19.08.2019 - 16:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Björn in Bamberg: "Nein, Amberg!"

Wer A sagt, muss auch B sagen. Das heißt aber nicht, dass jeder, der nach Amberg will, auch nach Bamberg muss. Obwohl? Ex-ERSC-Verteidiger Björn Michels hat zu Beginn seiner Karriere beide Städte miteinander verwechselt.

Noch heute ist Björn Michels darauf stolz. Als er im Jahr 2000 zum ERSC Amberg wechselte, gab’s auch für ihn eigene Autogrammkarten.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Gerade erst volljährig geworden, war Björn Michels damals für den EC Bad Nauheim aktiv, als eines Tages ein Spielervermittler aus München auftauchte. Der Mann, ein waschechter Oberbayer mit einer Vorliebe für seinen urbayerischen Dialekt, hat an jenem Tag ein halbes Dutzend Nachwuchsspieler angesprochen und unter Vertrag genommen - auch Björn Michels, der prompt einige Zeit später einen Anruf erhielt.

In Amberg war außerplanmäßig eine Verteidigerstelle frei, weil sich der ERSC aus disziplinarischen Gründen von dem Kanadier Colin Anders getrennt hatte. Er stand in dem dringenden Verdacht, im stark alkoholisierten Zustand eine Telefonzelle demoliert und in ihr übernachtet zu haben. Für den damaligen Amberger Coach Jan Eysselt ein untragbarer Zustand. Ein neuer Verteidiger musste her, die Wahl fiel auf Michels, der heute zugibt, aufgeregt gewesen zu sein: "Amberg war für mich meine erste Station außerhalb meiner Heimat."

Also setzte er sich ins Auto und fuhr zu seinem neuen Arbeitgeber. Doch es gab ein Problem. Ein gewaltiges: Während die ERSC-Verantwortlichen in Amberg auf den 19-Jährigen warteten, kurvte der zeitgleich in Bamberg herum und suchte verzweifelt nach dem Eisstadion: "Ich war optimistisch, hoch motiviert und voller Zuversicht." Doch die Stimmung sollte sich bald ändern: "Ich bin in Bamberg dem Schild Eisstadion gefolgt und abgebogen." Aber: "Mitten im Wald war da eine Eisfläche, die halb so groß war, wie sie sein sollte. Mit Maschendrahtzaun drumherum statt Plexiglas. Aber da stand ERSC. Ich dachte: Hier bin ich! Wo seid ihr?"

Björn Michels heute. Mit seiner Frau Bianca lebt er im Allgäu – genauer gesagt in Rettenbach am Auerberg südlich von Kaufbeuren.

"Ach du Scheiße"

Björn Michels erinnert sich noch ganz genau: Die Uhr stand auf 14.45 Uhr, Treffpunkt war um 15 Uhr. Die nächsten Gedanken: "Ach du Scheiße, wo bin ich da gelandet? Und keiner da. Aber die werden schon noch kommen." Die - das waren die ERSC-Vorstände, die zeitgleich in der Eishalle am Schanzl auf Björn Michels warteten, um mit ihm sämtliche Vertragsdetails zu besprechen.

Kompass zu Weihnachten

Als immer mehr Zeit ins Land ging und der 19-Jährige alleine und verlassen in der Einöde stand, griff er zum Handy, um dem Spielervermittler so richtig die Meinung zu sagen: "Ich habe ihn gefragt, ob er mich verarschen will. Weil hier ist niemand. Keine Sau!" Dann löste sich das Rätsel schnell auf. Der Spielervermittler: "Wo bist du?" Björn Michels: "In Bamberg!" Darauf der Spielervermittler: "Nein, Amberg!" - geistige Stille, gefolgt von der Hoffnung des 19-Jährigen: "Hoffentlich erfährt das keiner." Die ERSC-Verantwortlichen wussten von seinem Faux Pax, an die große Glocke sei der Vorfall intern aber nicht gehängt worden: "In der Mannschaft hat das gar nicht groß die Runde gemacht." In den Folgejahren habe ihn die Geschichte dennoch immer wieder eingeholt. Beim Wichteln an Weihnachten zum Beispiel: "Ich habe dann natürlich immer einen Amberger Stadtplan, eine Landkarte oder einen Kompass bekommen", erzählt Björn Michels, der die Schuld für sein Versehen längst bei sich sucht: "Der Spielervermittler war aus Oberbayern, und ich bin ja bekanntlich aus Hessen. Ich habe die Hälfte nicht verstanden. Wahrscheinlich hat er schon ERSC Amberg gesagt - und nicht Bamberg."

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