehr für Stabilität sorgen sollte. Parallel dazu war es die Aufgabe von Stürmerstar Mike Morin, vorne für die nötigen Tore zu sorgen. Doch die Saison verlief nicht nach Wunsch der Verantwortlichen um Trainer Rudi Tomanek. Der ERSC war im unteren Tabellendrittel zu finden. Das durfte nicht so bleiben.

Tomanek streckte seine Fühler aus, nutzte seine Beziehungen und verpflichtete mitten in der laufenden Saison einen zweiten Slowaken. Einen Stürmer, der sich in Windeseile in die Herzen der Amberger Fans spielen sollte: Roman Mucha, der bereits bei seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum zur ERSC-Legende wurde. Gegen den ERC Ingolstadt gelangen ihm beim 11:4 fünf Tore und vier Vorlagen. Doch um ein Haar wäre es gar nicht erst zu diesem Gala-Auftritt gekommen. "Jetzt kann ich es ja erzählen", sagt Mucha, der aktuell 53 Jahre alt und seit neun Monaten Großvater ist, in Königsbrunn lebt und bis vor drei Jahren in der Landesliga für seinen neuen Heimatort stürmte. Vor dem Legendenspiel am Samstag, 14. September, blickt er jetzt zurück auf den Dezember 1991: "Ich bin erst zwei Tage vorher nach Deutschland gekommen. Mit Rudi Tomanek im Auto. Am Abend vorher hatte ich 39,5 Grad Fieber. An Eishockey war da nicht zu denken. Ich habe geschwitzt und ich habe gefroren. Ich war am Ende und fast tot."

"Was soll das?"

Doch der Amberger Trainer packte seinen neuen Stürmer einfach ein und fuhr mit ihm nach Kümmersbruck, wo Muchas Landsmann Kovacik bereits seit einiger Zeit lebte. Roman Mucha erinnert sich genau daran, was Tomanek damals gesagt hat: "Was soll das? Du kannst jetzt nicht krank sein. Du musst spielen." Die Antwort des Stürmers: "Was soll das? Ich kann kaum stehen. Ich kann nicht spielen." Der Coach habe ihn daraufhin mit Vitaminen und Tabletten vollgestopft: "Mit weiß der Teufel was allem. Ich habe die ganze Nacht geschlafen und geschwitzt." Am nächsten Tag, 24 Stunden vor dem Ingolstadt-Spiel, war Muchas Körpertemperatur auf 38 Grad gesunken. Dann erneut das gleiche Spiel: "Rudi hat mir wieder Medikamente mitgebracht. Und ich habe wieder alles in mich reingestopft." Zwei Stunden vor der Partie war Roman Mucha eigenen Aussagen zufolge immer noch nicht fit. Von der Bestform ganz zu schweigen: "Ich hatte immer noch 37 Grad Komma irgendwas und war vier Tage nicht auf dem Eis. Ich habe mich gefühlt wie eine ausgekotzte Nudel." Doch Tomanek blieb hart. Roman Mucha gab klein bei: "Ich habe mich überreden lassen."

"Eher Ruderboote"

Die hochambitionierten Ingolstädter mussten mit ansehen, wie sie Roman Mucha fast im Alleingang erledigt. Aus der höchsten tschechoslowakischen Liga war es der damals 26-Jährige gewohnt, gegen Verteidiger zu spielen, die "schnell wie Speedboote" sind. Die Abwehrspieler des Gegners seien im Vergleich dazu "eher Ruderboote" gewesen. Mucha tat sich leicht, wurde zum Helden und vergaß die Krankheit einfach: "Nach dem Spiel ging's mir gut." Die Ingolstädter, die schon damals nach höheren Zielen strebten, waren jedenfalls auf den Slowaken aufmerksam geworden - und verpflichteten ihn zwei Jahre später, um mit ihm in die 2. Liga aufzusteigen. Mitspieler Petr Bares erinnert sich: "Roman hatte brutale Schüsse, gezielte Schüsse. Wenn er die Scheibe hatte, war es 100-prozentig ein Tor. Er hat genau gesehen, welche Schwächen ein Torwart hat und hat das ausgenutzt. Das ist eine Gabe." Bares, der beim DEL-Verein mittlerweile Nachwuchsleiter ist, erinnert sich noch gut an die Zeit, in der er mit Mucha in Ingolstadt stürmte: "Wir hatten Pläne, zügig nach oben zu kommen. Jedes Jahr sollten drei oder vier Spieler geholt werden, die uns besser machen. Roman Mucha war einer davon."

Drei Jahre in Ingolstadt

Drei Jahre spielte Mucha in Ingolstadt, bis eine Legende des deutschen Eishockeys seiner überdrüssig war. Der Trainer hieß Ignaz Berndaner, seines Zeichens Mitglied der Nationalmannschaft, die 1976 in Innsbruck olympisches Bronze gewann. Bares blickt zurück: "Berndaner wolle Roman nicht mehr haben, wegen seiner Defizite in der Defensive. Der Trainer wollte Spieler, die alles können." Also Stürmer, die auch verteidigen. Das war Roman Mucha nicht, an der Mittellinie war für ihn Schluss. Vor dem eigenen Tor war er nie zu sehen. "Stimmt", bestätigt der Slowake und erklärt: "Mich hat's immer nach vorne gezogen. Aber nach meiner Ingolstädter Zeit bin ich reifer geworden. Ich habe meinen Spielstil geändert." Ansonsten, sagt Roman Mucha, "hätte ich mit 50 Jahren nicht noch Landesliga spielen können".

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