21.08.2019 - 16:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Jason Dunham: Vertrag mit ERSC einfach zerrissen

Mit 51 Toren und 65 Assists in 49 Spielen hatte Jason Dunham enormen Anteil daran, dass der ERSC Amberg 1997 in die 2. Liga aufstieg. Der Kanadier wurde schnell heimisch. Doch dann war der Stürmer plötzlich weg. Über Nacht.

Der kanadische Flügelspieler und Linksschütze Jason Dunham als Spieler des ERSC Amberg (Mitte rechts hinten).
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Ron Goodall, Stephan Meier und Mike Morin in der ersten Reihe, Manfred Wenzel, David Stevens und Jason Dunham in der zweiten, sowie Ritchie Herbert, Johann Haider und Thomas Gayerhoß in der dritten Angriffsformation - mit ihren Toren schossen diese Stürmer Amberg 1997 in die zweithöchste Liga. "Wir hatten eine brutal gute Atmosphäre und haben uns alle verstanden - auch außerhalb der Eisfläche", erinnert sich der 1970 in Edmonton geborene Jason Dunham, der vor der Aufstiegssaison mit der Empfehlung von 137 Treffern in 86 Partien für den Ligakonkurrenten EV Dingolfing zum ERSC Amberg gewechselt war.

Eine eingeschworene Erfolgstruppe also, die eine Liga höher zusammenbleiben sollte, abgesehen von punktuellen Verstärkungen, auf die die Vereinsführung Wert legte. "Ich wusste, dass sie auf der Suche nach einem jungen deutschen Verteidiger waren, der Qualitäten eines Ausländers hat. Doch solche Spieler waren schwer zu bekommen. Offensichtlich hat der ERSC damals keinen auf dem Markt gefunden", erinnert sich Dunham an die Phase, die richtungsweisend für seinen späteren sportlichen und beruflichen Weg werden sollte.

Plötzlich drei Ausländer

Doch der Reihe nach: "Es ist alles ganz normal abgelaufen. Ich komme aus Kanada zurück und gehe vor dem ersten Training in die Kabine. Plötzlich war da ein dritter Ausländer." Der hieß Cal Benazic und sollte sich in den drei Jahren danach als echte Verstärkung herausstellen. 22 Jahre alt, 1,91 Meter groß und knapp 100 Kilogramm pure Kraft. Mit anderen Worten: Ein Abwehrspieler mit Gardemaß, der noch dazu die Aufmerksamkeit eines NHL-Clubs auf sich gezogen hatte. Die Buffalo Sabres aus der besten Eishockeyliga der Welt besaßen die Rechte an dem Kanadier, der natürlich nicht nach Amberg gekommen war, um auf der Bank zu sitzen und zu warten.

"Cal ist ein super Typ, auch menschlich. Ich mochte ihn sehr", erinnert sich Dunham, der aber ein Problem hatte: "Ich wollte Eishockey spielen. Und Ron Goodall wollte das auch." Verbandsvorgabe war damals aber, dass pro Team nur zwei Nicht- EU-Ausländer auf dem Eis stehen durften. Der ERSC hatte also einen sogenannten Kontingentspieler zu viel. Und Jason Dunham wusste: "Amberg hatte damals nicht das Geld, sich drei Ausländer leisten zu können." Also war guter Rat teuer.

Dunham wollte Klarheit und suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen. Diese hießen 1997 Jürgen Böttcher und Richard Schlosser. Und sie mussten sich von ihrem Starstürmer diesen Satz anhören: "Ich will auf jeden Fall spielen." Doch danach sah es nicht aus. Der Plan sei es gewesen, auf Rotation zu setzen. Dunham, Benazic und Goodall hätten im Schnitt in jedem dritten Spiel pausieren müssen. Jason Dunham wollte damit nicht leben: "Das ist auch für die Mannschaft nicht gut." Also suchte er unverzüglich das Gespräch und sagte: "Leute, gebt mir meinen Vertrag, den kann ich zerreißen. Und dann suche ich mir einen neuen Verein." Die Antwort sei ein schnelles "Okay" gewesen.

Der ERSC und Jason Dunham waren damit geschiedene Leute: "Ich bin aber nicht im Bösen gegangen. Das Gespräch war völlig okay", erzählt der Kanadier, der danach in die Kabine gegangen ist, um sich von allen per Handschlag zu verabschieden. Inklusive Aufstiegstrainer Gerd Wittmann: "Bis der Gerd das mit mir gewusst hat, war der Deal schon längst eingefädelt."

Im Polo nach Braunlage

Jason Dunham hatte aber noch eine Bedingung. Er wollte den VW Polo, den ihm der ERSC zur Verfügung gestellt hatte, behalten: "Ich hatte ja kein Auto da und musste mir einen neuen Arbeitgeber suchen." Der Verein war einverstanden, und Dunham nicht lange auf dem Markt: "Ich war noch keine zehn Minuten daheim, da kam schon der erste Anruf." Am anderen Ende der Leitung: Doug Murray vom EC Harz-Braunlage, der seinen Landsmann nach Niedersachsen lockte.

Jason Dunham rief seine damalige Freundin und jetzige Frau Heidi an, um sie über die aktuelle Entwicklung zu informieren: "Ich habe sie gefragt, ob sie mitkommt. Und sie hat nur gefragt, wann ich sie abhole." Dunhams Antwort: "Morgen früh." Also ging's am nächsten Tag im VW Polo gut 400 Kilometer Richtung Norden. In Braunlage angekommen, unterschrieb Jason Dunham seinen neuen Vertrag und stand bereits am selben Abend wieder auf dem Eis: "Wir haben 5:3 gewonnen."

Über die Zwischenstationen Hamburg, Frankfurt und Heilbronn landete Jason Dunham 2004 in Straubing, wo er mit den Tigers von 2006 bis 2009 in der DEL spielte. In 151 Spielen schoss er 21 Tore und bereitete 38 vor, bevor er mit 39 Jahren seine Karriere beendete. Seitdem ist Dunham in Straubing Sportlicher Leiter und so gut wie nie zu Hause bei seiner Familie in Aschach, wo Frau Heidi ("Ohne eine so tolle Frau könnte ich den Job gar nicht machen") mit Tochter Zoe wohnt. Aber: "Wenn sie mich sehen wollen, dann kommen sie nach Straubing."

Jason Dunham im Juli 2019.

Familie selten komplett

Im Juni und Juli war Jason Dunham zum Beispiel 21 Tage in Nordamerika, um sich 16 Eishockeyspiele anzusehen. In der Hoffnung, neue Spieler für die Straubinger Tigers zu finden. Davor und danach ging's unter anderem aus demselben Grund nach Finnland und Schweden: "Ich bin schon viel unterwegs, aber das ist der Job." Seinen Sohn Noah, der mittlerweile vom EV Regensburg zu den Adlern nach Mannheim gewechselt und längst U 17-Nationalspieler ist, sieht der 49-Jährige im Prinzip nur an Pfingsten: "Dann haben wir sieben bis zehn Tage am Stück als Familie. Wir genießen das immer sehr."

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